Ein neues Zeitensprünge-Projekt hat in der Europaschule Gymnasium Gommern begonnen. Zum ersten Mal nimmt auch ein Schüler der Sekundarschule teil. Die Schüler suchen Zeitzeugen. Das Thema ist: die Wende in Gommern im Herbst 1989.

Gommern l Keines der fünf Mitglieder des neuen Zeitenspringer-Projekts hat eigene Erinnerungen an den Fall der Mauer, die DDR und die Wende-Zeit. Wohl aber Interesse. "Ich bekomme viel über die DDR mit. Oft wird ja auch gesagt, dass das Leben gar nicht so schlecht war. Das will ich nun genauer wissen", sagte Chris Jochum, einziger Junge und erster Sekundarschüler, der sich am Zeitenspringer-Projekt beteiligt. Die anderen sehen das ähnlich. Auch Henriette Reich erfährt von ihren Eltern viel über die Zeit und die Wende. "Meine Eltern waren damals etwa 20 Jahre alt. Sie erzählen mir oft, wie es damals so war." Für Julia Alsleben ist vom Besuch des Moritzhofes in Magdeburg beeindruckt gewesen und will nun mehr erfahren.

Ob die Wende wirklich für alle DDR-Bürger positiv war, will Franka Stephan gern erfahren. "Oder gibt es da auch ganz andere Geschichten?". Sabine Germer hat sich schon im vergangenen Zeitenspringer-Projekt engagiert. Damals ging es um den 17. Juni. Es war ein Projekt, dass viel Beachtung fand. Als Resultat des Schülerprojekts wurde erst kürzlich eine Gedenktafel an Eberhard Nachmann, einstiger Bürgermeister von Gommern, der zu Unrecht sechs Jahre in Gefangenschaft musste, eingeweiht. "Mich interessiert sehr, wie es weiterging", erklärte sie.

Das Projekt soll in jedem Fall die Webseite, welche schon im vergangenen Jahr begonnen wurde, weiter füllen und die Geschichten um den 17. Juni um die Wende-Geschichten ergänzen. "Wir suchen wieder Zeitzeugen", sagt Sabine Germer. Natürlich sollten alle Zeitzeugen aus Gommern und Umgebung stammen beziehungsweise dort die Wende erlebt haben. "Gut wären sicherlich Vertreter der Generation, die in der DDR geboren ist und der Generation, die auch den Krieg miterlebt hat", meinte Franka Stephan. "Menschen, die sich politisch engagiert haben oder zu Randgruppen gehörten, können bestimmt Spannendes erzählen", ergänzte Julia Alsleben.

Auch Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, wichtige Positionen innen hatten oder Mitarbeiter der Staatssicherheit würden die Schüler gern interviewen.

Der ehemalige Schulleiter Henry Bouet wird ihnen seinen Fundus an Zeitungsartikeln aus der Wendezeit zur Verfügung stellen und ihnen erklären, was die Wende eigentlich für die Institution Schule bedeutete. Zum 9. November wollen die Schüler ihr Projekt fertigstellen.

Wer den Schüler helfen möchte und seine Geschichte beisteuern will, kann sich unter der Telefonnummer 03 92 00/ 6 67 80 melden.