Ein umfangreiches statistisches Material zur Bevölkerungsentwicklung und zum Wohnraumbedarf stellte kürzlich ein fachkundiger Regionalplaner dem Biederitzer Gemeinderat vor. Es ist die Grundlage zur Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes der Gemeinde.

Biederitz l Nils Funke vom Büro für Stadt-, Regional- und Dorfplanung Irxleben hatte überwiegend gute Nachrichten mitzuteilen. Die Gemeinde Biederitz wird längst nicht so viel an Einwohnern verlieren, wie eine Prognose des Statistischen Landesamtes einst vorhergesagt hatte. Inzwischen sind die Aussagen, die sich auf die Entwicklung bis 2025 beziehen, korrigiert worden. Zunächst jedoch war das Landesamt davon ausgegangen, dass von den 8445 Einwohnern der Gemeinde Biederitz im Jahre 2025 noch 6860 vorhanden sind.

Funke bemängelte, dass diese Prognose die Besonderheit der örtlichen Lage zur Landeshauptstadt ausblende. Als Beleg führte er unter anderem die Tatsache an, dass insbesondere der ausgeglichene Wanderungssaldo (Weg- und Zuzüge) in den Jahren 2008 bis 2012 dafür gesorgt habe, dass der prognostizierte Bevölkerungsverlust von etwa 365 Einwohnern ausgeblieben ist. Es kam in jenen fünf Jahren zu einem Zuwachs von 55 Einwohnern.

Da solche unsicheren Prognosen keine Basis für eine solide Wohnbauflächen-Bedarfsprognose sind, habe er eine eigene Modellrechnung erstellt, die die Spezifikationen der Biederitzer Ortschaften berücksichtigt. Demnach wird von 8500 Einwohnern im Jahre 2012 ausgegangen. Diese Zahl ist bis zum Jahre 2015 in etwa stabil. Fünf Jahre später wird mit 8272 Einwohnern und im Jahre 2012 mit 7822 Bürgern in den sechs Ortschaften der Gemeinde gerechnet. Zur Erinnerung: Das Statistische Landesamt hatte 6860 Personen prognostiziert, als rund 1000 weniger.

Es wird erwartet, dass sich besonders Biederitz und Heyrothsberge bei ihrer Entwicklung am Trend der Landeshauptstadt orientieren.

Die Entwicklung der ländlichen Ortschaften Gübs, Königsborn und Woltersdorf entspricht im Trend eher der Tendenz des Landkreises Jerichower Land, wo es einen höheren Rückgang geben wird.

Gerwisch hingegen ist zwar durch die Nähe zu Magdeburg geprägt, verfolgt aber schon stärker eine eigene Orientierung.

In die Einschätzung des künftigen Bedarfs von Wohnraum und Bauflächen muss auch die zu erwartende Anzahl der Haushalte einfließen. Biederitz liegt mit 2,13 Einwohnern je belegter Wohnung deutlich über dem Landesdurchschnitt. Das liegt daran, dass im letzten Jahrzehnt vor allem junge Familien mit Kindern Einfamilienhäuser gebaut haben. Doch der Wert wird deutlich sinken, weil nämlich in den vielen bis 1995 errichteten Einfamilienhäusern die Kinder ausziehen oder schon ausgezogen sind und an anderer Stelle einen eigenen Hausstand gründen. In vielen großen Häusern bleiben die Eltern allein zurück. Die Gemeinde Biederitz wird bis 2025 in etwa das Landesniveau von 1,87 Einwohnern pro Wohnung erreicht haben. Hieraus ergibt sich für das Jahr 2025 eine Anzahl von rund 4180 Haushalten. Trotz der Einwohnerabnahme um rund 670 Personen steigt die Anzahl der Haushalte im Vergleich zu 2012 um rund 190.

Untersucht wurde auch der Bedarf an Ein- und Zweifamilienhäusern sowie an Geschosswohnungen. Bis zum Jahr 2030 - so besagen es Vorhersagen - wird der Bedarf an Häusern um 5 bis 15 Prozent wachsen. Die Nachfrage nach Wohnungen in Mehrfamilienhäusern wird auf etwa die Hälfte abstürzen. Das sind Zahlen für den Landkreis. Im auch den Biederitzer Markt beeinflussenden Magdeburg wird der Bedarfszuwachs an Ein- und Zweifamilienhäuser mit 35 bis 45 Prozent beziffert. Dafür sinkt der Bedarf an Geschosswohnungen um 20 bis 15 Prozent. Die Werte für die Gemeinde Biederitz werden zwischen denen des Landkreises und denen der Landeshauptstadt angenommen.

Interessant indes: In der Gemeinde Biederitz stehen rund 280 Wohnungen leer. Schwerpunkt sind die Barackenbauten in der Eisenbahnersiedlung in Gerwisch mit allein deutlich über 100 Wohnungen, die wohl abgerissen werden sollen. Fast alle Wohnungen in der Gemeinde Biederitz befinden sich in privater Hand (einschließlich Wohneigentum). Kommunale oder wohnungswirtschaftliche Unternehmen verfügen nur über 2,7 Prozent aller Wohnungen. Hier beträgt der Leerstand lediglich vier Prozent.

Ein Bedarf an neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern wird nicht gesehen. Allerdings weist die Untersuchung auf die Notwendigkeit zur Schaffung altersgerechter Wohnungen ausdrücklich hin.

Insgesamt ist ermittelt worden, dass in den entwicklungsträchtigen Ortschaften Biederitz und Heyrothsberge in Bezug auf die bereits erschlossenen Gebiete 187 Einfamilienhaus-Bauplätze fehlen. Bei Erschließung der noch unerschlossenen Gebiete verbleibt immer noch ein Defizit von 162 Bauplätzen. Die Studie zeigt dafür geeignete Flächen auf, ohne das prognostizierte Defizit zu decken.

Bei diesem strukturellen Wohnflächenbedarf wird davon ausgegangen, dass pro Jahr in der Gemeinde 20 neue Häuser gebaut werden. Das ist der Jahresdurchschnitt von 2006 bis 2012.

Im Wesentlichen werden diese Häuser von Personen gebaut, die in der Gemeinde aufwuchsen. Man geht davon aus, dass in Zeiten mangelnder Lehrlingszahlen der regionale Arbeitsmarkt gute Chancen bietet. Die Gemeinde Biederitz insgesamt deckt also den aus ihr selbst kommenden Bedarf. Mit einem deutlichen Zuzug wie in den 90er Jahren wird nicht mehr gerechnet.

Die kleineren Orte Woltersdorf, Königsborn und Gübs werden indes nicht so nachgefragt sein wie Biederitz, Heyrothsberge und mit Abstrichen auch Gerwisch. In Gübs gibt es derzeit sogar ein Bauplatzüberangebot.

Die empfohlene Aufstellung eines Flächennutzungsplanes für die gesamte Gemeinde Biederitz wird mehrere Jahre beanspruchen. Bis dahin gelten die vorhandenen Pläne. Jedoch verfügt Königsborn über keinen solchen Plan. Deshalb ist in dieser Ortschaft in den letzten acht Jahren auch kein einzigen neues Haus gebaut worden.