Seit Dienstag ist den Angehörigen von 57 sowjetischen Kriegsgefangenen mit Sicherheit bewusst, wo ihre Väter oder Großväter die letzte Ruhe gefunden haben. An der Wand der Gedenkstätte der gefallenen oder nach dem Krieg verstorbenen Sowjetsoldaten im Goethepark sind ihre Namen auf zwei Tafeln vermerkt.

Burg l "Bis dahin war ein Weg über vier Jahre notwendig, um sie an dieser Gedenkstätte ehren zu können", erklärte Wladimir Viktorowitsch Kukin nach dem feierlichen Enthüllungsakt. Er ist Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin und Leiter des dortigen Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit.

Ums Leben gekommen waren die 57 blutjungen Soldaten in Königsborn. Sie gehörten einem Arbeitskommando des am Rande von Königsborn gelegenen Versorgungslagers der Wehrmacht an. Bei einem Bombenangriff am 28. Mai 1944 kamen die Kriegsgefangenen um. "Wir wussten zwar, dass dort auch Landsleute von uns gestorben sind, aber nicht, wo sich ihre Überreste befinden. Das aber wollten wir wissen und begannen vor vier Jahren mit Nachforschungen", sagte Kukin. Geholfen hatte bei der Recherche unter anderem das Innenministerium Sachsen-Anhalts, um aus Archiven und Unterlagen herauszufinden, wo die Gebeine der Bombenopfer verblieben sind. "Nach dem Fliegerangriff wurden die Toten nahe des Wehrmachtslagers bestattet, bekamen wir zuerst heraus. Später dann wurde uns aus den verschiedensten Dokumenten bekannt, dass nach der Befreiung die damalige sowjetische Militäradministration 1947 die Leichname exhumieren und sie in Burg auf dem Gelände des sowjetischen Ehrenmals beisetzen ließ", schilderte der russische Büroleiter weiter. Von 51 der jungen Männer sind die Namen bekannt, von sechs bis heute nicht. Es wurden zudem aus dem Archivmaterial Fotos geborgen, die damals die Wehrmacht von den Kriegsgefangenen zur Registrierung hat anfertigen lassen.

Die Abbildungen waren am Dienstag über den beiden Gedenktafeln zu sehen. "Dank der Stadt Burg haben wir nun diese Erinnerungstafeln anbringen können und wollten sie mit verbliebenen Angehörigen der damals umgekommenen Sowjetsoldaten einweihen", betonte Wladimir Kukin.

Unter den Angereisten waren zwei Söhne des Soldaten Ivan Panilowitsch Nedelkow und die Tochter von Stepan Babanakow. In einer ergreifenden Minute gedachten sie vor den enthüllten Tafeln ihrer Väter und dankten den deutschen Behörden, dass sie mit dafür gesorgt haben, einen würdigen Bestattungsplatz für die 57 Kriegsopfer gefunden zu haben. Nach dem feierlichen Akt besuchte die Delegation der Verwandten noch den damaligen Ort des Todes ihrer Väter und Großväter in Königsborn und deren erste Bestattungsstätte: Schulzenbreite bei Biederitz.

Bei den beiden Namenstafeln soll es nicht bleiben, kündigte der russische Botschaftsmitarbeiter an. "Wir sind mit der Burger Stadtverwaltung übereingekommen, dass die Erinnerung an die umgekommenen Kriegsgefangenen Bestandteil des neu zu gestaltenden Ehrenmals sein soll. Und das soll nach Möglichkeit bis zur Landesgartenschau 2018 in Burg geschehen, versicherte uns Bürgermeister Jörg Rehbaum", gab Kukin mit der Ankündigung bekannt, dass es dann erneut eine russische Delegation geben wird, voraussichtlich am 28. Mai 2018, dem Todestag der 57 Rotarmisten.