Acht Kandidaten wurden für die Volksstimme-Aktion "Du bis spitze!" aufgestellt. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können Ihren Lokalmatadoren 2013 wählen. Nacheinander stellen wir die Nominierten noch einmal vor. Heute beenden wir die kleine Serie mit Dr. Peter Weber.

Nedlitz l So richtig recht sei ihm die Nominierung für die Volksstimme-Aktion "Du bist spitze" nicht, meint Peter Weber, Vorsitzender des Fördervereins "Kirche Sankt Nikolaus Nedlitz". Schließlich hätte er allein nichts erreichen können. "25 Mitglieder zählen zum Verein, und weitaus mehr haben sich in den vergangenen Jahren mit für die Kirche engagiert", sagt der Geschäftsführer einer Soft- und Hardwarefirma im medizinischen Sektor. Im vergangenen Jahr eröffneten die Mitglieder des Fördervereins eine vielbeachtete Ausstellung zum Thema Tod und Begräbniskultur. Teil der Ausstellung sind zwei restaurierte Mumien, die Besucher auch ansehen können.

Der gebürtige Thüringer studierte biomedizinische Technik und promovierte in dem Fach. 1980 fand er eine Anstellung in Magdeburg und gründete 1993 seine Firma dort. Kurz zuvor war der gläubige Christ nach Nedlitz gezogen.

Dort begann er sich um die seit 1974 gesperrte Kirche zu kümmern. Nach der politischen Wende nutze der damalige Pfarrer Schreiner die Gunst der Stunde und rettete mit Fördermitteln den Kirchturm, durch den ein regelrechter Risse ging. "Damit war ein Anfang getan, aber das Kirchendach war noch undicht und es regnete hinein", weiß der 61-Jährige zu berichten. Weil während der nächsten Jahre viele Nedlitzer, aber auch Pfarrer Rüdiger Meussling und die damalige Bürgermeisterin Kirstin Majaura viel Kraft in den Erhalt der Kirche steckten, war die Gründung eines Fördervereins ein logischer Schluss. "Als Möglichkeit selbst zu entscheiden, wie wir mit der Kirche umgehen", erklärt er.

Erster Vorsitzender wurde Dr. Peter Weber und blieb es bis heute. "Schon damals haben wir alles, was nicht unbedingt Fachleute brauchte, mit Nedlitzern und Vereinsmitgliedern zu Stande gebracht."

Damals dachten die Mitglieder noch nicht daran, eine Ausstellung über den Tod zu eröffnen. "Wir haben mit den Dingen begonnen, die mit Sinnen erlebbar waren. Zuerst die Kirchturmuhr, dann eine elektrische Orgel, es musste wieder Leben in die Kirche einziehen", sagt er. 2010 gab es die Idee, dass die Krypta, in der die Mumien liegen, an der Reihe sei. Die Nedlitzer gründeten eine Arbeitsgruppe mit Professor Eberhard Aepler für die historische Dimension, Eberhard Rode als Fachmann für Fördermittel, Mike Jandl als Architekt und Peter Weber als Organisator. "Einer musste sie ja immer treiben, zusammenhalten - und vor allem loben", resümiert er augenzwinkernd.

Mehr als zwei Jahre dauerte dann die Phase, in der Geld gesammelt, beantragt und abgerechnet werden musste, die Mumien untersucht und behutsam gesäubert worden und die Gruft und der Ausstellungsraum saniert wurde. "Es mussten sehr viele Detailarbeiten, die nicht sichtbar, für das Projekt aber notwendig sind, getan werden", erzählt er. Das fängt bei der Abrechnung der Fördermittel an und geht bis zur regelmäßigen Kontrolle des Klimas in der Krypta weiter. Das dürfe sich nicht verändern, sonst seien die Mumien in Gefahr. Zudem wurden kritische Stimmen aus Kirchenreihen an dem Projekt lauter. Einige sahen die Totenruhe gestört. "Das hatten wir nicht erwartet", berichtete Peter Weber. Nach langen Streitigkeiten sei festgestellt worden, dass der Gemeindekirchenrat darüber entscheiden müsse, ob die Mumien gezeigt werden können. "Neun von elf Räten stimmten dafür."

Die Entscheidung fiel kurzvor der geplanten Eröffnung im April 2013. "Sie sprachen uns das Vertrauen aus, dass wir behutsam mit dem Thema umgehen. Und den Weg sind wir auch konsequent gegangen." Kirchenführer Manfred Kuhnert zünde zu jeder Führung erst ein Kerze an, bevor er zunächst die Geschichte der Kirche erkläre. "Die Mumien sind Teil eines Ganzen." Nach der Führung bleiben die Gäste noch kurz in der Kirche. "Sie sollen reflektieren, was sie gerade gesehen haben. Einen Menschen, der einmal atmete und Kinder hatte und sich beschäftigt hat wie sie", sagt Weber. Er als Christ habe mit den Gedanken an den Tod keine Probleme.

Sicher habe das gesamte Projekt auch eine missionarische Komponente. Gerade bei der Vielzahl der Helfer aus dem Ort fühle er, "dass immer noch Wurzeln da sind und dass die Kirche, die da im Mittelpunkt des Ortes steht, Identifikation für die Leute bedeutet. Ich glaube, wir werden bald wieder mehr im Gottesdienst sein."