Sind die Tage der Nerzfarm in Grabow gezählt? Es sind kaum noch Tiere dort, Käfige sind abgebaut. Das Gelände am Waldrand wirkt verlassen. Der Betreiber erklärt: "Wir machen mit weniger Tieren weiter."

Grabow/Burg l Der Stacheldrahtzaun ist rostig. Dahinter stehen dutzende Stallungen - große offene Gebäude für die Viehzucht. Auf einigen Dächern liegen Käfige so groß wie Bürotische. Einst erlebten hier 27000 Tiere ihre knappe Lebenszeit bis zur Verarbeitung zu Pelzmänteln: "Jetzt sind kaum noch 100 Tiere vor Ort", sagt Stefan Klippstein. Der gelernte Tierpfleger stand vor einigen Tagen am Stacheldrahtzaun, fotografierte das Nerzareal von außen.

Klippstein gibt sich als Umweltaktivist aus. Er arbeitet für einen Kölner Verein namens Deutsches Tierschutzbüro. Zur Volksstimme sagt er: "Wo früher zehntausende Nerze gehalten wurden, haben wir nur noch vereinzelt Tiere hinter dem doppelseitigen Zaun der Nerzfarm sehen können." Seiner Meinung nach ist "die Nerzfarm gesichert wie ein Militärstützpunkt, niemand soll offenbar mitbekommen, was hinter den hohen Zäunen passiert".

Betreiber Hubert Poske aus Bramsche (Niedersachsen) ist Mitglied des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter. Auf Volksstimme-Anfrage spricht er nicht vom Ende für die Farm: "Wir werden mit weniger Tieren weitermachen." Wie viele Nerze dies künftig sein werden, wollte er nicht sagen.

Zur Zukunft des Farmstandorts in Grabow hatte Klippstein vom Tierschutzbüro auch beim Landkreis angefragt. Sprecher Henry Liebe zur Volksstimme: "Selbst wenn der Landkreis in einem solchen Fall aktiv wird, handelt es sich um ein Verwaltungsverfahren, das von uns nicht öffentlich gemacht wird." Auch ohne offizielle Bestätigung deuten aus Sicht von Klippstein alle Indizien auf die Schließung der Farm hin. Er sagt: "Auch die Gasflaschen, mit denen augenscheinlich die Tiere vergast wurden, um aus ihren Fellen Pelzmäntel oder Pelzbesatz an Jacken und Mänteln zu fertigen, stehen noch in einzelnen Reihen der Farm. Und das, obwohl im März die sogenannte Pelzernte längst vorbei ist."

Laut Volksstimme-Informationen gab es in den vergangenen Jahren nur noch 2000 bis 3000 Tiere in Grabow. Bestätigen wollte Betreiber Poske diese Zahlen nicht. Er sagte jedoch: "Der Vorfall von 2007 hat dem Betrieb schwer zugesetzt." Seinerzeit haben Kriminelle in einer Nacht- und Nebelaktion mehr als 10000 Tiere freigelassen.

Wohl nicht nur deshalb ist Betreiber Poske auf solche Umweltaktivisten nicht gut zu sprechen: "Ich weiß gar nicht, was die Leute wollen. Wir halten die Tiere gemäß der strengsten Standards weltweit. In anderen Ländern nimmt man es da nicht so genau."

Erst vor wenigen Wochen wurde die Nerzfarm Borken (Nordrheinwestfalen) nach Protesten geschlossen. Bundesweit gibt es noch acht Farmen mit etwa 80000 Nerzen.