Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen-Anhalt will sich in "Hilfe zur Selbsthilfe"-Projekten für Menschen in sozialen Notlagen in Griechenland engagieren. Anfang Juni soll eine erste Erkundung in Athen und Thessaloniki erfolgen. Partner, Idee und Vorhaben wurden in Biederitz vorgestellt.

Biederitz/Athen l Mit Hilfe junger Leute aus Europa ein leerstehendes Haus in seiner Heimatstadt Athen zu einem Anlaufpunkt für Menschen in Not zu machen - in diesem Projekt bündelt sich die Vision von Dr. Lambros Moustakis. Der Grieche, der seit vielen Jahren im österreichischen Linz lebt und sich in der Volkshilfe mit sozialen Projekten vor allem um berufliche Perspektiven für junge Leute arbeitet, hat vor über zwei Jahren eine Initiative gestartet, um mit und für Menschen in seinem unter der Wirtschaftskrise, der enormen Verschuldung und dem harten Sparkurs leidenden Heimatland Hilfe zur Selbsthilfe aufzubauen.

Volkshilfe Hellas heißt das Projekt - eine Genossenschaft mit fünf Gesellschaftern und gut 20 Helfern. "Das Ehrenamt gibt es so wie in Deutschland nicht in Griechenland. Man muss andere Wege gehen, um zu helfen", berichtet Moustakakis. Moustakakis war im Rahmen einer Veranstaltung der AWO-Gründungsinitiative für einen Kreisverband Jerichower Land nach Biederitz gekommen.

"In Zeiten der Not müssen wir zusammenstehen", begrüßte der Biederitzer Bürgermeister Kay Gericke (SPD) die Initiative. "Wir kennen das vom Hochwasser und der Unterstützung wir im Fluteinsatz erhalten haben. Das Gleiche gilt für Europa. Wir müssen helfen, das stärkt Europa. Ein geeintes Europa ist ein Garant für Frieden und ein soziales Netz."

Am Anfang stand bei Moustakakis eine private Spendenaktion, um armen Menschen zu Weihnachten unter anderem mit Bekleidung zu helfen. Die Resonanz war enorm. "Die Krise ist jetzt da. Jetzt muss man etwas tun", war seine Motivation, Menschen in seiner Heimat beispringen zu wollen. "Die Troika-Milliarden haben das Bankensystem stabilisiert. Den Menschen haben sie nicht geholfen. Die Kaufkraft ist enorm zurückgegangen. Firmen schließen. Für die Wirtschaft muss endlich etwas getan werden", schätzt er die Lage vor Ort ein. "Es gibt Elend wie nie zuvor vor allem in den großen Ballungszentren wie Athen, Thessaloniki oder Piräus. Gemeinschaftsküchen entstehen." Obdachlosigkeit wächst, die Krankenversorgung wird immer schwieriger. "Aber für Rüstungskäufe ist Geld da. Griechenland braucht keine U-Boote", grollt er.

"Die Hilfe sollte Struktur bekommen. Es geht darum, Menschen zu befähigen sich selbst zu helfen", ist Moustakakis überzeugt. Das sieht auch Wolfgang Schuth so. Der Geschäftsführer des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt hatte Kontakt zu Moustakakis bekommen, weil sowohl die Volkshilfe Österreich als auch die Arbeiterwohlfahrt in internationalen Solidar-Netzwerken verknüpft sind.

"Landesverband und auch die Bundes-Arbeiterwohlfahrt wollen helfen, dass eine solche Struktur zur Selbsthilfe entsteht. Wir haben Erfahrungen darin. Vielleicht entstehen Partnerschaften zwischen den Menschen dort und hier. Da rückt Europa dann im Konkreten doch näher zusammen."

Anfang Juni will sich Schuth mit Vertretern der Bundes AWO mit Moustakakis mögliche Projekte in Thessaloniki und Athen ansehen. Der Besuch in einem Krankenhaus, bei Ärzte ohne Grenzen und das besagte Athener Haus-Projekt stehen auf dem Programm.

Am 25. Mai ist auch Europa-Wahl. "Die Griechen wollen Europa und den Euro. Es gibt Chancen, dass sich etwas tut", ist Moustakakis überzeugt. Sie wollten aber besser verstanden und mitgenommen werden. Partnerschaften vor Ort könnten helfen, dass Verständnis wächst.