SchmaZ macht aus Schülern Reporter. Beim "Schüler machen Zeitung"-Projekt liefern die Partner des Projektes Themen zum recherchieren. Am Donnerstag öffneten die SWM für Gommeraner Schüler den Eingang zur Kanalisation.

Gommern l Einer der Vorzüge des Journalisten-Berufes ist es, dorthin zu gelangen, wo es für die meisten Menschen keinen Zugang gibt. Von dort berichtet der Reporter für seine Leser über tolle, spannende und faszinierende Leute, Sachen und Begebenheiten.

Manchmal allerdings geht der Reporter an Orte, an die seine Leser nicht unbedingt wollen. Das lernten sechs Schülern von der Europaschule Gymnasium Gommern am Donnerstag. Sie warfen im Rahmen des SchmaZ-Projektes einen Blick in die Mageburger Kanalisation. Die Städtischen Werke Magdeburg, die SchmaZ seit Jahren unterstützen, öffneten den Eingang zu einem riesigen Kanalnetz.

Um halb neun am Donnerstagmorgen trafen sich Nils Hampel, Thorben Brinkmann, Charley Kaiser, Anna Schlöffel, Michelle Maaß und Paula Radam mit Vorarbeiter Olaf Peine und weiteren Mitarbeitern der Stadtwerke Magdeburg (SWM).

Peine und seine 17 Kollegen sorgen täglich dafür, dass die Abwassersysteme unter den Straßen Magdeburgs frei sind. "Das hier ist der Sandfang", erklärte Peine den Schüler. 80 Prozent des Magdeburger Abwassers passiere diesen bevor es unter der Elbe hindurch nach Gerwisch zur Kläranlage weitergeleitet werde. Gemeinsam mit den jungen Reportern stieg er ein riesiges Rondell hinab. Mit der Taschenlampe leuchtete er in die beiden Tunnel, aus den die grünbraune Brühe in den Sandfang läuft. Über dem Sammelbecken schwebte eine riesige Schaufel. "Damit werden die Feststoffe aus dem Fang in einen Container gebaggert", erklärte er den Gymnasiasten.

Zwei Arten von Rohren gebe es, erklärte er weiter. "Die kleinen, die wir nur mechanisch reinigen können und solche große wie diese hier, die wir manuell reinigen", erklärte er. Dabei verwende die manuelle Reinigung eigentlich auch eine ausgeklügelte Technologie, die gänzlich ohne Strom und Diesel auskomme.

Es ist eine Art Wagen, der sich an die runde Form des Rohres anpasst, beschwert wird und vom Druck des von hinten anstehenden Wassers durch den Kanal geschoben wird, wobei der die Ablagerungen des Kanals vor sich her schiebt. "Das klappt auch über Kilometer", sagte der Vorarbeiter. Die engeren Rohre werden mit Hochdruck gespült. Um dort Verstopfungen zu erkennen und um den Zustand der Rohre zu kontrollieren, erkundet Oliver Frühling diese mit Kameras. Rund 300 Meter weit kommen die mit LED-Licht und schwenkbaren Kameraas ausgestatten ferngesteuerten Fahrzeuge.

Die Fahrten werden oben im Einsatzwagen aufgezeichnet. Frühling versieht das Videos mit Kommentaren. Dort wo er eine Schwachstelle entdeckt, schreibt er es in die Video-Datei. So sind die Stellen später genau lokalisierbar. Rund 400 Meter kann er am Tag so kontrollieren, sagte er. "Wir müssen oft umsetzen. Die Rohre sind meist nicht durchgängig auf einer Höhe." Kanal-TV nennen die Mitarbeiter die Kontrolle.

Die Männer haben 24 Stunden Bereitschaft, erklären sie den jungen Reportern. "Etwa Einmal in der Woche müssen wir raus, ein verstopftes Rohr befreien", sagte Peine. Früher sei das wesentlich Häufiger gewesen. "Manchmal haben wir in der Woche 40 Überstunden angesammelt, weil wir so oft raus mussten." Das es jetzt weniger sei, sei ein Zeichen dafür, dass das Netz gut gewartet werde, erklärte der 48-Jährige nicht ganz ohne Stolz. Früher habe der Beruf einen sehr schlechten Ruf gehabt, sagte er. "`Wenn du nicht aufpasst, wirst du Kanaler` haben die Eltern ihren Kinder gesagt", weiß Peine.

"Dabei dauert die Lehre zur Fachkraft für Abwasserwirtschaft dreieinhalb Jahre, Schwerpunkte liegen auf Chemie und Physik. Es gelten strenge Sicherheits- und Hygienebestimmungen", sagte er. Fachkräfte seien Mangelware, der Beruf biete hohe Aufstiegschancen, erklärte er. "Und an den Geruch hat man sich nach einem halben Jahr gewöhnt."

   

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