Burg l Eines liegt Jana Echternach von der Agentur für Arbeit besonders am Herzen: "Neue Fachkräfte sollen vor Ort ausgebildet werden und auch hier bleiben." Fast 500 Einladungen haben die Agentur und das Jobcenter rausgeschickt. Für Jugendliche, die sich zum ersten Mal für eine Ausbildung bewerben, oder Erwachsene bis 35 Jahre, die nach der richtigen Weiterbildung suchen, ist die Ausbildungs- und Qualifizierungsbörse gedacht. 23 Unternehmen und zehn Bildungsträger haben dafür am Mittwoch ihre Stände in der Burger Stadthalle aufgebaut.

Brigitte Klaus aus Haldensleben hat zwar keine Prospekte dabei, dafür aber jede Menge Make-up und Lipgloss. "Mit 16 brauchst Du fast gar keine Schminke, da sieht die Haut ganz natürlich am besten aus", erklärt die Stilberaterin Anika Zittlau. Die 16-Jährige will Erzieherin werden. "Ich würde beim Vorstellungsgespräch Jeans und eine schicke Bluse anziehen", sagt die Berufsschülerin aus Burg. Genau so hätte es ihr auch Brigitte Klaus empfohlen. "Es kommt immer darauf an, wo man sich bewirbt und was dazu passt", so die Beraterin. Eine angehende Bankkauffrau müsse anders gekleidet sein als eine Erzieherin.

Für Pauline Tiede sind die Tipps besonders wichtig. Die 17-Jährige hat heute in Magdeburg ihr erstes Bewerbungsgespräch zur medizinischen Fachangestellten. Auch Christopher Daum weiß schon genau, was er werden will: Heilerziehungspfleger. Dass das etwas für ihn ist, weiß der 16-Jährige seit seinem Praktikum bei der Burger Lebenshilfe. Brigitte Klaus rät ihm für das Bewerbungsgespräch: "Jungs vergessen leider oft, ihre Mütze abzunehmen." Noch wichtig: Der Arbeitgeber entscheidet, ob er die Hand geben will oder nicht. Und erst hinsetzen, wenn man dazu aufgefordert wird.

"Unbedingt Mütze abnehmen und rasieren."
Brigitte Klaus, Stilberaterin

Einer dieser Arbeitgeber ist Sören Rawolle, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Tucheim. Er hat ein ganz anderes Problem: "In den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte unserer Mitarbeiter in Rente und wir haben längst nicht genügend Nachwuchs." Dafür müsste die Genossenschaft jedes Jahr drei Bewerber zum Land- oder Tierwirt ausbilden. Doch dafür gibt es nicht mehr genügend Interessenten. "Die Jugendlichen haben heute eine so große Auswahl, die Tradition in den Orten fehlt einfach", erklärt Rawolle. Deswegen nimmt er erstmals an der Börse teil.

"Wer Tiere liebt und gern draußen ist, wird den Beruf mögen", weiß Ilka Wildgrube von der Agrargenossenschaft aus Erfahrung. Doch die unregelmäßigen Arbeitszeiten und die schwere Arbeit würden viele junge Menschen abschrecken. Wie Sören Rawolle sie trotzdem überzeugen will: "Wir haben einen neuen Milchviehstall gebaut, in dem die Arbeit wie Melken durch Maschinen abgenommen wird." Dadurch müsste die Arbeit auch nicht mehr so früh beginnen.

Dass die Schüler heute sich weniger für die handwerklichen und produktiven Bereiche interessieren, weiß auch Lehrerin Sabine Nickl. Im Wirtschaftsunterricht der Brettiner Sekundarschule macht sie sich regelmäßig mit den Neuntklässlern auf die Suche nach dem richtigen Job. "Frisör, Bäcker, Maler - diese Berufe kennt jeder, aber es gibt mehr als 400 Ausbildungen, wir sprechen oft über Berufe, von denen die Schüler vorher noch nie etwas gehört haben." Eine Vielzahl davon stellen die Unternehmen aus dem Kreis am Mittwoch vor. Die 46 Schüler aus Brettin haben die Aufgabe, die Ausbildungsberufe von 15 Arbeitgebern zu erfragen - ein weiterer Schritt in Richtung Berufswahl.