Die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Burg sieht unter neuer Flagge wirtschaftlich optimistisch in die Zukunft. Geschäftsführer Frank Hirling setzt auf einen Mix zwischen Umgestaltung und Neubau.

Burg l 90 Prozent ihrer Anteile hatte die Stadt im Sommer vergangenen Jahres nach europaweiter Ausschreibung an eine Gesellschaft von Frank Hirling verkauft. Eine Entscheidung, die sich der Stadtrat seinerzeit nicht leicht gemacht hat. Die Wobau war einerseits finanziell schwer angeschlagen, weitere städtische Hilfen nicht mehr möglich und der favorisierte Interessent unbekannt. Frank Hirling kann auch heute noch jeden Zweifler gut verstehen. "Das ist normal. Hätte ich im Burger Stadtrat gesessen, wäre ich selbstverständlich auch skeptisch gewesen. Letztlich hat mich der Rat mit einem großen Vertrauensvorschuss ausgestattet. Dessen bin ich mir bewusst", sagt der studierte Kaufmann aus Berlin, der seit Ende der 90er Jahre in der Immobilienbranche tätig ist.

Seit Oktober, nachdem alle Verträge unter Dach und Fach waren, ist Hirling in Burg richtig im Geschäft, hat die Führung der Wobau persönlich übernommen. Sein wichtigstes Ziel, das Unternehmen finanziell wieder auf Kurs zu bringen und mit neuem Know how auszustatten, ist er eigenen Worten zufolge "ein großes Stück näher gekommen. Auch weil die Mitarbeiter voll mitziehen".

Gespräche mit Gläubigern und Banken stünden zwar noch immer auf der Tagesordnung. "Das aber ist der normale Weg, solche Sanierung geht nicht von heute auf morgen. Es gibt aber keine unliebsamen Überraschungen mehr", sagt Hirling, der einerseits den Ist-Zustand auf Vordermann bringen und andererseits erste Zukunftsprojekte anschieben will.

In diesem Zusammenhang müsse allerdings etwas ganz Normales wieder in den Mittelpunkt gerückt werden: Ordnung und Sauberkeit in den Wohnhäusern. "Lichtschächte, Keller, Treppenhäuser und Dachböden sind absolute Schwerpunkte. Ist es dort dreckig oder vermüllt, sinken Attraktivität und Lebensqualität", begründet der Geschäftsführer. Um die Vermietung anzukurbeln, würden nach und nach Wohnungen ansprechend saniert, professionell angeboten und auch Musterwohnungen präsentiert. Ein treffendes Beispiel ist eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Wilhelm-Kuhr-Straße 3a. In dem Neubaublock haben Fachleute im obersten Stockwerk Hand angelegt. Freundlich und hell hergerichtete Zimmer mit modernem Bad sollen zeigen, wie Wohnungen bezugsfertig angeboten werden können. Dass künftige Mieter auch über den normalen Standard hinaus ihre Wünsche einfließen lassen können, soll zum Service im Vorfeld einer Vermietung gehören. Etwa zehn neu renovierte Wohnungen sind im Stadtgebiet zum größten Teil fertig, sagt Hirling.

In puncto Investitionen ist der Fokus zunächst auf einen Wohnblock am Marienweg und Markt gerichtet. Vor allem im Zentrum müsse ausgelotet werden, welche Form - Abriss, Teilabriss und Neubau oder Renovierung - am tragfähigsten ist. "Auch wir als Stadt haben großes Interesse daran, dass sich in dieser 1a-Lage etwas bewegt", bestätigt auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) bei der Wohnungsbesichtigung in der Wilhelm-Kuhr-Straße. Zudem sei der Bedarf an höherwertigem Wohnraum vorhanden. Er ist sicher, dass sich in den kommenden Jahren einiges bewegen wird. "Wir haben zwar mit zehn Prozent nur die Minderheit der Anteile, sind aber bei allen wichtigen Entscheidungen mit im Boot", versichert Rehbaum.

Die Wobau hat derzeit 1800 Wohnungen, wovon 1200 vermietet sind. Der Leerstand beträgt aktuell 34 Prozent.