Jetzt ausgewertete Fotofallenbilder des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt konnten einen Luchs auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow nachweisen. Damit ist es bundesweit der einzige Ort, wo Luchs und Wolf zusammen vorkommen.

Altengrabow l "Man kann hier schon von einer Sensation sprechen", sagt Klaus Puffer, Wolfsbeauftragter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt. Mehrere Tage hintereinander lief das Tier Mitte Dezember des vergangenen Jahres durch eine auf dem Truppenübungsplatz aufgestellte Fotofalle. "Es war ein nicht alltägliches Foto, was sich dem Landesumweltamt und dem Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt bei Kontrolle der Bilder zeigte", betont Puffer.

Weitere Details zum Tier sind allerdings bislang unbekannt. "Woher der Luchs stammt, welches Geschlecht das Tier hat, dies alles kann im Moment nicht beantwortet werden", informiert der Wolfsbeauftragte. Ob es das Tier ist, das 2008 aus dem Magdeburger Zoo entflohen ist, vermag Puffer nicht zu beantworten. "Um das zu beweisen, haben wir viel zu wenig Informationen. Es ist vor ein paar Jahren auch ein Tier aus einem Brandenburger Gehege geflohen. Die Tiere nehmen weite Strecken auf sich", erklärt der Experte. Puffer vermutet aber, wenn es ein Tier aus einem Gehege wäre, wäre es nicht so scheu.

Der Erstnachweis eines Luchses auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow erfolgte im Februar 2011. Ob es noch derselbe Luchs oder ein anderer Luchs sei, könne momentan noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden, so Puffer. Luchse weisen ein unterschiedliches Fellmuster (die linke und rechte Seite des Tieres sind verschieden) auf. "Um den einzelnen Luchs wiederzuerkennen, braucht man Bilder von beiden Körperseiten", erklärt Puffer. Anders als beim Wolf würde der Luchs seine Losungen verscharren, darum ist ein Nachweis dieses Tieres umso schwerer.

Laut Bundesforstbetrieb ist der Truppenübungsplatz im Moment der einzige Ort in Deutschland, wo Wolf und Luchs zusammen vorkommen. Auswirkungen auf den Wolf hat dessen Existenz allerdings nicht. "Das ist dem Wolf relativ egal. In Europa gibt es ja bereits einige Gebiete, wo beide Tiere gemeinsam leben", versichert der Wolfsbeauftragte.

Die Hauptbeutetierart des Luchses ist das Rehwild, Hasen und Kleinsäuger. Der Luchs ist ein Überraschungsjäger. Die Jagd findet vom Ansitz aus vom Boden oder durch das Anschleichen an das Beutetier statt. Er tötet seine Beutetiere durch einen Drosselbiss. Eine Gefahr für den Menschen geht allerdings nicht von ihm aus. "Die Tiere sind sehr scheu und deshalb eher ungefährlich", weiß der Experte.

Um mehr Informationen über das Tier zu bekommen, haben Bundesforstbetrieb und Landesumweltamt schon Maßnahmen ergriffen. Zum einen wurden bereits neue Fotofallen aufgestellt, die entsprechend auch Farbaufnahmen machen können. Zum anderen wurden Stöcke mit Baldrian aufgestellt. "Im Idealfall laufen die Tiere dagegen und verlieren so ein paar Haare, die für eine DNA-Analyse sehr wertvoll wären", erklärt Puffer die Maßnahme. Denn: "Das Fell eines Luchses ist wie sein genetischer Fingerabdruck", betont der Wolfbeauftragte.

Die Entdeckung auf dem Truppenübungsplatz löste sowohl bei der Bundeswehr als auch beim Bundesforstbetrieb positive Reaktionen aus. "Die Anwesenheit eines weiteren großen Beutegreifers hier in der Region haben wir mit großer Freude zur Kenntnis genommen", sagt Puffer.