Am gestrigen Holocaust-Gedenktag gab es in der Stadt Burg eine Reihe von Aktionen und Veranstaltungen, bei denen auch an die während der Nazi-Zeit ermordeten Burger Juden erinnert wurde.

Burg l Die ersten, die am gestrigen Holocaust-Gedenktag aktiv geworden sind, waren Mitarbeiter des städtischen Bauhofes. Vor dem "Kleinen Rathaus" und anderen öffentlichen Gebäuden haben sie schon vor sieben Uhr halbmast geflaggt. Trauerbeflaggung, wie es der entsprechend Erlass des sachsen-anhaltischen Innenministeriums für den 27. Januar vorsieht, den Tag, an dem 1945 das KZ Auschwitz befreit wurde.

Um kurz vor 9 Uhr bekamen die Siebtklässler der Burger Förderschule "Astrid Lindgreen" Besuch von Fabian Borghardt, der in Burg im "Büro zur Förderung von Demokratie und Vielfalt" mitarbeitet. Der Holocaust-Gedenktag war für Borghardt Anlass, mit den Schülern über "Ausgrenzung" zu reden. Ausgrenzung, wie sie die jüdischen Mitbürger auch in Burg während der Nazi-Zeit erfahren haben. Ausgrenzung, wie sie heute manchmal Zuwanderer in der Ihlestadt erleben. Und Ausgrenzung, wie sie manchmal auch in Schulen passiert.

Auch in den Burger Berufsbildenden Schulen "Conrad Tack" war der Holocaust-Gedenktag gestern Thema. Ab 11.30 Uhr diskutierten Schüler der Gymnasialstufe mit Nora Heinonen und Kevin Dürr von der Intergrationshilfe Sachsen-Anhalt zum Thema Antisemitismus und Rassismus.

Bei einer Übung zum Thema Identität stellten die Schüler fest, dass sie Schwierigkeiten hatten, eine Beschreibung ihrer eigenen Persönlichkeit auf nur vier Begriffe zu begrenzen. Lisa-Marie Riemer brachte es bei der anschließenden Fragerunde auf den Punkt: "Ich fand es schwer, mich selbst so zu betrachten. Das mache ich selten." Für die Schüler gab es auch noch die Erkenntnis, dass das Selbstbild nicht immer mit dem Bild übereinstimmt, das andere von jemandem haben.

Zur Veranstaltung gehörte noch ein Film mit Aussagen von Zeitzeugen aus den 1930er Jahren, in dem deutlich wurde, wie die Nationalsozialisten ihre Feindbilder aufbauten und aufrecht erhielten.

Bereits um 14.30 Uhr öffnete gestern die Bibliothek im Burger evangelischen Gemeindehaus an der Grünstraße mit einem besonderen Angebot an Lesestoff, das Margret Scholz aus ihrem Privatbesitz zusammengestellt hatte: Bücher zum Thema Holocaust. "Besonders Tatsachenberichte zu Auschwitz haben mich schon immer interessiert", so die ehemalige Stadtbibliotheks-Mitarbeiterin, die den mittlerweile über 4000 Bände umfassenden Bestand der Gemeinde-Bücherei ehrenamtlich betreut und Montag sowie Donnerstag von 15 bis 18 Uhr die Räumlichkeiten im Gemeindehaus offen hält.

Um 18 Uhr begann dann die Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Tag in der Burger Nicolai-Kirche. Pfarrer im Ruhestand Joachim Gremmes und seine Mitstreiter hatten ein im Wesentlichen meditatives Gedenken vorbereitet. Lieder, vorgetragen von Männerchor und Gemischtem Chor der Burger Kantorei, wechselten sich mit Textlesungen ab. Sowohl Holocaust-Opfer als auch Täter kamen dabei zu Wort. Höhepunkt des Gedenkens war die Verlesung von Namen jüdischer Mitbürger, die vor 1945 in Burg ansässig waren und von den Nationalsoziaisten deportiert und ermordet worden sind.

Pfarrer Gremmes kündigte an, dass die Stolperstein-Aktion in diesem Jahr in Burg fortgesetzt werden soll. Man wolle damit einer jüdischen Familie, die einst in der Brückenstraße wohnte, ein Denkmal setzen und so die Erinnerung an den Holocaust sichtbar wach halten.

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