Ein Biber fühlt sich heimisch an der Ihle im Burger Flickschupark. Gut für die Bäume ist das nicht, findet die Stadtverwaltung. Tierschützer empfehlen, sich mit dem Nagetier zu arrangieren.

Burg l Die Weide auf der kleinen Insel im Teich des Flickschuparks ist der Beweis: Der Stamm ist kegelrund durchgenagt. Ein baumfällender Gast wohnt in Burg.

Bei den Burger Baumschützern ist der Biber natürlich kein gern gesehener Gast. Wieland Günther, Sachbearbeiter für Stadtentwicklung und Bau, ist sicher: "Seit dem Sommer ist der Biber nachweislich in Burg unterwegs". Spuren seiner kräftigen Schneidezähne finden sich an den Bäumen zwischen Kolk und Stadtmühle. "Die Bedingungen stimmen", sagt Annett Schumacher vom Nabu-Arbeitskreis Biberschutz Sachsen-Anhalt. Der Elbebiber, eine besonders geschützte Art, findet an der Ihle mit den naturbelassenen Ufern und zahlreichen Gehölzern einen idealen Lebensraum.

Die Weide passte dem schwimmenden Nager hervorragend, um seine Schneidezähne abzuwetzen. Der durchgenagte Baum auf der kleinen Insel im Teich werde liegen bleiben, erklärt Günther. Eigentlich sollte die Trauerweide ein schöner Blickfang werden. Gekostet habe der Baum 250 Euro, als er vor sechs Jahren gepflanzt wurde. Einen neuen werde es laut Wieland Günther aus Kostengründen vorerst nicht geben.

Er macht sich langfristig Sorgen um den Baumbestand der Stadt. Übertriebene Befürchtungen wegen eines Nagers? Die Bäume, die der Biber nur angeknabbert hat, "werden wohl früher oder später absterben", sagt Günther. Nach Zählungen der Stadtverwaltung und Berichten von Anliegern gibt es inzwischen etwa 30 angenagte Bäume.

Der kleine Nager werde Burg also noch beschäftigen, ergänzt Günther. Jetzt soll erstmal geklärt werden, ob der Elbebiber sich hier tatsächlich angesiedelt hat. "Wir hoffen, dass es nur ein Tier ist", sagt Günther, in der Hoffnung, nicht bald eine ganze Biberfamilie zu begrüßen. Was allerdings nicht auszuschließen sei, weiß Annett Schumacher. Und eine ganze Familie knabbert dann mehr Bäume an als nur ein Einzeltier.

Neu ist das Nagetier in der Region Burg nicht unbedingt. Klaus-Dieter Krüger vom Nabu Burg schätzt den Bestand der Elbebiber in Burg und den Ortschaften auf rund 20 Tiere. In Blumenthal leben mindestens acht und in Parchau haben die Biber auch einen Bau, zählt Krüger auf. Im Burger Stadtgebiet wurden Biber bislang noch nicht registriert. "An der Stelle der Ihle sind uns noch keine Reviere bekannt gewesen", sagt der Nabu-Vorsitzende.

Umsiedeln des Bibers ist eine Variante, die für die Stadt in Frage käme. Sofern er sich denn überhaupt einfangen ließe, gibt Günther zu bedenken.

Das sei jedoch keine langfristige Lösung, weiß Schumacher. Wenn eins der Pelztiere einen Platz als geeignetes Revier auserkoren hat, dann wird auch ein Artgenosse sich gern wieder ansiedeln. Der Biber muss aber gar nicht vertrieben werden, um die Bäume zu schützen.

Torsten Beyer, der im Biosphärenreservat Mittelelbe zusammen mit Annett Schumacher Ansprechpartner für Probleme mit dem Biber ist, hat noch andere Lösungen parat: Mit der Bepflanzung könnte man sich auf den Biber einstellen. "Erle schmeckt ihm gar nicht. Die würde er stehen lassen", empfiehlt der Biberexperte. Auch ein gezielter Einzelbaumschutz bietet sich an: Maschendrahtzaun um die Bäume, damit die Nagezähne keine Chance haben.

Es sei wichtig, sich mit dem Biber zu arrangieren und anzufreunden. "Wir können eigentlich stolz sein, dass der Elbebiber sich hier gehalten hat. Aus Sicht der Tierschützer ist der Erhalt und die Ausbreitung der Elbebiber eine Erfolgsgeschichte.

"Wir helfen gern, eine Lösung zu finden", sagt Schumacher, damit sich auch die Burger Stadtverwaltung mit dem nagenden Neu-Burger anfreunden kann.