Die im Zusammenhang mit Windparkplänen im Raum Zeppernick stehende Auseinandersetzung um Milan-Nisthilfen in der Region sorgen weiter für Aufregung. In der vorigen Woche ging es in die nächste Runde.

Zeppernick l Zwei von fünf künstlichen Nisthilfen für Milane hat die Firma Lorica Stegelitz GmbH Co. KG aus Bäumen in den Gemarkungen Brietzke und Dalchau entfernen lassen. Sie seien widerrechtlich und ohne Zustimmung der Firma und der Grundstücksbesitzer, auf denen sich die Bäume befinden, angebracht worden, erklärte Lorica-Vertreter Stefan Hobein auf Nachfrage. Drei Nisthilfen, die auf Bäumen auf gemeindlichen Grund angebracht worden waren, wurden nicht entfernt.

Zuvor hatte eine Rechtsanwaltskanzlei die Bürgerinitiative aufgefordert, die Nisthilfen bis zum 31. März zu entfernen. Deren Vertreter hatten die Frist bewusst verstreichen lassen. Die rechtsanwaltliche Forderung, die Nisthilfen abzubauen, sieht BI-Vertreter Frederik Almeling "fast als ein Eingeständnis", dass die Nisthilfen dort wegen der Windparkpläne nicht sein dürften.

"Es hat keine Zustimmung der Grundstückseigentümer und der Bewirtschafter gegeben, auch nicht ihre Grundstücke und Wege zu betreten", betonte Stefan Hobein. Die Bürgerinitiative habe entschieden, die Nisthilfen in Gebiete zu bringen, die vom Windpark betroffen wären. "Das gefährdet Verpflichtungen, die wir gegenüber der BVVG als einer der Grundstücksbesitzer haben." Die BVVG ist die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, die ehemalige volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen verwaltet, verpachtet und verkauft.

Betreten untersagt

Fast zeitgleich haben weitere Landwirte aus Zeppernick, Hobeck und Dalchau der Bürgerinitiative das Anbringen von Nisthilfen auf ihren Flächen und deren Betreten untersagt. Deren Vertreter hatten angeboten, dies sogar gemeinsam zu tun. Als Grund für die Ablehnung nannten die Landwirte "betriebliche Gründe". Bei Zuwiderhandlung drohten sie an, rechtliche Schritte einzuleiten. Zugleich haben sie Mitte März fünf eigene Nisthilfen installiert, "und zwar dort, wo Milane nach Beobachtung der Bauern auch sind, und nicht dort, wo sie nicht sind", erklärte Lorica-Mann Hobein.

Über diese Aktion informierte auch Karola Gobel aus Zeppernick. "Es wäre erfreulich, wenn sich vielleicht ein oder mehrere Brutpaare finden würden, die die Hilfen annehmen und darauf einen Horst errichten und somit ein Beitrag zur Erhaltung und Stärkung der Population dieser stolzen Vögel geleistet werden konnte", schrieb sie der Volksstimme.

14 Rot- und Schwarzmilanhorste wurden nach Angaben des Loburger Vogelkundlers Dr. Christoph Kaatz in den vergangenen zwei Jahren nachgewiesen und kartiert.

Der März ist die Paarbindungszeit der unter Schutz stehenden Vögel. Ende März bis April erfolgt die Eierablage. Genutzt werden dabei häufig die selben Horste. Der Milan gilt als relativ nesttreu.

Am 7. März hatte die Zeppernicker Bürgerinitiative (BI) "Unsere schöne Heimat" Anzeige gegen Unbekannt erstattet, dass ihren Angaben zufolge drei natürliche Horste und vier vom Menschen geschaffene Nistplätze verschwunden seien (Volksstimme berichtete). Die Nisthilfen hatte die BI im Frühjahr 2013 in der Gemarkung aufgebaut. Die Polizei ermittelt.

Die Firma Lorica hat ihrerseits das Landesverwaltungsamt Halle, das Landwirtschafts- und Umweltministerium sowie das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr über die Vorgänge informiert. "Wir wollen eine Klärung, das ist auch für Projekte in der Zukunft wichtig", betonte Stefan Hobein für die Windparkfirma. ,,Artenschutz wird instrumentalisiert, das kann nicht sein, das wollen wir geklärt haben.``

"Wir wollen nur, dass man uns versteht, mit unseren Bedenken", so Frederik Almeling. "Wir wollen, dass mehr hingeschaut wird", fordert der Landwirt von den Behörden.