Dörnitz/Rosenkrug l Auch bei der zweiten Exkursion, zu der die Arbeitsgruppe "Abzug der WGT-Truppen vor 20 Jahren" eingeladen hatte, gab es wieder einen großen Besucheransturm, und das bei schon sommerlichen Temperaturen. Forstdirektor Rainer Aumann, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und Bundesforstbetrieb "Nördliches Sachsen-Anhalt", hatte sich zur Unterstützung Hauptmann Olaf Langkawel vom Truppenübungsplatz Altengrabow sowie Helmut Aue und Georg Kehrt von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) dazugeholt. In einer knapp zweistündigen Wanderung stellten sie den überaus interessierten Besuchern die Liegenschaft Rosenkrug vor.

Der Rosenkrug ist ein ehemaliger Ortsteil von Schopsdorf und wurde erstmals um 1700 erwähnt. Er wurde auch als "Rosencrucke" bezeichnet. Zu ihm gehörten eine Papiermühle und eine Teerbrennerei. Um 1900 verödete der Rosenkrug. Nach dem Kauf durch einen Dr. List um 1910 erlebte der Rosenkrug eine erneute Besiedlung und einen Aufschwung. Es entstanden ein "Sommerschlösschen" und Parks.

"Nach Kriegsende 1945 wurde der Ortsteil Rosenkrug von der Roten Armee übernommen und dem Truppenübungsplatz Altengrabow zugeschlagen. Alle Gebäude wurden dem Erdboden gleich gemacht", berichtete Hauptmann Olaf Langkawel. Im August 1945 übernahm die Rote Armee zur Durchführung von PAK und Stalinorgel-Schießen (deutscher Landserausdruck für ein Salvengeschütz der sowjetischen Raketenartillerie) auch den Truppenübungsplatz Altengrabow. 1946 wurde Altengrabow dann offiziell eine sowjetische Garnison für Artillerie-, Infanterie- und Flaktruppen.

Die Liegenschaft Rosenkrug wurde Ende der 50er Jahre in drei Bauabschnitten errichtet. Raketen und zwei Panzerregimente wurden hier stationiert. Hauptmann Olaf Langkawel: "Die Belegung mit Truppenteilen war hier in Struktur und Stärke wechselnd, je nachdem, wie kalt der Krieg gerade war." Im Durchschnitt waren am Standort Altengrabow 40 000 Bürger der ehemaligen Sowjetunion, zu Spitzenzeiten bis zu 60 000. Haupttruppenteile waren die 10. Garde Panzerdivision und die 36. Raketenbrigade." Der Rosenkrug war Kaserne und Wohnbereich, eine "Stadt in der Stadt", beziehungsweise im Dorf Dörnitz. Hier gab es Läden, Heizanlagen, Wohnungen, was zum Leben gebraucht wurde, aber auch Truppenunterkünfte, technische Bereiche mit Instandsetzungshallen, Tanklagern und Abstellhallen und -flächen für militärisches Großgerät.

In Anlehnung wurde im ostwärtigen Bereich mit Artillerie auf den Truppenübungsplatz geschossen. "Von Bedeutung ist ein leistungsfähiger unterirdischer Fernmeldebunker, ein Großverband, insbesondere bei der Stationierung von Sonderwaffen, der geführt werden musste. Die Anlage soll perfekt getarnt gewesen sein", so Hauptmann Olaf Langkawel. 1994 erfolgte der Abzug der Russen und die Übernahme in das allgemeine Grundvermögen.

Bundeswehr übernahm nicht: Altlasten zu hoch

Die rund 400 Hektar große Liegenschaft Rosenkrug hatte die Bundeswehr damals nicht übernommen. Forstdirektor Rainer Aumann: "Es gab zu viele Altlasten wie Müll, Grundwasser und Gebäude." Sie ging zunächst an das Bundesvermögensamt und dann an den Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt. Eigentümer ist jetzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA).

Helmut Aue informierte darüber, dass es 176 Altlastverdachtsflächen gab. Dazu gehörten unter anderem Tanklager, Heizhaus, chemische Reinigung, die Hausmülldeponie und das Munitionslager. Es gab aber auch ein Wasserwerk und eine biologische Kläranlage. Die Tanks hatten ein Fassungsvermögen von bis zu 25 000 Kubikmeter. "Im Zeitraum von 1994 bis 1999 erfolgte überwiegend der Oberflächenrückbau. Grundwassermessstellen wurden errichtet", so Helmut Aue. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro für Bauleistungen und zirka 700 000 Euro für Erkundungsleistungen (Ingenieurleistungen). Seit 1997 wurden insgesamt 50 Hektar aufgeforstet.

Zu sehen bekamen die Besucher das ehemalige Heizkraftwerk mit dem zwischen 90 und 100 Meter hohen Schornstein, den ehemaligen Speisesaal und die ehemalige Sporthalle. In einer rund 100-jährigen Buche hatten sich die Russen mit ihren Namen "verewigt". Das ist heute noch zu sehen. An Beispielen von ehemaligen Bürogebäuden ist heute zu sehen, wie sich die Natur 20 Jahre später nach und nach alles zurückholt.

Die Liegenschaft Rosenkrug darf nicht betreten werden. Die Gefahrenquellen sind immer noch hoch. "Unter den Gebäuden gibt es bis zu drei Meter tiefe Schächte. Und davon existieren einige hundert", so Forstdirektor Rainer Aumann.

Wieder zurück am Ausgangsort konnten sich alle bei einem von der Familie Marx aus Wüstenjerichow zubereiteten Imbiss stärken und Getränke zu sich nehmen.

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