Die Waschmaschine ist seit einem Jahr kaputt, das Sofa ist zehn Jahre alt - die Familie um Mama Jana Blaschke hat keine hohen Ansprüche. Doch wenn am Monatsanfang die Unterstützung vom Jobcenter ausbleibt, fehlt es an allem, sogar an Essen für die vier Kinder.

Burg l Selbst der Tiefkühlschrank ist jetzt leer. Als plötzlich die Leistungen vom Jobcenter ausblieben, mussten Jana Blaschke und Denny Wöge auf all ihre Vorräte zurückgreifen. 90 Cent. Das war alles auf dem Konto der sechsköpfigen Familie - zum Monatsanfang. Der arbeitssuchende Maurer und die arbeitssuchende Einzelhandelskauffrau könnten auf Wurst und Käse verzichten - ihre vier Kinder jedoch nicht.

"Das Jobcenter hat verpasst, uns ein Schreiben für einen neuen Antrag zu schicken", erklärt Jana Blaschke. Das kann sich Sirko Mösenthin vom Jobcenter Jerichower Land nicht vorstellen. "Das ist ein automatisiertes Verfahren, und die neuen Anträge werden im Regelfall sechs Wochen vor Auslauf des Bewilligungszeitraumes verschickt", sagt der Teamleiter.

Offene Rechnungen

Für den Zeitraum eines halben Jahres werden Leistungen des Jobcenters bewilligt, dann wird neu geprüft und es muss ein neuer Antrag gestellt werden. Laut Mösenthin sollte der Arbeitssuchende das Ende des Bewilligungsabschnittes immer im Blick behalten - Jana Blaschke hat sich jedoch auf das Erinnerungsschreiben verlassen. Fakt ist, dass die Miete nicht überwiesen, der Strom mit einem Plus von 90 Cent nicht bezahlt werden kann. Und: Dass der acht Monate alte Ole, der vierjährige Arne, die achtjährige Lea und ihre zehnjährige Schwester Bella trotz Unstimmigkeiten mit dem Jobcenter Hunger haben.

"Uns wurde gesagt, dass wir für einen neuen Antrag einen Termin brauchen, dann kann es immer noch über zwei Wochen dauern, bis das Geld kommt", sagt Jana Blaschke. Die Burgerin hatte sofort Kontakt mit den Bearbeitern aufgenommen. "In solchen Notfällen sind auch Sofort-Termine möglich, und unabhängig davon, wer Schuld hat, wird das Geld für einen neuen Antrag so schnell wie möglich überwiesen und sollte in spätestens fünf Tagen da sein", erklärt Mösenthin vom Jobcenter. Und wenn es ganz besonders dringlich ist, sei sogar eine Barauszahlung möglich. Das Geld würde dann einfach von den Leistungen bei der Überweisung abgezogen. So einen Vorschlag hat Jana Blaschke niemand gemacht.

Ohne Windeln und Milch

"Was wir in solchen Fällen bekommen, ist ein Gutschein für die Drogerie, um Windeln oder Babynahrung zu kaufen", räumt Blaschke ein. Der Nachteil: 50 Euro müssen dann ganz in dem Laden ausgegeben werden, Barauszahlungen seien nicht möglich. Die Alternative: Lebensmittel von der Diakonie für Hartz IV-Empfänger. "Nicht mal dort konnten wir Essen bekommen, weil wir ohne den neuen Antrag auch keinen gültigen Hartz IV-Bescheid hatten", sagt Jana Blaschke.

In puncto Versorgung der Jüngsten, erklärt Sirko Mösenthin, wie es mit den Gutscheinen für die Mittagsverpflegung funktioniert. Wer Arbeitslosengeld II bezieht, kann Gutscheine für die Mittagsversorgung der Kinder in Kita oder Schule erhalten. "Ein Euro pro Essen müssen die Eltern selber tragen, den Rest rechnen wir direkt ab", so der Mitarbeiter des Jobcenters.

600 Euro hat die sechsköpfige Familie pro Monat zum Leben übrig, dazu kommt das Kindergeld. Ausgaben und Einnahmen müssen genauestens protokolliert werden. Für die Kaution werden monatlich noch 150 Euro abgezogen, das Darlehen muss beglichen werden. Die Eltern schlafen auf einer Matratze am Boden, das Sofa ist älter als zehn Jahre und die Waschmaschine seit über einem Jahr kaputt. Eine neue zahlt das Jobcenter nicht. "Wir sollen darauf sparen", sagt Jana Blaschke.