Mit der achten Gedenkfeier des Fördervereins Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A wurde am Sonnabendvormittag an die Befreiung des Lagers vor 69 Jahren erinnert. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Bundeswehr und Polizei waren dabei.

Dörnitz/Altengrabow l Erstmals konnte Dr. Gerhard Feige, römisch-katholischer Bischof des Bistums Magdeburg, für die Festrede gewonnen werden. "Wir haben uns heute an einem Ort zusammen gefunden, der über viele Jahrzehnte hinweg zu einer Stätte des Grauens, zu einer Stätte unsäglicher Verletzungen der Menschenrechte geworden war."

Die Lagerbedingungen müssen unmenschlich gewesen sein, so der Bischof. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal, so dass Epidemien um sich greifen konnten. Viele Gefangene starben auch an Unterernährung oder an den Strapazen der harten Arbeit. Besonders streng ging man mit den sowjetischen Gefangenen um. Sie wurden regelrecht "Opfer einer gezielten Ausrottungspolitik. Lange wusste die Öffentlichkeit nur sehr wenig über diesen Ort der Unmenschlichkeit, der nach dem Historiker Mathias Tullner ein "Schwergewicht unter den Kriegsgefangenenlagern" war. "Viele Initiativen tragen dazu bei, dass Altengrabow mehr und mehr zur Gedenkkultur unseres Landes gehört", erklärte Dr. Gerhard Feige.

"Sowjetische Gefangene wurden regelrecht Opfer einer gezielten Ausrottungspolitik."

Erinnerung, so der Bischof, sei notwendig, um sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Erinnerung sei notwendig, um die Mahnung wachzuhalten, sich mit allen Kräften dafür einzusetzen, dass sich solche schrecklichen Geschehnisse nicht wiederholen. Erinnerung sei notwendig, um sich der Verführbarkeit des Menschen bewusst zu bleiben, seines Hangs zur Anpassung und seines "Herdentriebs", seines Mangels an Mut und Zivilcourage, und seiner Fähigkeit, auch heute durchaus grausam und brutal reagieren zu können. Erinnerung sei schließlich notwendig, um zu verhindern, dass die Opfer der Vergangenheit vergessen werden, dass sie in dem, was sie erlitten haben, nicht einfach namenlos im Nichts versinken, sondern dass sie aufgehoben sind in einem lebendigen Gedächtnis. Kein Glück der Enkel mache Leid der Väter wieder gut.

"Wieviel Waterloos muss es noch geben, bis wir zur Vernunft kommen?", fragte der Vizepräsident des Landtages von Sachsen-Anhalt, Gerhard Miesterfeldt in Anlehnung an den gleichnamigen Film. Gerhard Miesterfeldt: "Ich frage mich manchmal, was die Kriegsgefangenen über die Zukunft Europas gedacht haben, als das Lager befreit und aufgelöst wurde." Besonders der zweite Weltkrieg habe in Altengrabow seine Spuren hinterlassen. "Europa braucht solche Gedenkorte, damit wir lernen, wie gefährdet Europa ist", so der Landtags-Vizepräsident.

"Versuche, Ehrenmale abzubauen, dürfen wir nicht zulassen."

"An einem Tag wie heute würde sich keiner vorstellen können, welche Leiden in diesem Lager ertragen werden mussten", machte Daniel Bisslinger von der Botschaft der russischen Förderation in Berlin deutlich. Die Erinnerungen daran seien unauslöschbar und haben sich unlöschbar eingebrannt. "Wir verneigen uns heute in Demut vor den Soldaten und Zivilisten aller Nationen. Sie haben einen entscheidenden Beitrag zur Vernichtung des Nazismus geleistet", so Daniel Bisslinger. Eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit der Geschichte sei unabdingbar. Versuche, Ehrenmale abzubauen, dürfe man nicht zulassen. Sein Dank galt deshalb dem Förderverein Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A für dessen Engagement. Die Achtung des Völkerrechtes sei das Vermögen derer, die sich aufgeopfert haben.

Der Förderverein Mahnmal Kriegsgefangegenlager Stalag XI-A kann, so Vorsitzender Dirk Grill, auf ein erfolgreiches achtes Jahr seines Bestehens zurückblicken, welches einige neue Herausforderungen mit sich brachte. So wurden nach der Neuwahl des Vorstandes im Oktober 2013 die Schwerpunkte in der Vereinsarbeit neu festgelegt. Dirk Grill: "Wir werden uns in Zukunft auf die Erforschung der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag XI-A, seine Insassen und seine Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt und die angrenzenden Länder konzentrieren." Einen großen Raum sollen auch die Erhaltung und Pflege sowie die weitere Gestaltung des Gedenkortes einnehmen.

Für die musikalische Begleitung der Gedenkfeier sorgten Vertreter des Posaunenchores aus Zerbst.

   

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