Burg l Der Clausewitz-Freundeskreis besitzt seit dieser Woche zwei Ausgaben des Hauptwerkes von Carl von Clausewitz "Vom Kriege". Die eine Ausgabe ist die Erstauflage des militärwissenschaftlichen Buches, also zwei Jahrhunderte alt und kaum noch existent. Die zweite Ausgabe kam im vorigen Jahr heraus, nämlich als sogenanntes Reprint, auf deutsch Neudruck. Akribisch gefertigt von dem Berliner Buchdrucker und Buchbinder Rolf Marquardt und nur in einer Gesamtauflage von zehn Nachdrucken, jeweils zehn Bände umfassend. Exakt soviel wie die historische Erstausgabe umfasst hatte.

Nach Burg kam der Nachdruck auf etwas verschlungenen Pfaden. Im vorigen Jahr bekam Kustos der Erinnerungsstätte, Klaus Möbius, einen Anruf von Dr. Frank Bauer aus Altenburg. Er ist Militärhistoriker, Präsident der Gneisenau-Gesellschaft und hatte vor zwei Jahren den Clausewitz-Preis der Stadt Burg erhalten. "Seine Nachfrage, ob der Freundeskreis und damit die Erinnerungsstätte Interesse an einem Nachdruck `Vom Kriege` hat, überraschte mich sehr. Natürlich wollten wir", beschreibt Möbius sein damaliges Empfinden. Zum gewissen Teil aus praktischen Gründen, signalisierte der Freundeskreis sein Einverständnis nach Altenburg. "Unsere Originalausgabe ist 200 Jahre alt. Oft kommen Besucher, darunter Militärs, Wissenschaftler und Studenten und wollen gern in den historischen Bänden blättern. Das müssen wir leider untersagen. Sie sind uns zu wertvoll und stellen für uns eine große Kostbarkeit dar. Nur Mitglieder des Freundeskreises dürfen sie in die Hand nehmen, aber auch dann möglichst mit Plasthandschuhen", erzählt Klaus Möbius. Die zehn Bände wurden 1942 von einem Fräulein von Clausewitz, sie soll in Neubrandenburg gewohnt haben, an Burg übergeben. Die Zeit überdauerte "Vom Kriege" sorgsam gehütet im Stadtarchiv und wurde schließlich nach der Einweihung der Erinnerungsstätte Anfang des Jahrtausends als Leihgabe an den Freundeskreis übergeben.

So begeistert der Kustos und der Kreis auch waren, so nachdenklicher wurden sie, als sie den Preis zum Kauf des Reprints zur Kenntnis nahmen: 400 Euro. "200 Euro gab unsere Kasse aus Spenden her, aber die andere Hälfte nicht", schildert Möbius den Werdeganges des Kaufes. Also musste sich erst einmal "verschuldet werden". Gleichzeitig wurde nach einem Sponsor Ausschau gehalten. Der wurde in Matthias Graner, Vorsitzender der Kreis-SPD und Landtagsabgeordneter seiner Partei, gefunden.

"Ich hatte Klaus Möbius vor einiger Zeit angeboten, dass ich helfen würde, wenn es notwendig sein sollte", erzählt er und erläutert, warum er Sympathie für den berühmten Burger Sohn hat. "1979 hatte ich aus kriegsgegnerischen Gründen den Wehrdienst in der Bundeswehr verweigert, also nichts am Hut mit Clausewitz gehabt. Die Einstellung wandelte sich mit meinem Studium ab 1982 in Bonn. Ich hatte mich der Sicherheitspolitik angenommen. Mein Professor war ein bemerkenswerter Clausewitz-Experte, machte mich mit dem Werk des preußischen Generals näher vertraut. Bald kippt mein Vorbehalt gegen Clausewitz", offenbart Matthias Graner seinen ideellen Werdegang zur Person des Militärhistorikers. Als er in den 90er Jahren nach Möser zog und erfahren konnte, dass Clausewitz ein Sohn der benachbarten Ihlestadt war, beeindruckte ihn das sehr, wie er zugab. Da war es für ihn heute fast ein Muss, die restlichen 200 Euro für den Kauf des Nachdrucks beizusteuern. "Und wir als Freundeskreis sind damit wieder schuldenfrei", setzte erleichtert Kustos Möbius nach.