Nein, Moppi ist nicht der bravste Hund der Stadt. Moppi ist eher ein ganz wilder. Vermutlich ist der lebhafte Mischling in wenigen Tagen der berühmteste Hund von Burg.

Burg l Moppi, sitz! Marion Wegmann wiederholt den Befehl zum dritten Mal - vergeblich: Der junge Foxterrier-Mischling rennt durch den Hausflur dem Besucher entgegen, wedelt aufgeregt mit dem Schwanz, bellt fröhlich und laut, springt dem Gast gegen die Hüften. "Wenn die Klingel läutet, gerät Moppi außer Rand und Band", erzählt Herrchen Hartmut Wegmann. Gut, dass der gelernte Maurer (61) kräftig genug ist, um dagegenzuhalten: "Er tut ja keinem was, ist manchmal aber schwer zu bändigen."

Um das Tier zu beruhigen, hat das Paar schon einiges unternommen. Zum Beispiel ist ihnen eine Kastration empfohlen worden: "Diese 80 Euro hätten wir uns sparen können. Es hat nichts gebracht", klagt Wegmann.

Da ist guter Rat teuer.

Bei ungezogenen Kindern kommt die Super-Nanny von RTL. Und bei ungezogenen Hunden?

Hier kommt Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner vom MDR ins Spiel. Der Profi in Sachen Hundeerziehung kam mit einem TV-Team des MDR nach Burg. Lindner hilft Menschen, deren Haustiere ihnen auf der Nase herumtanzen.

Der Fachmann beschäftigt sich mit traumatisierten Hunden, mit apathischen Kanarienvögeln, mit einem Chihuahua-Geschwisterpärchen, das nicht aufhören will zu bellen oder mit dem scheuen Berner Sennenhund-Mischling, der nicht von Männern angefasst werden will.

Drei Stunden lang haben die Fernsehleute gedreht, während Dr. Lindner die Wegmanns mit allerlei Tipps zur Hundeerziehung versorgte. "Wir sollen unter anderem das Hundekörbchen als seinen zentralen Bezugspunkt einrichten, ihm auch darin das Futter geben", erzählt Hartmut Wegmann. Er möge sich in seinem Bezugspunkt so wohl fühlen, dass er beim Klingeln an der Haustür nicht mehr apathisch aufspringt.

Ob`s hilft? Das sehen die Burger am 31. März um 17 Uhr bei "MDR um 4". "Auf jeden Fall waren die dreistündigen Dreharbeiten in unserer kleine Wohnung unheimlich spannend, aber auch sehr anstrengend", sagt Wegmann. Die Lichter waren ziemlich grell. Zustande gekommen ist der Kontakt zum Fernsehen über Wegmanns Tochter Sandra, die sich dort gemeldet hatte. Aus gutem Grund: Ihre Eltern haben vor knapp zwei Jahren das Tier als kleinen Welpen von ihr bekommen. Niemand hat damals geahnt, dass es ein derart lebendig-wilder Vierbeiner werden wird.

Für Mutti Marion ist es der erste eigene Hund ihres Lebens: "Früher, als Sandra noch klein war, kam für mich so ein Kläffer nie in Frage." Aber in den kleinen Moppi hatte sie sich sofort verliebt. Gestern feierte das muntere Kerlchen zweiten Geburtstag. Marion Wegmann sagt: "Er ist ganz lieb. Nachts hören wir keinen Laut aus seinem Körbchen in der Schlafstube. Wir möchten ihn beide nicht missen - wenn er doch nur ein wenig ruhiger veranlagt wäre."

Froh sind die Wegmanns darüber, dass sich die Nachbarn nicht fürchten, auch dann nicht, wen sie im Hausflur von Moppi angesprungen werden. Daher ist es nach wie vor der größte Herzenswunsch von Marion Wegmann: "Der Hund möge weniger energisch und laut durch die Wohnung stürmen." Und dass, obwohl Hartmut Wegmann mindestens viermal am Tag mit Moppi spazieren geht. Zudem wird das Paar demnächst ohnehin wieder sehr viel mehr Zeit im Garten verbringen. "Endlich", sagt Marion Wegmann und schaut auf ihren Hund: "Moppi, sitz!"

Hundepsychiater Dr. Lindner hat zwei Ratgeber zum Thema Hundeerziehung geschrieben: "300 Fragen zum Hundeverhalten" (2011). Ein Jahr zuvor war bereits sein Buch "Was Hunde wirklich wollen" erschienen.

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