Neun Männer wollen Landrat werden. Innerhalb eines Forums stellen sich die Kandidaten den Fragen von Moderator Stefan Bruns. Das Fazit: Ein Landwirt, der mit Reformideen überrascht, Politiker, die kritische Themen meiden, ein amtierender Landrat, der genau diese anspricht und ein junger Student, der seine Chance nicht nutzt. Die Volksstimme fasst zusammen.

Burg l Neun Männer, drei Stunden und nur ganz wenig Neues. Alle sieben Jahre wird der Landrat gewählt. Die Chance für einen neuen Kandidaten, für neue Ideen und Entwicklungen. Die hätten die neun Bewerber für das Jerichower Land am Donnerstagabend im Forum der Kreisverwaltung vorstellen können. Doch es fehlt an "Kreativität". So fasst es einer der Zuhörer am Mikrofon zusammen - der Burger ist einer von knapp 300 Besuchern in der Stadthalle.

So zitiert der Rechtsanwalt Dr. Maik Barthel (Grüne) in der Vorstellungsrunde die Paragrafen zur Aufgabe des Landrates, Jurist Lutz-Georg Berklings (CDU) definiertes Ziel ist, dass "wir wieder stolz auf das Jerichower Land sein können", laut Verwaltungsexperte Gerhard Ritz sollen sich "die Bürger mit dem Landkreis identifizieren", Agraringenieur Harry Czeke (Linke) spricht von "weiterentwickeln" und Ökonom Steffen Burchhardt (SPD) wünscht sich die nächste Generation an die Spitze des Kreises. Klingt alles gut.

Die derzeitige Situation im Jerichower Land - mit einem gerade noch suspendierten Landrat an der Spitze - spricht bis dahin niemand an. Dann ist Lothar Finzelberg (parteilos) selbst an der Reihe. Er äußert sich zu den Urteilen und plädiert für die "Unschuldsvermutung". Die Revision im Fall Falschaussage steht aus. Trotz des "über ihm schwebenden Verfahrens" sieht er sich weiterhin in der Lage, die Pflichten als Landrat zu erfüllen.

Wer überrascht, ist Landwirtschaftsberater Edmund Herrmann. In der Diskussion hebt der 60-Jährige die Stimme und setzt sich für effektivere Strukturen in der Verwaltung ein. "Es darf nicht sein, dass man manchmal länger als zwei Jahre auf eine Baugenehmigung wartet."

Wer heraussticht, ist Student Matthias Rystau. Der 33-Jährige trägt ein grelles T-Shirt mit dem Aufdruck: Landratswahl JL - Bewegt Euch. Der Sozialpädagoge spricht von seiner ersten großen Liebe in Parey, bringt impulsiv sein Unverständnis über Finzelbergs Entscheidung, sich für die Wahl wieder aufstellen zu lassen, zum Ausdruck.

Das tat auch Zuschauerin Ingrid Malz aus Dörnitz. Mit einem Zettel in der Hand fordert sie den Rücktritt von Amtsinhaber Finzelberg. Aus den hinteren Reihen gibt es verhaltenen Applaus. Ihre Redezeit hat Ingrid Malz sich hart erkämpft. "Ich dachte, wir sind heute Abend hier, um als Bürger zu Wort zu kommen, nicht damit die Kandidaten hier Referate halten können."

Viel Kritik am Forum

Zu drei Themenkomplexen sollen die Kandidaten ihre Sicht der Dinge darlegen - von der Bildung bis zur Wirtschaft. Dazwischen das Thema Umwelt. "Ein spannendes Thema, aber ich kann dazu leider nichts sagen", so Rystau. Das ist an diesem Abend nicht nur einmal der Fall. Dann folgt die Wirtschaft. Es ist das Steckenpferd von Unternehmer Werner Krömer. "Das Sozialste ist Arbeitsplätze zu schaffen." Er selbst hat für mehr als 80 Stück mit seiner Firma in Genthin gesorgt.

Nicht nur bei den Zuhörern fand das Konzept der drei fachlichen Themenblöcke wenig Applaus.

Kritik zum Forum gibt es auch aus den Reihen der Bewerber. Gerhard Ritz fragt: "Warum sind Einladung und Themenvorgaben von Bernhard Braun in Vertretung des Landrates unterzeichnet worden? Zu diesen Komplexen bedarf es Insiderwissen, über das nicht jeder Kandidat verfügt." Ähnlich formuliert es Barthel: "Der Landkreis hat uns die Themenliste übermittelt und gleichzeitig verhindert, dass wir uns aus geeigneten Quellen der Verwaltung informieren können. Man kann es mit dem Amtsinhaber-Bonus auch übertreiben." Finzelberg dazu: "Nicht ich habe eingeladen, nicht ich habe Themen vorgegeben."

Moderator Stefan Bruns zeigt sich flexibel, lässt ein knappes Dutzend Fragen aus dem Publikum zu. Was die Bürger bewegt, sind die geplanten Windkraftanlagen in Möckern, die Stärkung der Kreisstadt Burg, der Erhalt der Schwimmhallen - und der Müll. Thematisiert hat Moderator Bruns auch den Tongrubenskandal. Dazu sagt Finzelberg: "Illegale Ablagerungen gab es nicht nur im Jerichower Land, sondern in vier Landkreisen - unter der Aufsicht von Bergamt und Ministerien." Steffen Burchhardt (SPD) entgegnete: "Im Bereich der Tongruben ist der Ruf des Landkreises ruiniert, da hilft nur Transparenz durch Offenlegung der Bücher." Ansonsten kein Statement aus den Bewerberreihen.

Der amtierende Landrat rückt ein anderes Thema in den Mittelpunkt. Aktuell sei keine Schulschließung geplant. Doch Lutz-Georg Berkling meint: "Wir müssen uns um den gymnasialen Standort Gommern kümmern, der eventuell mittelfristig durch demografische Fakten nicht gesichert ist." Kontroverser wurde es am Donnerstag nicht.