Noch in diesem Jahr soll der erste Kubikmeter Biogas in das Leitungssystem bei Gommern eingespeist werden. Die "Firma Pure Nature Energy" aus Münster baut gegenüber der Firma Voith die Biogasanlage auf. Es gibt auch Widerstand.

Gommern l In Gommern soll noch in diesem Jahr eine Biogasanlage entstehen. Der Standort wird an der Kreisstraße 1220 nach Pöthen gegenüber der Voith-Turbo-Niederlassung sein. Das Grundstück wurde vom Bund veräußert, somit war der Stadtrat in den Verkauf nicht involviert.

Ziel der Anlage sei es, Biogas in das Netz einzuspeisen, erklärte Geschäftsführer Simon Detscher von der Betreiber-Firma Pure Nature Energy. Das Familienunternehmen mit Sitz in Münster stamme aus dem Schwarzwald und betreibe deutschlandweit sieben Anlagen, drei davon in Sachsen-Anhalt. Die vierte im Bundesland soll noch in diesem Jahr in Gommern die ersten Kubikmeter Gas in das Netz einspeisen.

Die Firma habe sich für den Standort entschieden, "weil dort eine Gasleitung mit ausreichender Kapazität gegeben ist, in welche wir das Gas einspeisen können", erklärte Detscher. Außerdem seien im Umland genügend Flächen vorhanden, um Biomasse anzubauen, "ohne dass die Fruchtfolge gefährdet ist", betonte der Investor.

Aus einem Umkreis von etwa 20 Kilometern soll die Biomasse angefahren werden, etwa 50 000 Tonnen benötige die 2,8-Megawatt-Anlage im Jahr. "Höchstens die Hälfte wird dabei aus Mais bestehen", erzählte der Geschäftsführer. Der Rest setze sich aus anderen nachwachsenden Rohstoffen zusammen. Befüllt werde die Anlage immer zur Erntezeit. "Rund 20 Tonnen werden pro Lkw angefahren", erklärte er weiter. Das ergebe rund 2500 Lkw, welche die Anlage beliefern. Rund 25 Tage im Jahr werde die Anlage insgesamt befüllt, schätzte er ein.

Zwischen zehn und 15 Landwirte haben Lieferverträge mit den Anlagenbetreibern unterzeichnet, erklärte Detscher. Die Laufzeiten lägen zwischen fünf und zehn Jahren.

Gegen das Vorhaben regt sich auch Widerstand. Ein anonymer Brief wurde offenbar gezielt an Landwirte gesendet. Darin erklären die Verfasser: "Der Bau dieser Anlage kann nur das Ziel haben, Ackerland zu erwerben." Der nächste Schritt sei eine Gründung eines landwirtschaftlichen Unternehmens. Pacht- und Landpreise würden daraufhin steigen. Das Schreiben fordert auf, keine Lieferverträge zu unterzeichnen. "Wer heute einen Liefervertrag unterschreibt, wird morgen seine Flächen los", schließt der Brief.

Bodenpreise steigen um Biogas- und Tieranlagen

Zumindest was den Preisanstieg angeht, dürften die Verfasser nicht ganz Unrecht haben. "Seit Jahren steigen die Preise für Böden in der Republik durch nichtlandwirtschaftliche Geldanlager, aber auch durch Landwirte", erklärte Detlef Thiel, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. "Nach Untersuchungen gibt es Steigerungen besonders in Regionen mit vielen Tierhaltungs- und Biogasanlagen." Heute gibt es 322 Biogasanlagen in Sachsen-Anhalt, 20 mehr als 2012. Auch für das Ministerium sind das genug. Es sehe "nur noch begrenzte Zubaupotenziale durch Energiepflanzen und befürwortet die Nutzung von biogenen Abfall- und Reststoffen".

Flächen zu kaufen habe Simon Detscher nicht vor, sagte er auf Nachfrage. "Gegen Widerstand habe ich grundsätzlich nichts, das gibt auch die Gelegenheit, Vorurteile zu entkräften. Zu anonymem Schreiben äußere ich mich aber nicht." Der Bauplatz befinde sich letztlich innerhalb eines Industriegebietes und alle Auflagen werden übererfüllt. Eine Genehmigung sehe er als garantiert an.

Ein Bauantrag liegt im Rathaus noch nicht vor. " Wenn er kommt, werden wir ihn in den politischen Gremien besprechen", sagte Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein. Ob das Einfluss auf das Genehmigungsverfahren habe, könne er aber nicht sagen.

Edmund Herrmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, wollte sich gestern nicht spontan zu der Thematik äußern.