Am vergangenen Sonnabend beim Tag der offenen Tür in der Sekundarschule Möckern "Am Park" muss ein Volksstimme-Mitarbeiter feststellen, wie weit doch seine eigene Schulzeit schon zurückliegt ...

Möckern l Es fängt schon mit den vielen lächelnden Lehrern und Lehrerinnen im Foyer an - das war doch früher nicht so? Mit bunten Flugblättern steht eine Delegation im Eingangsbereich der Schule, begrüßt mich und alle anderen Besucher freundlich und verrät, woentlang es denn heute zu den einzelnen Projekträumen und Vorstellungen geht.

Die Besucher an diesem Tag der offenen Sekundarschule sind zum einen ehemalige Schüler, vorrangig aber solche, die das erst noch werden wollen: Zahlreiche Noch-Grundschüler sind mit ihren Eltern gekommen, um zu schauen, was sie hier nach den Sommerferien erwartet. Die Gänge der Sekundarschule in Möckern haben sich während der vergangenen Sommerferien des Jahres 2013 endlich zum Guten verändert. Aus den grauen Tunneln sind ansprechende Laufzonen geworden, mit geschickt eingesetzten, farbigen Akzenten zur räumlichen Aufteilung.

Praxisorientiertes Lernen bringt Vorteile bei der Bewerbung

Fachlehrer und engagierte Schüler haben in den Klassenräumen Stellung bezogen und wollen den Besuchern zeigen, dass Lernen auch richtig Spaß machen kann. Matheaufgaben werden da nicht mit Kreide an der Schultafel ausgeknobelt, sondern mit Hilfe bunter Legekärtchen am Tisch.

Und überhaupt: Eine alte grüne Tafel (sie ist in etwa meine Generation) in einem der Klassenzimmer schaut genauso skeptisch wie ich auf eine blinkende weiße Kunststoffwand. E-Board heißt die berührungsempfindliche Fläche, die nur zusammen mit einem Beamer und Computer betrieben werden kann. Wie man mit einem Naturschwamm streifenfrei ein umfangreiches Schaubild von der Tafel wischt, muss die Jugend von Heute offenbar nicht mehr wissen. Fast schon mit Genugtuung bemerken ich und die grüne Schultafel die ersten Pixelfehler an dem hochmodernen Lernhilfsmittel.

Mit dieser altersbedingten Technik-Skepsis sind Tafel und Journalist allerdings allein auf weiter Flur: Lehrer und Schüler finden es nämlich toll. Souverän zaubern Dennis Golibersuch und Robert König digitale Bildvorträge über die weiße Fläche, wechseln von einem Programm zum nächsten, wischen Grafiken mit dem kleinen Finger hin und weg. Die beiden Jungs besuchen die auf Berufspraxis ausgerichtete Klasse "Produktives Lernen PL", bei der verstärkt auf die individuellen Fertig- und Fähigkeiten der Schüler eingegangen wird. Zu zwei Tagen Schulunterricht kommen pro Woche drei Tage Lernen in einem Betrieb.

Derzeit werden so zehn Schüler der Klassen 8 und 9 auf den Hauptschulabschluss vorbereitet, den sie im reinen "Fünf-Tage-Theorie-Unterricht" nicht unbedingt erreichen würden, erklärt Lehrer Jan Frehse. Die Chancen für die beiden Jungs stehen nicht schlecht: Beide haben so für sich entdeckt, welcher Beruf zu ihnen passt: Dennis strebt jetzt sogar den Realschulabschluss an, um Tierwirt für Geflügel werden zu können, Robert möchte Konstruktionsmechaniker werden. "Unser Vorteil liegt eindeutig darin, dass wir schon Praxiserfahrung vorweisen können, wenn wir uns irgendwo bewerben", ist sich Dennis sicher.

Um den Sprung ins Berufsleben geht es auch einen Raum weiter: Die Berufseinstiegsbegleiterin Annerose Leschik zeigt, welche Möglichkeiten sich nach der Schule bieten und wie man sie ergreift.

Digitale Technik ist längst auch in anderen Bereichen der Sekundarschule "Am Park" eingezogen: "e-learning" heißt das eine Stichwort und "moodle" das andere. "moodle" ist eine Software für Lernplattformen im Internet. Dabei hat die Möckeraner Sekundarschule Zugriff auf Lernprogramme im Netz, kann aber auch eigene Programme erstellen und diese anderen Nutzern des Systems anbieten, erklärt Heike Fischbach, die stellvertretende Schulleiterin und oberste "moodle"-Administratorin im Möckeraner Sekundarschulnetz. Die Lernprogramme von heute heißen natürlich nicht mehr bloß "Mathe", "Deutsch" oder "Geographie", sondern sie heißen auch "Klimawandel" oder "Über das Zusammenspiel von Expressionismus und Journalismus". Freilich sind unter den hunderten Programmen etliche für den gymnasialen Bereich dabei.

"Schreckliche" Botschaften von der Schule nach Hause

"Aber gerade bei unserer Bandbreite an Schülern aus Förderschulbereich bis hin zum Realschulabschluss ist das Programm sehr gut geeignet, dass jeder Schüler entsprechend seinen Möglichkeiten mitgenommen wird", findet Heike Fischbach. Über das Programm können die angemeldeten Schulkinder der Möckeraner Schule sogar von zuhause aus Übungen machen. Oder sie bekommen solch schreckliche Botschaften zugestellt wie: "Nicht vergessen, übermorgen ist Prüfung!"

Wie kinderleicht das Programm ist, zeigen am Tag der offenen Sekundarschule unter anderem die Lehrerin Marion Sandmann und die Schüler Lea Weber und Chris Mangold. "Lernen mit dem PC macht mehr Spaß", ist sich die zwölfjährige Lea sicher.

Meine Bedenken, dass angesichts der Kleinschulen-Schließungen und ungewissen Fortbestands der Sekundarschulen in der Einheitsgemeinde Möckern der Fernunterricht von zuhause dann ja wohl nicht mehr weit ist, teilen weder die Möckeraner Schüler noch das Lehrpersonal: "Ich will mich in der Schule doch auch weiterhin mit meinen Freunden treffen", argumentiert der 14-jährige Chris Mangold und schiebt nach: "Lehrer können den Unterrichtsstoff auch ganz anders vermitteln, als so ein Lernprogramm."

Wie Mensch und Technik gut zusammenarbeiten können, das zeigen am Tag der offenen Tür Lehrerin Elke Kollek und Annabell Hohn. Die Sechstklässlerin stellt ein tolles Hörspiel vor, welches sie mit Klassenkameraden selbst eingespiel hat, mit Musik und Geräuschen und Dialogen.

Dass es auch noch die gute alte Wandzeitung gibt und echte Bücher gelesen werden, beweist mir Lehrerin Cornelia Severin: Sie stellt mir den Ablauf und die Ergebnisse des diesjährigen Lesewettbewerbes vor, und ein Projekt, bei dem die Schüler festgestellt haben, dass Schillers alter Schinken "Kabale und Liebe" richtig interessant ist.

Thema Gemeinschaftsschule bleibt vorerst unerwähnt

Das Thema Gemeinschaftsschule kommt am Tag der offenen Sekundarschule in Möckern nur auf meine Nachfrage zur Sprache. Wohl auch deshalb hält man sich noch zurück, weil der Schulentwicklungsplan des Landkreises Jerichower Land noch nicht beschlossen ist und zudem noch im März eine Arbeitsveranstaltung für interessierte Sekundarschulen mit der Landesregierung aussteht. Gedanken über diese Schulvariante macht man sich natürlich jetzt schon in Möckern.

Auf Anregung der Loburger hatten sich die beiden Bildungseinrichtungen für die Bildung einer Gemeinschaftsschule ausgesprochen. Davon erhofft man sich nicht zuletzt den Fortbestand der Einrichtungen. Bei beiden Sekundarschulen wurde in der Vergangenheit ein gesicherter Fortbestand in Frage gestellt.

Zusammenarbeit bei den Sekundarschulen gibt es schon jetzt. Krankheitsbedingte Lehrerausfälle in Loburg zum Beispiel werden durch Kollegen aus Möckern kompensiert.

   

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