Biederitz l Ein halbes Jahrhundert haben sie es miteinander ausgehalten: Dieter und Willtraud Friedrichs feierten gestern in Biederitz ihre goldene Hochzeit. Dazu gaben sie einen kleinen Empfang. Denn die beiden 74-Jährigen sind keine Unbekannten in der Ehlegemeinde.

Doch der Reihe nach. 1959 lernten sich die Biederitzerin und ihr späterer Mann in Magdeburg kennen. "Ich war in sein Hemd verliebt", erinnert sich Willtraud Friedrichs noch an die Begegnung. "Er hatte ein ganz tolles Hemd an. Das fand ich richtig gut", schwärmt sie. Dieter Friedrichs konnte sich ebenso für die Biederitzerin erwärmen. Beide studierten sie Maschinenbau.

Aber es dauerte noch fünf Jahre, bis sich beide in das Standesamt trauten und ihre Verbindung ganz offiziell machten. Drei Jahre später zogen sie dann nach Biederitz. Sie hatten sich ein Mehrfamilienhaus gekauft. Die wollte damals eigentlich kaum jemand haben, weil die Mieter praktisch nicht kündbar waren, erinnern sie sich. "Der Mieter hatte eine größere Wohnung als wir", schüttelt sie heute noch den Kopf.

Nur etwas über 20 Mark Miete bekamen sie dafür. "Damals kostete ein Sack Zement schon fünf Mark", macht sie auf das Problem zwischen Miete und Werterhaltung aufmerksam. Irgendwann konnten sie mit ihren Kindern aber das ganze Haus bewohnen. Zwei Kinder sind aus der Ehe hervorgegangen. Obwohl Dieter Friedrichs kein Biederitzer ist, fiel es ihm nicht schwer, schnell Fuß in der Gemeinde zu fassen. Beim Sport mochten ihn alle. Er trat in den damaligen Verein Traktor Biederitz ein und wurde schon nach kurzer Zeit Vorsitzender. 34 Jahre lang übte er das Ehrenamt aus. Auch im Gemeinderat bestimmte er mehr als drei Jahrzehnte lang die Entwicklung des Ortes mit. Zum Dank für seinen unermüdlichen Einsatz haben die Biederitzer ihn vor einiger Zeit schon zum Ehrenbürger der Gemeinde gemacht. Deswegen kommen natürlich auch Vertreter der Gemeinde zu dem Jubiläum.

Politisch sind beide noch interessiert an der Entwicklung der Gemeinde. Willtraud Friedrichs hat einen Sitz im Ortschaftsrat. "Ich trete auch noch einmal an, weil mich die Zukunft von Biederitz interessiert", sagt sie.

Lange waren beide ebenso beruflich tätig. Während Dieter Friedrichs im SKET die Brötchen verdiente, beschäftigte sich seine Frau als technische Zeichnerin. Später arbeitete sie als Lehrerin und wechselte dann noch einmal den Beruf. Vor ihrer Rente arbeitet sie mit Behinderten.

Das abwechslungsreiche Leben hat beide jung erhalten. Fünf Enkelkinder verlangen nach Zeit von den Großeltern. "Wir können zufrieden sein. Unsere Familie lebt in Biederitz", erzählen sie.

Doch gibt es ein Geheimnis, warum es bei beiden ein halbes Jahrhundert so gut funktionierte? "Das Geheimnis unser Ehe ist: Wir sind wie Feuer und Wasser", platzt es aus Willtraud Friedrichs heraus. Während sie sich als impulsiv beschreibt, sei ihr Mann der Ruhepol in der Familie. Diese Gegensätze seien für die Partnerschaft sehr gut, schätzt sie rückblickend ein.