Wenn im Gemeindehaus plötzlich über steigende Bahnpreise diskutiert wird, Gesichter für Grimassen massiert werden und eine aufbrausende Schaffnerin einen arroganten Fahrgast anschreit, dann gibt das Burger Kabarett "CAT-stairs" einen Workshop.

Burg l Ganz langsam schleichen die zehn Workshop-Teilnehmer am Sonnabend durch den großen Saal im Evangelischen Gemeindehaus. Sie werden immer schneller, sie zwinkern sich gegenseitig zu und dann stoßen sie im Vorbeigehen ihre Schultern aneinander. "Das Körpergefühl ist für die Bühne enorm wichtig, auch wenn solche Berührungen anfangs schwierig sein können", erklärt Dominik Patté. Er ist eines der fünf aktiven Mitglieder des Kabarett "CAT-stairs". Patté hat das Ensemble vor 15 Jahren mitgegründet.

Jetzt sucht die Truppe unter dem Schirm der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai neue Mitglieder. Was Kabarettist sein bedeutet, konnten Interessierte am Sonnabend selbst erfahren. Mit dabei: Annelie Bechtold aus Möser. "Ich habe schon Auftritte des Kabaretts gesehen, war begeistert und könnte mir gut vorstellen, auch selbst mal mit auf der Bühne zu stehen."

Doch was gehört dazu? Alles beginnt mit der Wut. "Wer sich über nichts ärgert, sollte die Finger vom Kabarett lassen", sagt Maria Kiel. Die 29-Jährige leitet den ersten Workshop-Teil: Das Texten. Steigende Bahnpreise, schlechte Bildungspolitik, ein verurteilter Landrat, der Berliner Flughafen - alles Themen, die die Teilnehmer bewegen. "Fürs Kabarett müssen wir uns auf unterschiedliche Weise in die Probleme hineindenken", erklärt Maria Kiel. Auch sie ist von Anfang an dabei.

Die Teilnehmer hinterfragen kritisch, "Gibt es genügend Lehrer?", träumen von einer besseren Welt, "kostenlos Bahn fahren" und stellen sich der Realität, "der Kreistag könnte einen verurteilten Landrat beurlauben".

Dann geht es auf die Bühne. Arme und Beine ausgeschüttelt, das Gesicht massiert, Rollen einstudiert. Die 16-jährige Anna Maria Brandenburg wird zur wütenden Bahnschaffnerin, der 14-jährige Alexander Kiel zum egomanen Fahrgast und Gymnasiast Gabriel Giese ist "der Lässige". "Jetzt bleiben Sie mal ganz entspannt, ich suche doch schon, ist doch alles halb so wild", entgegnet er der Kontrolleurin. Das ist das Schöne: "Man kann in andere Rollen schlüpfen, wer auf der Bühne vorlaut und aggressiv ist, kann zu Hause schüchtern und zurückhaltend sein", erklärt Dominik Patté. Doch zum Kabarett gehört nicht nur das Schauspiel, sondern auch die Musik. Im dritten Teil wird es auf die Melodie von "Mein kleiner grüner Kaktus" plötzlich politisch. Gabriel Giese ist seit sechs Jahren Mitglied der "CAT-stairs" und hat extra dafür Akkordeon und Ukulele gelernt, Alexander Kiel ist erst neu dabei und spielt jetzt extra den E-Bass.

Am Ende des Tages hat die Kabarett-Gruppe erste Textideen für das neue Programm im November - und vielleicht sogar ein neues Mitglied: Workshop-Teilnehmerin Annelie Bechtold, 65 Jahre, aus Möser.

www.cat-stairs.de