Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat die von Personalnot bedrohte Ortsfeuerwehr Stegelitz unlängst um neue Mitglieder geworben.

Stegelitz l Lange hatten die Stegelitzer Kameraden gezögert, ob sie die Aktion wirklich durchführen sollen. "Wir lassen hier schließlich ein Stückweit die Hosen runter", sagt Julian Strobach, einer der noch verbliebenen freiwilligen Feuerwehrleute in Stegelitz. Soll heißen: man gesteht ein, dass die Wehrfähigkeit in dem Ort mit etwa 425 Einwohnern und einem nicht zu unterschätzenden Industriegebiet droht, an ihre Grenzen zu geraten.

Vor wenigen Tagen hatten die Kameraden deshalb mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse rote "Haushaltslöschkübel" im Ort verteilt, verbunden mit dem Hinweis, diese doch bitte zum Löschen zu verwenden, wenn keine Feuerwehrleute mehr da sind (Volksstimme berichtete). Mit der Aktion wollte man auf den drohenden Personalnotstand hinweisen und neue Leute für die Stegelitzer Truppe begeistern.

Es mag noch nicht so aussehen, aber den Stegelitzer Brandschützern gehen ganz allmählich die Leute aus. Das beweist auch der Blick auf eine Statistik, die der Ortswehrleiter Hartmut Lehmann, Jugendwart Thomas Teichgräber und Kamerad Julian Strobach im Rahmen eines Info-Abends im Gerätehaus präsentierten: Im Jahr 2010 gab es noch 21 aktive Feuerwehrleute im Ort. Jetzt sind es nur noch zehn Stegelitzer, die im Falle eines Notfalles die im Gerätehaus vorhandene Technik nutzen könnten, um Menschenleben zu retten, Brände zu löschen oder eine Ölspur von der Straße zu entfernen. "Das ist ein Rückgang von 52 Prozent", sagte Julian Strobach den rund 20 Stegelitzern, die der Einladung gefolgt waren. Hatten die Stegelitzer einmal 16 Atemschutzgeräteträger, so sind es derzeit nur noch sechs Kameraden, die mit solch einer Technik eingesetzt werden könnten.

Wenngleich in Stegelitz rein statistisch immer noch genügend Leute da sind, um in der Woche tagsüber zumindest vier Kameraden zu stellen und wenigstens nach Feierabend oder am Wochenende das Einsatzfahrzeug mit neun Kameraden komplett vollzubekommen, so macht sich im Ort doch ein Trend bemerkbar, der in ganz Sachsen-Anhalt um sich greift: Im gesamten Bundesland wird der Abwanderungstrend mit etwa 600 Feuerwehrleuten pro Jahr angegeben.

Quereinsteiger berichten über ihre Erfahrungen

Die Kinder- und Jugendwehr in Stegelitz gibt Anlass zu Optimismus - 36 Juniorfeuerwehrleute bereiten sich hier auf einen Dienst in der aktiven Wehr vor. Doch: "Wir dürfen unser Problem nicht auf die Jugend abwälzen", so Wehrleiter Hartmut Lehmann und Julian Strobach: "Wir können dankbar sein, wenn die Feuerwehr in der Lebensplanung unserer Dorfjugend vorkommt. Wir müssen aber auch akzeptieren, wenn die jungen Leute nach ihrer Ausbildung unserem Ort den Rücken kehren." Und das sind nicht wenige. Der Mitgliederschwund der Feuerwehr Stegelitz resultiert aus Um- und Wegzügen der Mitglieder sowie dem Erreichen der Altersgrenze der aktiven Feuerwehrleute.

Deswegen hatten sich die Stegelitzer Blauröcke mit ihrer Aktion speziell an jene Einwohner gewandt, die vor Kurzem im Ort gebaut und somit ihr Bekenntnis zum Ort abgelegt hatten. "Wir können mit der Resonanz auf unseren Aufruf zufrieden sein", bilanzierten die Stegelitzer Blauröcke nach der Veranstaltung. Bei Grillwurst und Getränken gab es Gelegenheit, mit den erschienenen interessierten Männern und Frauen über die Möglichkeiten einer Teilnahme am aktiven Feuerwehrdienst zu sprechen.

Zuvor hatten mit Thomas Teichgräber und Andreas Werner-Suhr ein "Feuerwehrmann-von Jugend-an" und ein Quereinsteiger über ihr Leben als Feuerwehrmann erzählt. "Man hat hier viel Zeit, um in die Sache hereinzuschnuppern", machte Quereinsteiger Werner-Suhr möglichen Neufeuerwehrleuten Mut: "Ich wurde hier sehr freundlich aufgenommen und konnte mich auf alles vorbereiten".

Neue Mitgliederanträge wurden an diesem Abend in Stegelitz noch keine ausgefüllt.