Der 23. April steht in jedem Jahr ganz im Zeichen des Bieres. Auch Burg kann dabei auf eine belebte Vergangenheit zurückblicken. Im Adressbuch von 1913/14 finden sich sechs Brauereien.

Burg l Der Burger Heimatforscher Heinz Jericho blättert in den alten Adressbüchern. "Burg hat eine lange Brau-tradition", sagt er und bedauert, dass heute keine Brauerei mehr existiert. "Die Steinhaus- und die Feldschlößchen-Brauerei überlebten als einzige den Zweiten Weltkrieg. Im Adressbuch von 1913/14 finden sich aber laut Jericho noch die Brauereien Krepper, Schrader, Kleinlein und Gebhardt. "Die waren aber schon nach dem Ersten Weltkrieg verschwunden", stellt Jericho fest. Genau 125 Jahre wäre die Feldschlößchen-Brauerei in diesem Jahr geworden, geht aus den Unterlagen hervor. 1889 wurde die "Vereins- und Brauerei Aktiengesellschaft" gegründet. Jericho bewahrt auch zahlreiche Schriften des verstorbenen Burger Chronisten Gerhard Mittendorf auf. Der schrieb in seinem Artikel vom 8. Januar 2005 zur Geschichte der Feldschlößchen-Brauerei: "Die Besichtigung der Brauerei zum ersten Anstich im Oktober 1890 fand größte Anerkennung."

Feldschlößchen-Gelände ist dem Verfall ausgesetzt

Heute verfällt das Gelände an der Pulverstraße. Die Stadtververwaltung kann nur zusehen, denn die Feldschlößchen-Anlage befindet sich im Besitz einer Erbengemeinschaft. "Wir können nichts machen", sagt Stadtsprecher Bernhard Ruth. "Schön sieht es nicht aus." Erst wenn Gefahr für die Allgemeinheit bestehe, dürfe eingegriffen werden, ergänzt Ruth.

1966 ging die Feldschlößchen-Brauerei in das Kombinat VEB Vereinigte Brauereien Magdeburg über, erinnert sich Jericho. In Burg sollte nur noch "Helles" gebraut und abgefüllt werden.

Kurz nach der Wende musste die traditionsreiche Burger Brauerei die Tore schließen.

Während in der Feldschlösschen-Brauerei nach 1966 noch Flaschenbier produziert wurde, kam aus dem Steinhaus nur noch Alkoholfreies. 1983 musste auch die älteste Burger Brauerei schließen.

Gerry Weber führt die Biertradition seit 2011 fort. Beim Aufräumen fand er das original Steinhaus-Rezept und machte sich daran, einen Partner zu finden. Abgefüllt und gebraut wird das Pils heute in Landsberg bei Halle.

Weber wollte bewusst den Namen des Burger Bieres weiterführen. "Denn der Name Steinhaus kommt aus dem Mittelalter", weiß Weber. Die Brauerei bestand aus Feldsteinen, während es rundherum Fachwerkhäuser gab.

1576 gilt als Gründungsjahr der Steinhaus-Brauerei. 1802 kam sie in den Besitz der Familie Schmidt. Die Brauerei überlebte dank vieler Modernisierungen und "war vor dem Ersten Weltkrieg die modernste Brauerei", erzählt Weber.

Die Krepper`sche Brauerei und unterirdische Reste

Übrig geblieben ist von der Steinhaus-Brauerei kaum etwas. Im Gegensatz zur Krepper`schen. "Der Bierkeller in der Magdeburger Straße 45 ist der älteste der Stadt Burg", sagt Heinz Jericho. Das Gelände gehört jetzt zum geplanten "Rolandquartier". Ausgeschenkt wurde das Bier von Theodor Krepper auch in der Scharfen Ecke, weiß der Chronist.

Von den Brauereien Kleinlein, Gebhardt und Schrader sieht man heute nichts mehr. Aber immerhin: Wo früher Gebhardt braute, ist heute eine Gaststätte.