Vom Praktikum zur Festanstellung ist die Idealvorstellung von Arbeitsagentur und Jobcenter. Eine Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Burg soll Kunden mehr Service bieten. Nicole Wentorp ist ein Positiv-Beispiel, wie es funktionieren könnte.

Burg l Der Burgerin Nicole Wentorp ist es geglückt, von einem Praktikum im Tea-Treff zu einer Festanstellung bei den Projekten des Mehrgenerationenhauses zu gelangen. 2007 hat der Weg begonnen. "Ich habe mich bereits privat gern im Tea-Treff aufgehalten. Das familiäre Umfeld habe ich immer genossen", sagt Nicole Wentorp. Ab 2008 hat sie sich dann gegen eine Aufwandsentschädigung um die Hausaufgaben-Unterstützung gekümmert. Und so nahm das Ganze seinen Lauf. 2012 war sie die Schulbegleitung für Schüler, die ein auffälliges Verhalten zeigten. Seit Juni des gleichen Jahres hat sie sich dann in Festanstellung um die verschiedenen Projekte des Mehrgenerationenhauses in Burg gekümmert. "Ich habe hier ein tolles Team. Dass sich das alles so entwickelt, konnte keiner vorhersehen, aber seit dem habe ich nicht mehr zurückgeblickt", so Wentorp.

Solche Lebensläufe sollen durch die nun besiegelte Kooperation zwischen Arbeitsagentur Magdeburg, Jobcenter Jerichower Land und Mehrgenerationenhaus noch mehr ermöglicht werden. "Zunächst müssen wir bei den Langzeitarbeitslosen die Hürde der gesellschaftlichen Isolation abbauen", betont Torsten Narr, Geschäftsführer des Jobcenters Jerichower Land. Mit Hilfe eines Praktikum könne wieder Selbstbewusstsein gelernt werden. "Es ist wichtig, dass die Menschen, sich wieder dem Thema Arbeit widmen", so Narr.

Konkret sieht die Vereinbarung eine Beratung von Berufsrückkehrern sowie Wiedereinsteigern vor. Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten werden vorgestellt, die Stellensuche im Internet erklärt oder Integrationschancen auf dem regionalen Arbeitsmarkt aufgezeigt. Des Weiteren werden Job- und Lernbörse oder Berufsorientierungsangebote für Jugendliche und Eltern vorgestellt. "Ziel ist es, das Mehrgenerationenhaus auch für Kunden der Agentur für Arbeit und des Jobcenters als Ort der generationsübergreifenden Begegnung und des freiwilligen Engagements von Menschen aller Altersgruppen zu nutzen", sagt Leiterin Sabine Schick.

Ein Arbeitsschwerpunkt soll dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstellen. Dabei könne der Eltern-Kind-Gruppe im Mehrgenerationenhaus eine wichtige Rolle zukommen. 30 Elternteile und 35 Babys nutzen mittlerweile das Angebot, der seit 2008 existierenden Gruppe. "Eltern haben hier die Möglichkeit, auch mal ihre Kinder abzugeben, um noch wichtige Termine wahrzunehmen", erklärt Silke Kirchhof vom Soziokulturellen Zentrum. "Das ist ein sehr wertvolles Angebot. Hier kommt man aus der persönlichen Isolation heraus und es bildet sich ganz automatisch eine Gruppensolidarität, die für die Arbeitssuche wichtig sein kann", so Matthias Kaschte, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Magdeburg. "Die Menschen werden hier wieder in die Gesellschaft zurückgeholt. Das Leben wird ein stückweit lebenswerter", weiß auch Sabine Schick. Gerade in der Eltern-Kind-Gruppe kommen Mütter aus verschiedenen Bereichen, die sich austauschen können. "Man ist mit seinen Problemen nie alleine", so die Leiterin des Mehrgenrationenhauses.

Torsten Narr sieht die besiegelte Kooperation als sinnvolle Ergänzung für alle drei Parteien. "Es wird kein Netzwerk auf dem Papier sein, sondern ein Netzwerk, das gelebt wird", macht er deutlich.

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