Genthin l Edmund Herrmann, ehemaliger Vorsitzender des Bauernverbandes Jerichower Land, beklagt in seinem Abschlussbericht für das Jahr 2013: "Die falschen Informationen über Dünger und Pflanzenschutzmittel sind Meinungsmache, der Einsatz von Antibiotika wird unsachlich verteufelt." Und genau deswegen müsse das Klassenzimmer der jungen Menschen hin und wieder auf den Bauernhof verlegt werden.

Das funktioniere im Jerichower Land auch ganz gut. "Nur die Zehn- bis 14-Jährigen binden wir zu wenig ein", erklärt Herrmann. Kontakte aus Grundschulprogrammen müssten aufrecht erhalten werden. Neben dem ehemaligen Vorsitzenden hängen Werbeplakate "Bist Du ein Naturtalent - werde Tierwirt!" Die rund 150 Gäste applaudieren im Saal des Genthiner Hotels Müller. Es ist Herrmanns letzte Rede als Vorsitzender des Bauernverbandes.

81 Betriebe im Kreis gehören zu dem Verband, das bedeutet 42 168 Hektar Fläche. Damit ist rund die Hälfte des landwirtschaftlich genutzten Bodens im Jerichower Land im Bauernverband organisiert. Boden, dessen Wert stetig steigt. Boden, der zu Preisen weit über dem Richtwert verkauft wird.

Energiewende lässt Bodenpreise steigen

Boden, der in Zeiten der Energiewende nicht mehr nur landwirtschaftlich und als Geldanlage genutzt wird. Boden, um den der Kampf längst begonnen hat. Herrmann erinnert: Nicht mal drei Hektar sollten 2008 für 29.000 Euro verkauft werden - an die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, ein Dienstleister des Bundes. Ortsüblich wären je nach Bodenwert rund 6000 Euro pro Hektar. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde beanstandet diesen Verkauf. Jetzt liegt der Fall beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.

"Das Urteil wird hoffentlich zeigen, dass diese Höchstpreisstrategie nicht gerechtfertigt ist", sagt Landrat Lothar Finzelberg auf dem Bauerntag. Genauso viel Unverständnis für solche Bodenpreise hat Otto Müller, Vorsitzender der Landsenioren, die zu Gast auf dem Bauerntag waren. "Das ist entsetzlich, wenn man solche Zahlen hört, die treiben die Pachtpreise in die Höhe und ziehen die Mittel aus den Betrieben für Arbeitsplätze", erklärt Müller.

Wie diese Böden zu realistischen Preisen Eigentum der heimischen Landwirte bleiben können, erklärt Dr. Winfried Sonderhoff vom Amt für Landwirtschaft in einem Vortrag. Mit dem Grundstücksverkehrsgesetz könnten Vorkaufsrechte durchgesetzt werden. Allerdings muss dazu der ansässige Landwirt immer noch bereit sein 150 Prozent des ortsüblichen Preises zu zahlen.

Verhärtete Fronten zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Womit die Bodenpreise vermindert werden, steht für Helmer Rawolle fest. Das langjährige Kreistagsmitglied fragt auf dem Bauerntag: "Wie viel Naturschutzgebiete brauchen wir wirklich? Wie viele Wölfe und wie viele Trappen?" Land, was unter Naturschutz steht, lasse sich gegen den aktuellen Trend nur schwer verkaufen.

Für den Präsidenten des Bauernverbandes Frank Zedler ist klar: "Immer mehr Ackerland verschwindet aus der landwirtschaftlichen Produktion, auch durch Ausgleichsmaßnahmen." Der Bau einer Straße müsse nicht in direkter Nähe durch die dreifache Größe auf bestem Ackerland ausgeglichen werden. Auch wichtig in seinen Augen: "Wir haben in der Vergangenheit oft versäumt, die Bürger mitzunehmen, um zu zeigen, wie wir produzieren." Dadurch könnten viele Vorurteile ausgeräumt werden.