Friedensau l Der kleine Ort ist bekannt für seine kulturelle Vielfalt. Dafür sorgen schon die Theologische Hochschule mit ihrer Bibliothek, sowie das freizeitpädagogisch ausgerichtete Angebot des Zeltplatzes. Unlängst taten sich die Institutionen für einen ungewöhnlichen Kulturgenuss zusammen. Die Lesung mit dem Autor Titus Müller fand an beiden Orten statt: erst auf dem Zeltplatzgelände beim Lagerfeuer, danach in der neuen Kulturscheune auf dem Campusgelände.

Titus Müller ist in Friedensau kein Unbekannter, lebte er doch selbst für ein halbes Jahr im Ort, auch durch das familiäre Umfeld kennt er sich hier aus: "Ich bin als Junge wie alle anderen Kinder im Ort in den kleinen Swimmingpool gefallen", gestand der heute 36-Jährige, der inzwischen mit Frau und Kind bei München lebt. Schnell einigten sich Autor und Zuhörer auf das "Du"!

Organisiert hatte die Wandel-Lesung die Zeltplatzleiterin Sabine Schorcht im Zusammenspiel mit dem Gästehaus der Theologischen Hochschule. "Ich wollte mit der Veranstaltung den Besuchern die Möglichkeit geben, das große Angebot Friedensau aktiv zu erleben und die Einwohner ermuntern, sich kulturell im Ort zu beteiligen", erklärte Sabine Schorcht. Der Plan ging auf: die gut 80 Besucher, die nicht nur aus dem Ort Friedensau kamen, konnten sich von der kulturellen Eignung beider "Spielstätten" überzeugen.

In einer kurzen Ansprache gab der Friedensauer Geistliche Gerald Hummel zu, dass man sich angesichts des Buchtitels eigentlich Schnee gewünscht habe. "So aber haben wir wenigstens die Schwedenfeuer in Form eines Schneekristalls aufgestellt", scherzte er.

"Der Schneekristallforscher" heißt das neue Buch von Titus Müller. Es ist eine auf wahren Begebenheiten basierende Erzählung um Wilson Bentley, der zu jener Zeit lebt, in der die Fotografie aufkommt. Weil Wilson Bentley aber mit Hilfe eines Mikroskops nur Schneeflocken ablichtet, wird er von seinem Umfeld zum schrägen Kauz abgestempelt. Die Fachwelt hingegen entdeckt den Bauern mit Gespür für Schnee und macht ihn letztlich weltberühmt.

Titus Müller hat der wahren Person in seinem elften Roman eine Liebesgeschichte zur Seite gestellt und viel recherchiert. So ermittelte er sogar die Zahl der Kühe, die Wilson Bentley damals in seinem Stall hatte. All das macht die Geschichte höchst authentisch, selbst wenn sich Titus Müller manchmal eben doch etwas ausdenken muss.

Spontane Jazz-Begleitung

Im zweiten Teil der Lesung begaben sich alle in die Kulturscheune. Dort warteten zwei Überraschungen auf die Gäste: Zum einen wurden Originalaufnahmen von Bentleys Schneekrsitallen auf die Leinwand projiziert, faszinierende Kristallformationen, welche fast nie zwei mal in gleicher Form nachgewiesen worden sind. Die zweite Überraschung war musikalischer Art: Marcus Krugel (Klavier), dessen Sohn Aaron (Bassgitarre) und der Student Sully Sanon (Saxophon) erklärten sich spontan bereit, die Veranstaltung mit Jazzmusik zu bereichern. Kinder konnten derweil am Basteltisch kreativ werden und Papierschneeflocken basteln.

 

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