Darüber zu reden, was einen bewegt, beglückt oder auch bedrückt, das bieten die so genannten "Wohnzimmergespräche" bei Oliver Lindner in Gübs. Jedoch ist das mottogebende Wohnzimmer eigentlich das Esszimmer - dort gibt es nämlich den größten Tisch.

Gübs l Kürzlich hatte sich dort eine bunte Runde eingefunden. Dass sie ausschließlich aus Männern bestand, ist eher zufällig. Der exklusive Gast des Abends hat mit Geld zu tun: Finanzstaatssekretär Jörg Felgner. Er hat sich ein wenig verspätet, hängt sein Sakko über die Stuhllehne, krempelt die Ärmel hoch und bindet die Krawatte ab. Ob er ein Bier trinken möchte? "Ja gern", sagt er und fügt fast entschuldigend hinzu: "Ein Laster gebe ich zu. Ich trinke gern Bier." Kann er an diesem Tag auch. Er hat einen Fahrer. Hans-Jürgen Lang, der einstige Taxifahrer und jetziger Chauffeur im Dienste der Landesregierung, hat ebenfalls am Tisch Platz genommen

Bier ist auch schon das Stichwort. In Gübs, die meisten am Tisch sind aus diesem Ort mit rund 330 Einwohnern, gibt es keine Kneipe, schon lange nicht mehr. Stefan Blötz, Kfz-Handwerker und Geschäftsführer einer Lkw-Service-Werkstatt vermutet, dass eine gewisse Geiz-Mentalität dahinter stecken könnte. Für drei Bier in der Kneipe bekomme ich manchmal schon einen ganzen Kasten, da trinken die meisten lieber zu Hause und die Kneipe geht pleite. Und manches Gespräch beim gemeinsamen Bier findet nicht statt. Zum Beispiel darüber, dass die selbstständigen Handwerker - neben Blötz sitzt noch der Tischler Mike Kluth am Tisch - geeigneten Lehrlingsnachwuchs beklagen. Alle besuchen höhere Schulen und die Unis sind überfüllt, aber eine normale, gut ausgebildete junge Mittelschicht gibt es nicht. Staatssekretär Felgner: "Solche Argumente würde ich gern hören, wenn es Zoff wegen geplanter Uni-Strukturreformen gibt." Mike Kluth spricht von einem Akademierungswahn. Blötz hat einen Iraner und einen Vietnamesen als Lehrling bekommen können.

Das Geld ist aber nicht nur beim Land knapp, auch in den Kommunen. Bürgermeister Kay Gericke sagte, man habe beim Haushaltsplan schon mit einer Tarifsteigerung von zwei Prozent gerechnet. Nun ist es noch etwas mehr. Zusätzlich kommen nun noch einmal 140 000 Euro Personalkosten hinzu. Felgner lobt die Weitsicht ("Mit zwei Prozent liegt ihr schon ganz gut") und meint, dass die Tarifgemeinschaft der Länder für die Kommunen schon eine schwierige Sache sei. Manche Kommunen seien aus dem Verbund schon ausgetreten und hätten sich andere Vertreter gesucht oder Haustarifverträge abgeschlossen. Gericke meinte, dass man den Mitarbeitern der Gemeinde - insgesamt seien es 110, davon 25 in der Gemeindeverwaltung - das Geld gönne. Anderseits müssten die Bürger dafür den Gürtel enger schnallen, zum Beispiel mehr Steuern zahlen.