Mit welchen Maschen Betrüger an das Ersparte ihrer Opfer kommen, erklärte Kriminalrat a.D. Lothar Schirmer am Mittwoch im Alten Pfarrhaus. Nicht nur Alte fallen darauf herein, sagte er.

Gommern l "Natürlich, dann rufst du ja immer an", sagte eine resolute Frau am Telefon zu dem Mann, der sich als Ihr Enkel ausgab. Was der Täter im diesem Fall nicht wusste: sein Opfer hatte gar keine Enkel, verabredete sich zur Geldübergabe und rief die Polizei, die zumindest einen Mittelsmann dingfest machen konnte. "Der Enkeltrick" sei einer seiner "Lieblingstricks", erklärte Lothar Schirmer. Er funktioniert, auch wenn sehr viel über ihn berichtet werde. Der Kriminalist legte am Mittwochabend dar, dass der Betrüger sein Opfer in eine peinliche Situation bringe, in dem er sich einfach mit "Hallo, Oma, ich bins", melde. Es sei immer eine vertraute Ansprache und die Situation werde unangenehm für den Angerufenen, weil der eigentlich die Stimme kennen sollte. "Tut er aber nicht, deswegen bieten viele einen Namen an", berichtete Schirmer. "Bist, du es, Stefan?". "Ja", sei dann auf der anderen Seite zu hören und dann folge oft eine abenteuerliche Geschichte, warum der Junge jetzt dringend Geld brauche, aber nicht persönlich kommen könne. "Er sitzt nach einem Unfall im Gefängnis und braucht Geld für die Kaution. Obwohl das in Deutschland gar nicht geht", erzählte Schirmer. Dann solle einem Mittelsmann das Geld übergeben werden. "Manchmal sogar mit vorgegaukelten Code-Wörtern, die man natürlich mit dem falschen Enkel abgemacht hat und die nutzlos sind", merkte Schirmer an. Er rät: "Fragen Sie den Anrufer nach Detailwissen! Etwa: Wo wohnen deine Eltern und wie ist Muttis Vorname? Dann hören sie meist nur, wie aufgelegt wird."

Oft werden auch vertauenserweckende Berufe verwendet, um Informationen zu erlangen oder Zutritt zur Wohnung zu bekommen. "Falsche Kriminalbeamte beispielsweise. Lassen sie sich Dienst - und Personalausweis zeigen", rät er. Die Namen müssen identisch sein. Das werden sie bei gefälschten Dienstausweisen nicht sein, sagte er. "Und falls doch, haben sie zumindest den Klarnamen des Täters." Oft, aber nicht nur, sind ältere Menschen Opfer. Bei falschen Geschwindigkeitsmessungen mit Videoaufnahmen aus dem Fahrzeug heraus zahlten meist die Jüngeren, so Schirmer.