Anders als 2007 zieht die Linke im Jerichower Land in diesem Jahr mit einem eigenen Landratskandidaten in den Wahlkampf. Sie schickt den Vorsitzenden des Kreisverbandes, Harry Czeke, ins Rennen.

Burg l War es die Überraschung des Freitagabend oder die Tatsache, dass die Personalie dank strenger Verschwiegenheit nicht schon Tage vor der Delegiertenversammlung durchsickerte? Wie auch immer: Als Harry Czeke seine Kandidatur in den Ring warf ("Wir sind als Linke nicht irgendwer und müssen Gesicht zeigen"), signalisierten die Genossen in der Burger Stadthalle sofort ihre Zustimmung. Kopfnicken, klatschen. Der erste Mann des Kreisverbandes will es wissen. Seine persönliche Vorstellungsrunde fiel knapp aus - was nicht verwundert. Den Landtagsabgeordneten Harry Czeke (52) aus Genthin kennt jeder der Parteimitglieder. Auch deshalb, weil der studierte Diplom-Agrar-Ingenieur seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik fest verwurzelt ist. So wirkte es fast wie eine Selbstverständlichkeit, dass das anschließende Ergebnis mit 38 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung bei 42 stimmberechtigten Mitgliedern deutlich zu seinen Gunsten ausfiel. "Ein tolles Ergebnis", kommentierte er gegenüber der Volksstimme.

Mit der Wahl von Czeke bewerben sich nun vier Männer um den Posten des Landrates. "Das wird jetzt spannend", meinte der Burger Klaus-Dieter Krüger in der Pause.

Und auch Amtsinhaber Lothar Finzelberg, derzeit vom Kreistag für drei Monate suspendiert und Gast der Linken-Wahlversammlung, bescheinigte den Genossen, einen respektablen und kompetenten Kandidaten aufgestellt zu haben. Finzelberg: "Ich freue mich, mit Harry Czeke auf der Bewerberbank sitzen zu dürfen."

Für den Spitzenkandidaten selbst stünden Themen wie Transparenz und Bürgerbeteiligung im Fokus seines Wahlkampfes. Für ihn steht fest: "Eine Kreisverwaltung muss sich mehr als Dienstleister gegenüber den Bürgern verstehen." Das wolle er im Falle eines Wahlsieges unter anderem deutlich machen, sagte Czeke gegenüber der Volksstimme.

Daneben wählten die Genossen auch ihre Kandidaten für den Kreistag (21), die Stadträte und Ortschaftsräte. Dabei ließ mit Sicherheit der Name Wolfgang Bernicke aufhorchen. Der ehemalige Genthiner Bürgermeister (parteilos) sitzt derzeit in der Fraktion FDP/Wählergemeinschaften im Kreistag und steht nun im Wahlbereich 1 (Genthin, Elbe-Parey, Jerichow) auf der Liste der Linken. Der 66-Jährige will sich mit seinen Erfahrungen als Parteiloser einbringen, "weil meine Abstimmungen bislang mit der Fraktion der Linken fast immer übereingestimmt hat".

Aus ganz lokalen Gründen bewerben sich Männer und Frauen der Linken für eine Mitarbeit im Kreistag. Winfried Moschkau beispielsweise will sich für den Erhalt der Sekundarschule Loburg einsetzen. Da ist er auch im Förderverein aktiv. Marco Herbort aus Burg fordert frischen Wind in der Kommunalpolitik. Für Thomas Trantzschel aus Möser sind mehr basisdemokratische Strukturen notwendig. Das habe die Unterschriftenaktion gegen die Übertragung der örtlichen Kita an einen freien Träger unter Beweis gestellt.