Stegelitz l "Die Menschen in der Region stehen dem Wolf sicher mit gemischten Gefühlen gegenüber oder sogar mit Angst. Wir wollen mit dem Vortrag heute dazu beitragen, dass alle wissen, was es mit dem Wolf eigentlich auf sich hat", begrüßte der Stegelitzer Ortschef und Heimatvereinsvorsitzende Erhard Fischer die Gäste in der proppevollen Dorfgaststätte.

Ja, der Wolf ist auch in der Gemarkung Stegelitz wieder unterwegs. Es finden sich Spuren des Wildtieres, welches in Deutschland lange als fast ausgerottet galt und nun doch wieder eingewandert ist. In der Einheitsgemeinde Möckern ist der Truppenübungsplatz von Altengrabow zur neuen Heimat von Isegrimm geworden.

Unklar, wie viele Wölfe es gibt

Wie viele Tiere dort derzeit leben, weiß auch Klaus Puffer nicht so genau. Es gibt aber Hochrechnungen und Schätzungen. In Deutschland soll es 26 Rudel geben, im Land Sachsen-Anhalt gibt es vier nachgewiesene Wolfsrudel. In Altengrabow sind schon mal zwölf Tiere auf einem der Wildkamera-Fotos zu sehen gewesen. Immer wieder geben aktuelle Bilder der zahlreichen aufgestellten Wildkameras Hinweise auf die Population, aber das umtriebige Wesen der Tiere macht es schwer, sicher zu sagen, um wieviele Tiere es sich handelt. Im geschnürten Trab legt der Wolf nachts locker 25 Kilometer außerhalb des Truppenübungsplatzes zurück, auf den er sich tagsüber zurückzieht.

Der Wolfsbeauftragte hat einige der Fotografien mitgebracht, wirft sie mit dem Beamer an eine Wand im Dorfkrug. Zu sehen sind Losungen und Fährten der Wölfe, dann Bilder der Tiere selbst. Für Lacher sorgen Fotos von Hasen oder Damwild, von Wildschweinen oder Mörsereinschlägen. Die Wildkameras dokumentieren eine Menge von dem, was auf dem Truppenübungsplatz passiert. Über 50 Augenpaare sind auf die Bilder gerichtet. So voll hat der veranstaltende Stegelitzer Heimatverein die Gaststätte schon lange nicht mehr erlebt.

Es sind aber nicht nur Menschen aus dem Ort gekommen, um Neues über den Wolf in der Region zu erfahren. Auch aus den umliegenden Orten schauen Bürger vorbei: ältere Menschen, junge Leute, manche haben ihre Kinder mitgebracht. Skeptische Jäger und naturverliebte Bürger diskutieren gegen Ende nicht ohne Leidenschaft über die Rückkehr des Wolfes.

Ist der Wolf eine Gefahr für den Menschen? Klaus Puffer sagt Nein. "Der Wolf meidet den Menschen, aber nicht dessen Infrastruktur. Er will seine Ruhe, wurde hundert Jahre vom Menschen verfolgt, das hat er im Hinterstübchen. Und der Mensch passt auch nicht in sein Beuteschema", sagt Klaus Puffer.

Jäger sehen den Bestand der anderen Tiere im Wald in Gefahr, wenn der Wolf auch da ist. Vier Kilogramm Fleisch verlangt ein Wolf pro Tag. Dass der Wolf nur schwaches und krankes Rot, Dam- und Schwarzwild reißt, will nicht jeder glauben. Schon wird gefordert, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Doch davon sind die offiziellen Stellen bislang weit entfernt. Der Wolf gehört zu den geschütztesten Arten überhaupt.