Im Bucher Brack bei Jerichow sind während des Hochwassers 2013 mehr als 50 Nabu-Tiere umgekommen. Heute gibt es in Tangermünde eine Demo.

Jerichow/Stendal l Im Bucher Brack sind im vergangenen Jahr beim Elbhochwasser mehr Nabu-Tiere ums Leben gekommen, als bisher bekannt war. Bislang wurde von 20 Konikpferden und 25Auerochsen gesprochen. Vermutlich sind es allerdings 23Konikpferde, 28Auerochsen sowie einige Kälber. "Ich kann die genaue Zahl der toten Tiere nicht benennen", sagte Stendals Nabu-Kreisvorsitzender Dr. Peter Neuhäuser auf Anfrage der Volksstimme. "Letztendlich ist auch völlig irrelevant, wie viele Tiere es sind", sagte Neuhäuser.

Neuhäuser hatte am 4. Juni 2013 - also bei Herannahen des Hochwassers - in einer Auflistung an die Stadt Jerichow von 23 Konikpferden, 29 Auerochsen und einigen Kälbern gesprochen, die im Bucher Brack zu evakuieren seien. Sowohl der Jerichower Gemeindebürgermeister Harald Bothe als auch Neuhäuser bestätigen die Angaben aus diesem Brief.

Neuhäuser: "Ich kenne die Zahl der toten Tiere nicht genau"

Er könne demgegenüber die Zahl der toten Tiere nicht benennen, sagte Neuhäuser. Einerseits, weil nicht alle Kadaver gefunden worden seien, und andererseits weil er nicht wisse, wie viele Tiere während des Hochwassers durch den Landkreis Jerichower Land erschossen worden seien. "Es sind zwischen vier und 18Schüsse gefallen und mindestens ein Rind getötet worden", sagte Neuhäuser.

Er habe unterdessen über seinen Magdeburger Anwalt eine Anfrage an den Landkreis diesbezüglich gerichtet. "Eine Antwort habe ich bisher nicht bekommen", so der Nabu-Chef. Der Landkreis Jerichower Land hat genauso eine Anzeige bei der Polizei gegen den Nabu-Kreisverband eingereicht wie eine Bürgerinitiative. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, inwiefern vorsätzliche Tötung oder Quälen der Tiere durch den Nabu vorliegt (die Volksstimme berichtete). Harald Bothe sagt: "Es gab genügend Zeit, die Tiere zu evakuieren."

Wie Neuhäuser jetzt berichtete, hätten drei Auerochsen das Hochwasser überlebt, wovon zwei später eingeschläfert wurden. "Ein Tier rennt hier noch rum", so der Nabu-Chef. Bei den Pferden gehe er davon aus, dass alle 23 ums Leben gekommen sind. "Wir haben die Pässe zurückgegeben." Diese seien im Register des Veterinäramtes gestrichen worden. Zwei Pferdekadaver waren noch hinter Schönhausen, also mehr als 15 Kilometer von ihrer ursprünglichen Weidefläche, aufgefunden worden.

Neuhäuser sagte, dass derartige Rassen im Bucher Brack vom Nabu nicht mehr ausgesetzt werden. Das heiße allerdings nicht, dass dort keine Tiere mehr laufen sollen. Unter anderem sei ein Schäfer beauftragt. Welche Tiere dort laufen werden, stehe noch nicht fest. Eine Bürgerinitiative richtet am heutigen Sonnabend um 10 Uhr eine Anti-Nabu-Demo auf dem Tangermünder Marktplatz aus.

Heftig diskutiert wird das Thema nach wie vor auf im Internet innerhalb der Sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter. Im Auftritt des Deutschen Jagdverbandes wird eine fehlende Stellungnahme vom Nabu zu den toten Tieren gefordert. Darauf angesprochen sagte Landesjagdverbands-Geschäftsführer Wilko Florstedt: "Es ist an der Zeit, das der Nabu Stellung bezieht, man löst keine Probleme indem man schweigt und abwartet."

Annette Leipelt von Nabu-Landesverband sagt: "Wir haben bereits Ende Juli des Vorjahres Stellung bezogen, diese öffentliche Erklärung ist auf unserer Internetseite nachzulesen. Seit dem gibt es keine neuen Erkenntnisse."