Der neue Regionale Entwicklungsplan (REP), der erstmals auch Aussagen für den Raum Loburg enthalten soll, kommt ein Jahr später als geplant. Die zuständige Planungsgemeinschaft hat die Auslegung eines ersten Vorentwurfes gekippt.

Möckern/Loburg l Derzeit erarbeitet eine Planungsgruppe den neuen Regionalen Entwicklungsplan (REP) für den Raum Magdeburg, er gilt auch für die Einheitsgemeinde Möckern. Eigentlich sollte der Vorentwurf schon im Februar vorgestellt werden. Formfehler machten eine weitere Abstimmung nötig. Am 30. April dann die Überraschung: "Ein Planungsmitglied fordert einen Umweltbericht, der erst erarbeitet werden muss", sagt Eckhard Groß, leitender Planer und Geschäftsstellenleiter der Regionalen Planungsgemeinschaft. "Den Bericht hätte man auch schon vor zwei Jahren beantragen können. Dann läge er jetzt vor", stellt Eckhard Groß fest.

Auswirkungen hat das auch auf die Region Loburg: Zum zu beplanenden Areal gehört seit Eingemeindung von Loburg und fünf umliegender Gemeinden auch das Windparkgebiet bei Zeppernick. Weil der zuvor zuständige Landkreis Zerbst keine gültigen Regelungen geschaffen hatte, gilt für die Errichtung von Windenergieanlagen die Privilegierung gemäß Paragraf 35 des Baugesetzbuches, solange kein regionaler Entwicklungsplan vorliegt. Dieser Status wird nun wohl mindestens ein Jahr weiter bestehen.

Damit bleibt die Entscheidung über einen Windpark beim Landkreis Jerichower Land als genehmigende Behörde. Hier bearbeitet man den Antrag noch: "Das Genehmigungsverfahren für den Windpark befindet sich in der Vollständigkeitsprüfung, informiert Henry Liebe, Sprecher des Landkreises. Doch fehlen offenbar Unterlagen seitens der Firma Lorica, die bei Zeppernick zwölf Windkraftanlagen (Gesamthöhe 199,50 Meter) errichten will.

Der Landkreis als genehmigende Behörde muss nicht auf einen gültigen Regionalen Entwicklungsplan warten. "Der Landkreis muss lediglich bei uns anfragen, ob sogenannte `raumordnerische Belange` dem beantragten Vorhaben entgegenstehen. Dies ist im Falle von Zeppernick nicht der Fall", erklärt Planer Eckhard Groß. Eine Genehmigung ist demnach zu erteilen, wenn keine schädlichen Umwelteinwirkungen entstehen, und erhebliche Nachteile für Allgemeinheit und Nachbarschaft nicht auftreten.

Hier jedoch greifen die Argumente der örtlichen Bürgerinitiative, die glaubt, dass erhebliche Nachteile für die Anwohner und umliegende Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete entstehen. Dazu Landkreissprecher Liebe: "Die anliegenden Flächen des geplanten Windenergieanlagengebiets sind seit Beschluss des damaligen Rat des Kreises Burg im Jahr 1972 Bestandteil des Großtrappen-Schongebietes. Die Regelungen sind weiterhin wirksam. Die Teilfläche bei Dalchau ist aus Gründen des Großtrappenschutzes auch als Europäisches Vogelschutzgebiet registriert und steht in besonderer Verantwortung."

Nicht nur die Großtrappe, auch der geschützte Rotmilan hat sich die zur Rede stehende Region als Aufenthaltsort ausgesucht, weiß man im Landratsamt: "Im Ergebnis der landesweiten Rotmilankartierung wurden im 3000-Meter-Radius um den Planungsraum des Windkraftvorhabens in Zeppernick 13 Brutpaare des Rotmilans erfasst. Dies bedeutet eine deutlich höhere Siedlungsdichte als im üblichen Landesdurchschnitt. Davon befinden sich drei Niststätten innerhalb des 1000-Meter-Abstandes zu den geplanten Windkraftanlagen. Daher ist es aus der Sicht des Artenschutzes nicht auszuschließen, dass der Betrieb der Anlagen zu einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko für Rotmilane führen kann." Wie die Volksstimme berichtete, waren die innerhalb des 1000 Meter-Abstandes kartierten drei Rotmilanhorste widerrechtlich entfernt worden.

In dem nicht veröffentlichten REP-Vorentwurf wurde das Gebiet zwischen Rosian bis Dalchau als möglicher Suchraum für Windkraft vorgemerkt. Wegen des neu eingeforderten Umweltberichtes holt die Magdeburger Planungsstelle nun zusätzliche Informationen ein - von den Naturschutzverbänden, Vereinen und den Naturschutzbehörden.