Das Jerichower Land feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Was macht diesen Kreis so besonders? In einer Serie von A wie Anfang bis Z wie Ziegelsdorfer Telegraf gehen Volksstimme-Redakteure der Sache auf den Grund. U wie Unglaublich: Ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ist gar nicht so einfach.

Burg l Gäbe es einen 20 Zentimeter großen Arzt, er wäre Heinz Benkewitz` bester Kunde. Denn der Burger Instrumentenschleifer hat das kleinste handgefertigte Skalpell in seiner Werkstatt. Gut festgeklebt und in einer Schatulle verwahrt, liegt das gute Stück, das 16 Millimeter groß ist. Damit hat Instrumentenschleifer Heinz Benkewitz den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde 1991 geschafft.

Das kleine Arztinstrument hat der Meister schon in den 70er Jahren hergestellt, erst nach der Wende hat er sein Skalpell und die dazu passende Mini-Pinzette beim Guinnessbuch vorgeschlagen. "Erst kam eine Absage", erinnert sich der 76-Jährige. "Dann war ich gereizt und wollte es wissen", erzählt Heinz Benkewitz.

Handgefertigt ist sein Miniatur-Operationsbesteck, darauf hat er ausdrücklich hingewiesen und verdiente sich damit die Guinessbuch-der-Rekorde-Urkunde, die im Eingangsbereich der Werkstatt hängt. Fünf Stunden hat er für das Skalpell gebraucht. Die Hälfte ungefähr für die Pinzette, erklärt der Handwerker. "Ich wollte mich testen", erzählt er. "Wie klein kann ich eigentlich arbeiten?"

Enkel will den Rekord übernehmen

Doch was wäre ein richtiger Meister ohne einen Schüler, der ihm nacheifert. In Heinz Benkewitz` Fall ist das der 21 Jahre alte Enkelsohn Jakob Kunert. "Nicht jeder hat einen Opa, der im Guinessbuch steht", sagt Jakob Kunert. Im vergangen Winter hat er versucht, den Großvater zu unterbieten. Sein Skalpell ist um ein Drittel kleiner als das seines Großvaters. "Doch noch lange nicht so filigran wie das Vorbild", sagt der Instrumentenschleifer. Erst wenn er mit seinem Werk zufrieden ist, will er einen neuen Rekordversuch einreichen.

2011 hat der Burger die Instrumentenschleiferei seines Großvaters übernommen. Instrumentenschleifer: Ein Beruf, den die Handwerkskammer nicht mehr ausbildet. In ganz Sachsen-Anhalt gibt es mit Jakob Kunert nur noch zwei Handwerker dieser Zunft. Großvater Benkewitz hat den Beruf von seinem Vater in Eisleben gelernt und ist stolz, dass er den Enkel für seinen Beruf begeistern kann. "Instrumentenschleifer gibt es schon seit 800 Jahren in Deutschland", sagt der Meister im Ruhestand.

Seine drei Kinder hat er nicht gewinnen können, doch Enkel Jakob liebt das Handwerk der Schleiferei. Sein Großvater belieferte einst 50 Krankenhäuser in der DDR. Jakob Kunert schleift heute unter anderem Instrumente für Tierärzte. In den Krankenhäusern wird heutzutage Wegwerfmaterial benutzt, erklärt der Großvater.

Zum Wegwerfen sind die Miniaturinstrumente nicht. Vielleicht kommt ja doch noch ein klitzekleiner Arzt, der richtig scharfes OP-Besteck braucht.

 

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