Selten war die Natur so schnell wie in diesem Jahr. Der Raps blüht schon zu Ostern. Sonne gibt es reichlich. Aber den Landwirten reichen die Niederschläge nicht. Für eine gute Ernte brauchen die Pflanzen mehr Wasser.

Menz l Mussten viele Kinder im vergangenen Jahr die Ostersachen noch in den eigenen vier Wänden suchen, weil draußen noch Schnee lag, herrscht in diesem Jahr verkehrte Welt. Temperaturen über 20 Grad Celsius gab es bereits in den vergangenen Wochen. Die Wärme hilft den Pflanzen beim Wachstum. Jeder, der ein Gewächshaus betreibt, kennt den Effekt.

Gut ist die Wärme ebenso für den Landbau. Die Feldfrüchte entwickeln sich gut. Einige warme Tage reichten dem Raps, um in die Höhe zu wachsen und Blüten auszubilden. Leuchtend gelb blüht es nun auf vielen Feldern. Doch die ersten Wochen lassen kaum darauf schließen, wie die Ernte ausfallen könnte, sagt Eberhard Schopp. Der Vorstandsvorsitzende der Agrarunternehmen Menz warnt vor zu früher Freude.

Vor allem der noch geringe Niederschlag der vergangenen Wochen macht dem langjährigen Landwirt Sorgen. Ohne ausreichend Regen dürfte die Ernte nicht sehr üppig ausfallen, meint er. Ohne Wasser bilden die Pflanzen trotz reicher Blüte nur wenig Früchte aus. Auch bei Getreidearten ist dies bekannt. Nur wenige Körner lassen die Halme an der Spitze wachsen.

"Beim Raps rechnen wir nicht mit Höchsterträgen", zeigt sich Eberhard Schopp nicht optimistisch. Allerdings könne niemand das Wetter der kommenden Wochen vorhersehen, schränkt er ein.

Rund zehn Tage bis zwei Wochen sei die Natur in diesem Jahr der sonst üblichen Entwicklung voraus, schätzt Eberhard Schopp ein. Die Landwirte hatten in den vergangenen Tagen reichlich auf den Feldern zu tun. Selbst die Rüben seien bereits gesät, schildert er. "Wir haben die Rüben so früh wie noch nie gesät", bestätigt er.

Neben dem Wasser spielen in der Landwirtschaft allerdings noch andere Faktoren eine Rolle. Sehr groß ist die Bedeutung des Bodens, weist er hin. Je nachdem wie gut der Boden den Niederschlag speichern kann, kann es trotz längerer Trockenheit noch sehr gute Erträge geben. Stehen die Pflanzen dagegen auf reinen Sandböden, in denen das Regenwasser schnell versickern kann, könne es schon mal eng werden.

Deshalb kommen einige Landwirte mit der Trockenheit besser klar, weil ihre Böden dafür besser gerüstet sind, erklärt er weiter.

Noch sei es aber noch viel zu früh im Jahr, um eine verlässliche Prognose aufzustellen. Die kommenden Wochen seien maßgeblich für das Getreide. Zeige sich der Mai beispielsweise nass und kühl, könne der Vorsprung, den die Natur momentan habe, wieder aufgegeben werden.

Die vergangenen Jahre haben immer wieder gezeigt, wie wechselvoll die Natur sich von Jahr zu Jahr zeigen kann. Nach kalten und schneereichen Wintern gab es beim vergangenen Jahreswechsel kaum Schnee und wenig Frost. Nach Jahren heißer Sommer gibt es immer wieder verregnete Ferien. Die modernen Pflanzenzüchtungen kommen mit den Widrigkeiten der Natur aber immer besser klar. Zumal die Landwirte auch noch bei der Sortenwahl auf solche Pflanzen zurückgreifen können, die sich besser an die jeweiligen Standorte anpassen. So gibt es Pflanzen, die nicht so empfindlich auf Wassermangel reagieren und auch bei geringen Niederschlägen noch ordentliche Erträge produzieren. Die großen Konzerne forschen daran, die Pflanzen noch ertragreicher zu machen.

Auf der anderen Seite werden die Maschinen für die Feldbearbeitung immer leistungsfähiger. Ob die Landwirte dies wirklich brauchen, daran zweifeln auch einige Landwirte. Dennoch lässt sich der Fortschritt in der Landwirtschaft kaum aufhalten. Mit immer größeren Maschinen produzieren die Bauern immer größere Mengen Getreide und andere Früchte. Eberhard Schopp lässt leise Zweifel an der Entwicklung anklingen. Ob ein Traktor wirklich mit GPS über den Acker gesteuert werden müsse, sei zu hinterfragen, meint er. Dennoch kann sich kaum ein Unternehmen der Entwicklung entziehen. Um erfolgreich zu sein, müssen die Landwirte am Ball bleiben.

Trotz aller Entwicklungen bleibt es spannend, wie sich die Feldfrüchte in den kommenden Wochen entwickeln. Denn einer der Haupteinflussfaktoren bleibt das Wetter. Und das können die Landwirte noch nicht beeinflussen.

Gelassen schaut sich Eberhard Schopp die Entwicklung an. Abgerechnet wird sowieso zum Schluss, weiß er aus langjähriger beruflicher Erfahrung. Im kommenden Jahr beginnt dann das Spiel von vorn. Vielleicht klappt es dann mit der Rekordernte.