Chronologie


  • 10. März 2011: Interne Arbeitsgruppe Landesgartenschau der Stadt Burg gründet sich.

  • 17. November 2011: Beschlussfassung zur Bewerbung durch den Stadtrat.

  • 13. Dezember 2011: Gründung des Fördervereins zur Unterstützung der Landesgartenschau in Burg.

  • 23. Dezember 2011: Abgabe der Bewerbung in Magdeburg.

  • 6. März 2012: Burg ist Austragungsort der Laga 2018.

  • 6. September 2012: Unterzeichnung des Vertrages mit dem Büro HNW Landschaftsarchitektur aus Hildesheim. Das Büro wird die Stadt Burg bei der Vorbereitung und Durchführung des Realisierungswettbewerbes begleiten.

  • 1. August 2013: Preisverleihung zum landschaftsarchitektonischen Wettbewerb, Sieger ist das Berliner Büro relais.

  • 2. September 2013: Die Arbeiten zur Sanierung der Stadtmauer am Weinberg beginnen.

Burg l Der Burger Weinberg hat was. Mit diesen Gedanken haben schon so manche Besucher die Stufen in einem für Auswärtige versteckten Teil der Altstadt erklommen. Hier, wo schon im frühen Mittelalter die Rebstöcke bei bester Südlage gedeihten und die Stadt wehrhaft verteidigt wurde, ist der Blick imposant. Die Burger Kirchen, Industrieanlagen und die jeweiligen Wohnviertel - der Balkon inmitten der Altstadt neben dem Wasserturm bietet eine einzigartige Aussicht und zugleich einen Fundus der Geschichte, der nun wieder in den Mittelpunkt gerückt wird - für die Einwohner der Ihlestadt und ihre Besucher, die 2018 zu Tausenden erwartet werden. In diesem Jahr nämlich ist Burg Ausrichter der Landesgartenschau (Laga).

Als die Stadt vor zwei Jahren den Zuschlag für dieses Landesereignis erhielt, war der Spruch "Wir sind Laga" schnell geboren. Und genauso schnell gingen die Macher ans Werk, denn heute ist allen Akteuren klar: Die Zeit bis zur Eröffnung ist noch lang, aber auch verdammt kurz, um viele Teile Burgs umzukrempeln. Bei allem, was mittlerweile angepackt wird, ist neben dem Geld auch das Zeitfenster nicht übermäßig weit geöffnet. Denn zwischen Planungen, der Beantragung von Fördermitteln, Prüfung und Ausschreibungen vergehen in der Regel Monate.

Aber nach und nach sind die ersten Mosaiksteine auf dem Weg zur Laga längst sichtbar und können überhaupt erst durch solch eine Schau gesetzt werden. Sei es der aktuelle Straßenbau, die vorbereitenden Arbeiten zum Abriss des alten Schlachthofes oder eben die fast beendete Sanierung eines ganz besonderen Abschnittes hoch oben von Burg: Die alte Stadtmauer auf dem Weinberg ist wieder ein Bollwerk wie früher. Wuchtig steht sie da, fast unbezwingbar. Sie zu erklimmen, dürfte heute wie damals eine ganz besondere Mutprobe sein. Das gestaltete 75 Meter lange Stück muss die Stadt heute nicht mehr vor Angreifern schützen, die Wiederherstellung lässt aber erahnen, was die Vorfahren einst in mühevoller Handarbeit geschaffen haben. Jeder Feld- oder Bruchstein musste seinerzeit schweißtreibend auf den Berg geschleppt werden.

Dazwischen liegen Jahrhunderte. Die Arbeiter einer zertifizierten Fachfirma aus Wolmirstedt konnten sich seit September vergangenen Jahres zwar eines Krans bedienen, mussten aber ebenso mühevoll jedes steinerne Puzzle zusammensetzen, nachdem zuvor große Teile abgetragen wurden. Dafür sorgten schon die Experten des Denkmalschutzes, die jeden Meter dieses Vorhabens begleiteten, damit der ursprünglich und nicht nachträglich veränderte Zustand der Wehranlage wieder deutlich wird. Die Stadtmauer ist eine Besonderheit. Die Planer damals haben nicht nach Maßband oder Standard gearbeitet, sondern so, wie zu der Zeit gerade erforderlich. Nicht nur verschiedene Steine wurden verwendet, die Mauerkrone ist unterschiedlich hoch wie das Mauerwerk breit. Das ist auch heute so. Auf der Nordseite beispielsweise zwischen 4,50 und 6,50 Meter hoch, auf der Südseite zwischen 3,50 und 5,50 Meter, erläutert Margit Dohm von der Stadtverwaltung. Sie betreut die Sanierung maßgeblich. "Ein großes Problem war unter anderem der Efeu, dessen Wurzeln sich im Laufe der Jahre im Mauerwerk ausbreiteten", sagt sie. "Das ganze Ausmaß war erst nach dem Abtrag der Steine zu erkennen." Zudem war auch gefordert, eine zweite Mauerwerkschale an der Südseite vorzusetzen und nur solchen Mörtel zu verwenden, dessen Sand aus vorher festgelegten Sandgruben gewonnen wurde.

Das Ziel, eine historisch geschlossene Wehrwand wiederherzustellen, ist jedenfalls erfüllt, wenngleich auch nicht wenige Burger bedauern, dass die Fensteröffnungen wieder geschlossen wurden. Aufgewertet wird dieser Teil von Burg aber allemal. Vor allem dann, wenn das Weinberggelände unterhalb der Mauer erst richtig gestaltet wird und hier quasi eine Laga-Erlebnisfläche zum Spielen und für Veranstaltungen entsteht. Von dort aus können Besucher die Ihlegärten zwischen Hainstraße und Breiten Weg als weiteren grünen Tupfer innerhalb der Stadt erkunden.

225 000 Euro werden für die Arbeiten an der Mauer investiert, die Stadt setzt dafür Stadtsanierungsmittel ein, der Eigenanteil beläuft sich auf 75 000 Euro.

Bleibt die Frage, ob der Weinberg, um den sich viele Geschichten ranken, seinem Namen mit einem edlen Tropfen zum großen Landesfest alle Ehre machen wird. Der Versuch wird auf jeden Fall gestartet. Vielleicht haben sich die Trinkgewohnheiten sogar geändert. Denn nach ausführlichen Recherchen kam der ehemalige Heimatforscher Gerhard Mittendorf in einem 2009 geschriebenen Artikel zu dem Schluss: "Der Weinberg mit seinen Rebstöcken und den dort gewonnenen, wohl ziemlich säuerlichen Tropfen hatte aus den Burgern keine ausgesprochenen Weintrinker werden lassen. Sie blieben ihrem gewohnten, aus Ihlewasser gebrauten Gerstensaft treu."

Da die Bier-Tradition bekanntlich längst Geschichte ist und die Vorfahren nicht mehr unter uns sind, könnte nach 2018 in den Geschichtsbüchern ein anderer Satz stehen - oder?

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