40 Jahre volkskünstlerische Konzerte im Kloster Jerichow - kein alltägliches Jubiläum. 40 Jahre lang für den Sängerkreis Elbe-Havel diese Konzerte vorzubereiten, 40 Jahre lang die Chöre bei der Stange zu halten und 40 Jahre lang ein so tolles Publikum und eine so hervorragende Aufführungsstätte zu behalten - das ist herausragend und verdient, gewürdigt zu werden.

Jerichow l Dessen waren sich die teilnehmenden Chöre bewusst, denn zu ihrem großen Jubiläum kamen sie fast gänzlich ohne Politprominenz aus, die Grußworte hätten loswerden wollen. Fast, denn beim Burger Volkschor stand Gerhard Ritz in der Reihe, der für die Landratswahl kandidierte.

Das Singen war es auch, was die Veranstaltung ausmachte. Hier trafen sich Sangesfreudige, bestritten ihr Jubiläumskonzert und gaben das Beste. Ein Sängerwettstreit, der bestenfalls zwischen den im Dachgewölbe des großen Kirchenschiffs herumzwitschernden Vögeln und den Sängerinnen und Sängern des Sängerkreises stattfand. Aber dabei blieb es nicht: Jürgen Töpfer, Musiklehrer in Detershagen, Leiter des Burger Vokschores und des gemischten Chores Möckern, führte durch beide Veranstaltungen.

In der zweigeteilten Nachmittagsveranstaltung - der erste Teil fand im Kirchenschiff statt, der zweite in den Refektorien um den Klosterhof - bekam auch das Publikum Gelegenheit zum Singen. Ruckzuck hatte Klaus Töpfer mit den Gästen einen Kanon einstudiert und die riesige Kirchenhalle zum Klingen gebracht. Alle Achtung!

Am Nachmittag nahmen den Applaus des Publikums entgegen: Die Laurentius-Bläser Loburg Möckern, der Gemischte Chor Möckern, als viel beachteter Gast der Salzlandfrauenchor Staßfurt und der Frauenchor Rathenow. Jürgen Töpfer musste bekanntgeben, dass der Frauenchor Rathenow vor seiner Auflösung stehen. Ein Nachfolger für den Chorleiter Hermann Tressel konnte bisher nicht gefunden werden. Der Chor unterhält seit 2011 partnerschaftliche Beziehungen zum Burger Volkschor.

In den Refektorien waren zu erleben der Handwerker-Männerchor Genthin, der Handwerkerchor Burg, der Frauenchor Genthin und die Chorgemeinschaft Schönhausen /Wust. Nach einer ausgedehnten Pause, die von den Akteuren bei dem herrlichen Wetter zumeist im Innenhof der Klosteranlage verbracht wurde, denn hier bot das Klosterpersonal einen Imbiss und Getränke an, ging es in die Abendveranstaltung, die der scheidende Kreischorleiter Thomas Schöbel mit der Chorgemeinschaft Hohenseeden eröffnete. Schöbel wechselt von Berufswegen nach Berlin und steht dem Sängerkreis nicht mehr zur Verfügung. In der Klosterstadt präsentierte er mit seinen Hohenseedener Choristen ein würdiges Abschiedskonzert. Ohne die Nachmittagsveranstaltung geringschätzen zu wollen: Die Hohenseedener ließen das Publikum ahnen, dass sie nun ein glanzvolles Chorkonzert von sehr hohem Niveau erleben werden. So kam es auch. Das Instrumentalduo Thorsten Fabrizi/Philipp Weihrauch setzte mit Piano und Cello einen musikalischen Akzent, dessen Schwingungen offenbar weitergetragen wurden. Jedenfalls hielt das Publikum den Atem an, als das Doppelquartett des Burger Volkschores und der Volkschor selbst sowie der Frauenchor "cantare et vivere" aus Magdeburg sangen. Wozu soll man es beschreiben, so etwas muss man erlebt haben! Ganz große Klasse.

Das Publikum wusste es zu würdigen. Der Vorsitzende des Sängerkreises Elbe/Havel, Norbert Jankiewicz, auch. Das Fest habe Spaß gemacht und sei eine gute Werbung für das Singen und den Sängerkreis gewesen. Allen Akteuren sei herzlich zu danken, vor allem Jürgen Töpfer, der durch den Tag führte und auch Großartiges bei der Vorbereitung des Festivals leistete.