Die Mitglieder des Vereins "Hilfe für Rumänien" haben am Dienstagabend über ihre Reise nach Zvoristéa berichtet. Der Besucherandrang war groß. Zudem waren sechs Helfer zum ersten Mal auf der Fahrt dabei.

Gommern l Gleich sechs von zehn Helfern waren zum ersten Mal dabei, als der Tansport von Gommern in das tausende Kilometer entfernte Zvoristéa aufbrach. "Eine ungewohnte Situation", erklärte Vorsitzende Edeltraut Nickel. Schließlich verbringen die Teilnehmer eine Woche auf engstem Raum miteinander, "da kann es schon zu Reibereien kommen", fügte sie an. "Kam es aber nicht", berichtete sie am Dienstagabend im Alten Pfarrhaus in Gommern. Dorthin hatte sie alle Mitglieder des Hilfevereins und Interessenten eingeladen, um von der Reise zu berichten. Sie selbst hielt sich zurück und überließ den Neuen der "sehr harmonischen Gruppe" das Wort.

Dietmar Schellbach war einer von ihnen und zeigte zahlreiche Fotos, die er auf der Reise hatte aufnehmen können. "Es war ein sehr intensives Erlebnis", fasste er fünf Tage Aufenthalt in einer der ärmsten Gegenden Europas zusammen. Voller Eindrücke sei er zurückgekommen.

Er erzählte den mehr als 30 Anwesenden davon, was ihn am meisten beeindruckt hatte. Als auf der Leinwand das Porträt einer jungen Frau aufblitzte, hielt er kurz inne. Schön ist sie, dunkles Haar und keine 25 Jahre alt. "Von ihr habe ich noch eine andere Aufnahme, die ich aber nicht zeigen werde." Er erzählt, was auf dem Foto zu sehen ist; dass diese junge Frau in einem kalten Winter ihre Füße verloren hat. Nur auf Stümpfen lebe sie nun. Die Hütten seien meist alles andere als wetterfest. "Ich habe mich oft gefragt: Wie kann man hier leben?" Schuhe brauchen die Menschen dort, berichtete er weiter. "Da geht es nicht darum, welche schön aussehen, sondern nur, welche passen", machte er deutlich. Auf einem anderen Bild steht ein barfüßiger Junge auf einer Wiese neben seiner Mutter. "Er hat höchstwahrscheinlich Schuhe, aber bei milden Temperaturen schont er sie." Ein Mann, der mit Haus und Hof vergleichsweise gut da stand, freute sich sehr über ein Paar Gummistiefel. "Weil der lehmige Boden mit einfachen Schuhen nicht zu passieren ist", fügte er an.

Schwer sei ihm der Umgang mit den Tieren gefallen, gesteht er. "Hunde schützen vor allem abgelegene Häuser. Sie liegen an einer Kette, meist nicht länger als zwei Meter. Dementsprechend sehen die Tiere auch aus", erklärte er, fügt aber hinzu: "Für diese Menschen haben Tiere eine ganz andere Bedeutung. Für einige sind sie auch ihr Kapital", betonte er. Er berichtete, wie er einen Mann auf sein stark abgemagertes Pferd ansprach, mit dessen Kraft er sein Lebensunterhalt verdient. Der Mann sagte, dass das Tier krank sei, er sich aber den Tierarzt nicht leisten konnte. Umgerechnet zehn Euro sollte dieser Kosten. Spontan halfen die Vereinsmitglieder dem Mann mit einer kleinen Geldspende.

Fast zwei Stunden lang zeigten die Helfer Bilder und erzählten Episoden von ihrem Aufeinandertreffen mit den Einheimischen. Auch hoffnungsvolle, wie zum Beispiel über die Bäckerei des Partners Gorgi. 43 Angestellte habe er nun schon. Beim Aufbau der Bäckerei hatten ihn die Gommeraner unterstützt. Nun sei er Zvoristéas größter Arbeitgeber. Und er bäckt Brote für die Bedürftigen - aus Dankbarkeit. 400 spendete er sofort.

Dietmar Schellbach: "Es geht aufwärts, aber es ist noch viel zu tun. Ich bin dankbar, dass ich mitfahren durfte. Und werde es auch künftig tun."

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