In der Staatskanzlei heißt das Ziel: "Unfallfrei streamen, auch in der ländlichen Region." Dafür wurden jetzt 100 Millionen Fördermittel bei der EU beantragt. Rund sieben Millionen stehen dem Jerichower Land zu. Der Kreis will nun die Verantwortung für den Breitbandausbau übernehmen. Das hat Vorteile.

Burg l Einen Film oder eine Serie im Internet gucken, ohne dass es ruckelt, ohne dass es stoppt. "Unfallfrei streamen", definiert Theo Struhkamp das Ziel der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt. Struhkamp ist verantwortlich für den Breitbandausbau im Land. Schnelles Internet sei mittlerweile ein wichtiger Aspekt für die Lebensqualität. "Um dünn besiedelte Gebiete als Wohnstandorte und vor allem für Unternehmen attraktiv zu halten, ist der Breitbandausbau wichtig", so Struhkamp.

Mehr als 100 Millionen Euro an Fördermitteln sind dafür bei der EU beantragt. Werden die bewilligt, bekommt das Jerichower Land sieben Millionen für den Ausbau. Auf Initiative der Staatskanzlei hat der Kreis das Schönebecker Institut für Informations- und Kommunikationstechnik mit einer Machbarkeitsstudie für den Breitbandausbau in der Region beauftragt.

Die Kreisverwaltung hat sich als eine der ersten für die Fördermittel beim Land angemeldet und will die Verantwortung für den Ausbau übernehmen. Nicht mehr die Kommunen. Eine Absprache mit den Bürgermeistern gab es bereits. Sie sind einverstanden. Einige haben es vorgemacht. "Es gibt Regionen, die schon ziemlich weit sind", sagt Landrat Lothar Finzelberg. Beispiele dafür: Niegripp und Elbe-Parey.

Dass die Staatskanzlei nun die Verantwortung durch die Kreise alternativ vorgeschlagen hat, beruht auf der guten Erfahrung in der Altmark. "Hier hat sich extra ein Zweckverband gegründet, der eine gemeinsame Strategie ausgearbeitet hat", erklärt Theo Struhkamp.

Die Vorteile: Die Maßnahmen für den Breitbandausbau könnten mit anstehenden Bauprojekten verbunden werden, an Gemeindegrenzen könne früher reagiert werden, wer in einem größeren Gebiet ausbaut habe die Chance auf bessere Preise bei den Anbietern. Wichtig für Theo Struhkamp: "Finanziell sind die Kreise oft besser aufgestellt, um den nötigen Eigenanteil über Jahre hinweg aufzubringen." 20 Prozent der Kosten für die Investition muss der Kreis tragen.

Der Landrat selbst surft in Hüttermühle derweil nur mit einem Megabit pro Sekunde. Surfen und Mail geht - Filme, Telefonieren, große Datenanhänge gehen nicht. Das Ziel sollen mal 50 Megabit sein. "Der Bedarf ist da, die Unternehmen trommeln", sagt Finzelberg. Mitte des Jahres soll die Studie vorliegen. Anschließend könne es losgehen. Die Koordination übernimmt dann die Genthiner Stadtverwaltung. "Dort sitzen Fachleute, die sich auskennen, und den Ausbau im Kreis unterstützen", erklärt Finzelberg die Entscheidung.

Genthins Bürgermeister Thomas Barz kommt selbst aus dem Informatik-Bereich. Für die Ortschaft Mützel hat er den Breitbandausbau bereits vorangetrieben. Die Kabel sind verlegt, die Technik steht. Spätestens im Juni soll es mit dem schnellen Internet so weit sein.

"Wir sehen uns in der Lage, das Projekt im gesamten Kreis mitzugestalten", sagt Barz. Als Stadt selbst hätte Genthin ein starkes Interesse an dem Ausbau. Die Verwaltung würde dann Ausschreibungen der einzelnen Kommunen mitbegleiten, sie bei der Organisation unterstützen.

Die Voraussetzung: Die Gemeinden schließen eine Zweckvereinbarung mit der Genthiner Stadtverwaltung ab und die Mitarbeiter stehen dann als Dienstleister zur Verfügung. Warum Breitband unausweichlich ist? Thomas Barz: "Internet ist ein Standortfaktor für Unternehmen und auch im privaten Bereich. Die Gesellschaft drängt darauf."