Zum 1. Februar dieses Jahres ist ein neuer Bezirksschornsteinfeger für den Kehrbereich Nummer 10 angetreten. Stefan Neubauer übernimmt die Aufgaben des bisherigen Bezirksschornsteinfegers Hartmut Dohl, der sich in den Ruhestand verabschiedet hatte.

Möckern l In den kommenden sieben Jahren wird er der Mann sein, der uns aufs Dach steigt und Feuer unter dem Allerwertesten macht, wenn wir nicht ordentlich unsere Öfen in Schuss halten. Der 38-Jährige hat zuletzt in Berlin als Schornsteinfeger gearbeitet und - nebenbei bemerkt - auch seinen Bachelor-Abschluss in Politologie gemacht. Aber davon allein raucht der Schornstein nicht. Also ging es zurück zu den Wurzeln.

Denn Stefan Neubauer stammt von hier. Die Eltern wohnten in Zeppernick und später in Leitzkau, er selbst lebte einige Jahre in Loburg und arbeitete in Zerbst als Schornsteinfeger. Mit der jüngsten Ausschreibung des freigewordenen Kehrbezirkes im Jerichower Land "kehrt" er im wahrsten Sinne des Wortes in seine Heimat zurück und wohnt nun wieder in Loburg.

"In den Gesellenjahren habe ich den Zylinder auch getragen. Man kann darunter ziemlich viele Zettel verstauen."

Stefan Neubauer, Schornsteinfeger

Das Jerichower Land ist in insgesamt zwölf solcher Kehrbezirke eingeteilt. 2500 Grundstücke hat Schornsteinfegermeister Neubauer zu "bekehren" - derzeit noch alleine, doch schon in zwei Wochen gesellt sich ein Geselle dazu. Der hat angekündigt, dass er "Zylinder-Träger" sei. In der Zunft gibt es nämlich "solche" und "solche": Solche, die den klassischen Zylinder bei der Arbeit aufsetzen, und solche, die sich das abgewöhnt haben. "In den Gesellenjahren habe ich den Zylinder auch getragen", räumt Stefan Neubauer ein. Nach dem Grund befragt, verrät er: "Man kann darunter ziemlich viele Zettel verstauen."

Auch den klassischen Kehr-Anzug mit Koller (bloß nicht Jacke sagen!) trägt Stefan Neubauer im normalen Berufsalltag eher selten. Stattdessen Latzhose, natürlich schwarz. Mal sehen, vielleicht glänzt ja der neue Geselle mit hübschen Messingknöpfen am Koller. Auf denen ist im Idealfall der Heilige St. Florian abgebildet. Für manchen mag das neu sein: der Heilige ist auch der Schutzpatron der Schornsteinfeger.

Ebenfalls verwundern mag, dass der berühmte Musketier-Ausruf "Einer für alle, alle für einen" schon seit dem Mittelalter der Wahlspruch der Schornsteinfeger ist und für das Wir-Gefühl und den Zusammenarbeit in der Zunft steht.

Wie oft die Menschen in der Region mit Stefan Neubauer Bekanntschaft machen werden, hängt von ihnen selbst ab. Sie können sich seit über einem Jahr den Schornsteinfeger für die meisten anstehenden Arbeiten selbst aussuchen, das muss dann nicht Neubauer sein. Wohl aber dann, wenn es um die sogenannte "Feuerstättenschau" geht. Die darf nur der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger des Kehrbezirkes vornehmen. In den kommenden sieben Jahren, in denen Neubauer diese Funktion ausübt, wird er voraussichtlich jede Feuerstätte zwei Mal begutachtet haben.

Die betroffenen Haushalte haben in der Vergangenheit sogenannte Feuerstättenbescheide erhalten, aus denen hervorgeht, wie oft und wann welche Kontrollen und Reinigungen zu erfolgen haben. "Wer nicht möchte, dass ich die anstehenden Schornsteinfegerarbeiten übernehme, sollte mir das mitteilen. Wer einen anderen Kollegen beauftragen möchte, muss mir die Ausführung der Arbeiten aber form- und fristgerecht nachweisen", erklärt der 38-Jährige.

Es könnte also sein, dass Stefan Neubauer demnächst auch mal vor Ihrer Tür steht. Die Informationen, wann welche Feuerstätte im Kehrbezirk an der Reihe ist, zieht der neue Bezirksschornsteinfeger aber nicht etwa aus dem bereits erwähnten Zylinder und es hat auch sonst nichts mit Zauberei zu tun. Neubauer kann schlicht und ergreifend auf die Unterlagen seines Vorgängers Hartmut Dohl zurückgreifen.

Den sagenumwobenen Ruf als Glücksbringer lässt Schornsteinfeger Stefan Neubauer schmunzelnd über sich ergehen: "Wer daran gerne glauben möchte, dass es Glück bringt, einen Schornsteinfeger zu berühren, der kann das gerne tun."

Wer sein Glück selbst in die Hand nehmen, und sich den "neuen Feger" ins Haus holen möchte, erreicht Bezirksschornsteinfeger Stefan Neubauer in der Bahnhofstraße 15 39279 Möckern OT Loburg, telefonisch unter (039245/180057) oder mobil (0176/72 45 02 03).