Burg l Erika Trödler greift sofort zum Hörer. "Das hat laut gerummst", sagt die 71 Jahre alte Burgerin. Sie wohnt in der Gorkistraße, direkt um die Ecke der Unglücksstätte an der Lüdersdorfer Straße 13. "Meine Jalousien haben richtig gewackelt von dem Knall", erinnert sie sich. Kurz vor 8 ist es, als sie das Fenster zum Hof öffnet, den die Mieter der Gorkistraße und der Lüdersdorfer Straße gemeinsam haben. "Da war soviel Qualm", sagt sie. Dann hört sie die lauten Schreie.

Sie alarmiert den Notruf, der kurze Zeit später eintrifft.

Viel Glas liegt auf dem Hinterhof, beizender Gas- und Rauchgeruch steigt ihr in die Nase.

Erika Trödler und ihr Mann eilen aus der Wohnung nach draußen. Es knallt noch mehrmals. "Nicht mehr so laut, wie beim ersten Mal, aber das macht schon Angst", erzählt sie.

Max Trödler erkennt den jungen Mann, der mit einer Leiter bewaffnet zu dem Fenster eilt, aus dem der Qualm steigt. Der 52-Jährige wohnt in der Nachbarschaft, seine Eltern ein paar Eingänge weiter an der Lüdersdorfer Straße.

14 Jahre wohnen die Trödlers schon in ihrer Wohnung. Man kennt sich in der Nachbarschaft.

Insgesamt sieben Wohnungen sind in dem Mietshaus an der Lüdersdorfer Straße. Außer dem Opfer wurde noch ein weiterer Mieter mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Drei andere Mieter retten sich auf die Straße. Ein Mieter im Untergeschoss ist zum Zeitpunkt der Explosion auf Montage, die Mieterin in einer der anliegenden Wohnungen auf Dienstreise, berichtet eine Verwandte, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Max Trödler erinnert sich an die Szene, die sich kurz vor dem Eintreffen der Feuerwehr abgespielt hat: "Der junge Mann hat versucht, ihn aus der Wohnung zu ziehen."

Als Feuerwehr und Notarzt eintreffen, bergen sie die beiden Männer im Flur des Mietshauses. "Der Ersthelfer hatte den Mieter aus der Wohnung gezogen", berichtet der Burger Wehrleiter Wolfram Stukenberg.

Mehrere Explosionen sind zu hören

Dass es mehrmals geknallt hat, wird auch der Feuerwehr vor Ort berichtet. "Das können Deoflaschen oder ähnliches gewesen sein", mutmaßt der Wehrleiter.

22 Burger Feuerwehrleute sind am Einsatzort. "Ein Zimmer brannte komplett, das Feuer breitete sich in der zweiten Etage aus", sagt Stukenberg.

"Innerhalb von zehn Minuten hatten wir das Feuer im Griff". Der schwerverletzte Mieter wird mit einem Hubschrauber nach Halle in ein Spezialklinikum geflogen, der 52 Jahre alte Retter und ein weiterer Mieter werden am Abend im Krankenhaus in Burg behandelt. Der beherzte Eingriff des Helfers kann dem 58 Jahre alten Mieter des Hauses jedoch nicht mehr helfen. Er erliegt später seinen schweren Verbrennunge.

Erika Trödler erfährt die Nachricht, dass der Schwerverletzte nicht überlebt hat, am Morgen nach dem Brand. "Das macht mich sehr traurig. Die Schreie gehen mir noch immer durch Mark und Bein", sagt sie.

Um halb 11 kehrt das Ehepaar zurück in ihre Wohnung. Mit starken Kopfschmerzen kämpft Erika Trödler, als sie sich schlafen legt.

Vorort sind am Abend auch die Ermittler der Kriminalpolizei. Hans Zabel, der auch schon an der Magdeburger Straße 13 ermittelt, kann am Morgen nach dem Brand sicher stellen, dass es sich um eine Gasexplosion gehandelt hat. Auf 60000 Euro Sachschaden beziffert er den Schaden.

Die Polizei hat die Wohnung, in der die Explosion passierte, am Mittwochvormittag wieder freigegeben.

Eigentümer des Hauses ist die Burger Wohnungsbaugenossenschaft. Vorstandsmitglied Diethelm Harp besichtigt die Wohnung nach dem Abschluss der Ermittlungen der Polizei. "Schlimm" sieht es in der Wohnung aus, sagt er. Wie lange die Mieter nicht in ihre Wohnungen können, will er noch nicht abschätzen. "Die Brandwohnung ist komplett zerstört. In den oberen Wohnungen und im Flur gibt es starke Brandschäden." Auch die Wohnung unter den betroffenen Räumen sei wegen der Löschwasserschäden nicht mehr bewohnbar. Seite 1

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