Nach dem Abschluss der Bauarbeiten für den neuen Deich in Gerwisch folgt der Anschluss nach Lostau. Das erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens gestern in Gerwisch.

Gerwisch l "Die dramatischen Tage im Juni des letzten Jahres dürfen wir nicht aus dem Gedächtnis verlieren", so der Landwirtschaftsminister, der gestern Vormittag auf Einladung des Landtagsabgeordneten Markus Kurze eineinhalb Stunden in Gerwisch weilte, sich bei einem deftigen Frühstück mit frisch geschlachteter Wurst, Gehacktem, Stichfleich und Pottsuse stärkte, die Schilderungen von Ortsbürgermeisterin Karla Michalski über das Hochwasser vom Vorjahr aufmerksam verfolgte und alsdann versicherte, dass Gerwisch einen neuen Deich erhalten wird.

Zunächst allerdings hatte er allen herzlich gedankt, die in den Tagen der Flut ihre Kraft in den Dienst des Schutzes von Leben, Hab und Gut gestellt hatten.

Trotz des aufoperungsvollen Kampfes gegen die Flut werden sich die Schäden in Sachsen-Anhalt bei rund zwei Milliarden Euro einpendeln, sagte der Minister. Nach der Flut vom Jahr 2002 habe man bei einem geringen Level den Deichneubau vorangetrieben. Lediglich fünf Prozent des 1300 Kilometer langen Deichsystems in Sachsen-Anhalt entsprachen der geltenden Norm. Nun sei man bei über 50 Prozent angekommen, konstatierte der Minister. Bis 2020 - so lange währt ein neu aufgelegtes Schutzbauprogramm - werde man die 100 Prozent erreichen.

Der neue Deich in Gerwisch gehört dazu. Ende des Jahres werden die Ausfertigungspläne vorliegen, schätzte Aeikens ein. Dann können 2015 die Bauarbeiten beginnen, die ein Jahr später abgeschlossen sein sollen. Errichtet wird ein stabiler Hochwasserschutz als Anschluss an den neuen Biederitzer Deich am Tannenweg in Biederitz. Er führt bis in Höhe August-Bebel-Straße in Gerwisch. Diese Deichanlage wird technisch so errichtet, dass versucht wird, die großen Drängwasserpotenziale, die im Wohngebiet Domblick hunderte Menschen gefährden, drastisch zu senken.

Die Fortführung in Richtung Lostau werde jetzt planerisch in Angriff genommen, ließ der Minister verlauten. Man gehe davon aus, dass 2014 und 2015 die Planungen erfolgen und 2016 Baustart sein wird.

Ein weiteres Element des Hochwasserschutzes rücke nun mehr und mehr in den Fokus, fügte Aeikens an. Und zwar die weitere Schaffung von sogenannten Retentionsflächen, also großen Arealen, die im Falle eines Hochwasserabflusses als Überflutungsfläche genutzt werden können. Zu den jetzt bereits 17 Standorten für solche Flächen werden weitere hinzukommen, prognostizierte Aeikens. "Das wird noch einmal eine Herkulesaufgabe", sagte er. Die Europäische Union stelle dafür Geld zu Verfügung.

Aeikens betonte, dass nicht nur Planungsvorgänge vereinfacht und damit verkürzt werden müssen, sondern auch rechtliche Auseinandersetzungen bedürften einer Neubewertung. Er setze sich dafür ein, dass bei aller Achtung der persönlichen Ansprüche der gemeindliche und gesellschaftliche Schutz nicht auf der Strecke bleibt. "Hochwasserschutz ist für mich ein ganz besonderes Schutzgut. Hier geht es um Menschenleben", sagte Aeikens und fügte an. "Ich wünsche mir die Vorfahrt für Hochwasserschutz."

Auf dem alten Deich zwischen Polstrine und dem Wohngebiet Domblick machten sich die Gäste, unter ihnen auch Sven Schulz vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, über die örtlichen Bedingungen vertraut.