Eine unangenehme Überraschung erlebten kürzlich die Kunden der Brandenburger Bank in Drewitz. Sie wurden schriftlich darüber informiert, dass die Filiale in Drewitz zum 30. Juni geschlossen wird.

Drewitz l Der Fläming-Bereich verliert nach seinen Arztpraxen nun auch seine letzte Bank-Filiale. Vor allem für ältere Bürger ergeben sich damit weitere Probleme. "Es ist nicht immer möglich, Kleinststandorte mit sehr geringer Kundenfrequenz unverändert aufrecht zu halten", heißt es auch Bankkreisen. Für die Brandenburger Bank bedeute verantwortungsvolle Zukunftsplanung auch, auf das veränderte Kundenverhalten, die verschärften sicherheitstechnischen Anforderungen und die voraussichtliche Entwicklung angemessen und rechtzeitig zu reagieren. Deshalb seien die Selbstbedienungsstandorte wie beispielsweise in Drewitz einer kritischen, objektiven Analyse unterzogen worden und dabei "sowohl die historische Entwicklung, aber auch die zukünftige (demografische) Perspektive mit in die Beurteilung einbezogen". Die Bank bittet ihre Kunden um Verständnis, "dass wir aus betriebswirtschaftlicher Verantwortung für unsere Genossenschaft dem veränderten Kundenverhalten und den sich veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen müssen".

Die Bankfiliale in Drewitz war früher eine kleine Zweigstelle der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG). "Sie wurde später als Teil zur Bank in Ziesar zugeordnet", erinnert sich Jutta Roefe aus Magdeburgerforth, die seit 1968 über 30 Jahre dort gearbeitet hat. Das Gebäude selbst war früher mal eine Garage für drei Lkw, die ausgebaut wurde. Der Automat wurde nach der Wende 1994/95 installiert. "Für die Älteren war schon die Umstellung auf den Automaten damals schwer", weiß Jutta Roefe.

Auch Ortsbürgermeisterin Conny Vietmeyer zeigte sich enttäuscht über die Schließung der Bankfiliale. "Damit gibt es hier einen weiteren Einschnitt, nachdem wir schon unsere Arztpraxis nicht mehr besetzen konnten." Ein erstes Gespräch mit der Bank habe wenig Anlass zur Hoffnung gegeben, dass die Bank ihre Entscheidung noch einmal überdenke, so die Ortsbürgermeisterin.

Trotzdem versuchen die Bürger, bei denen die Entrüstung groß war und ist, mit einer Unterschriftensammlung, vielleicht doch noch etwas zu retten. Conny Vietmeyer: "Über 200 Unterschriften haben wir schon." Auch Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly war von der Schließung der letzten Bankfiliale im Fläming-Bereich der Einheitsgemeinde Stadt Möckern nicht erbaut und hat Unterstützung zugesagt. "Ich habe erste Gespräche geführt. Nun müssen wir sehen, was wir machen können." Er weist die Bürger darauf hin, dass letztlich sie selbst entscheiden, bei welcher Bank sie künftig Kunde sein werden.

Alternativen für die Drewitzer Bankkunden gibt es ab 1. Juli in Ziesar (10 Kilometer Fahrweg), in Tucheim (12 km), in Loburg (14 km), in Möckern (23 km) und in Burg (25 km). Ob diese allerdings von den älteren Leuten, die bisher mit dem Fahrrad aus den Nachbarorten nach Drewitz kommen, genutzt werden können, bleibt offen. Bankservice vor Ort wird es in Drewitz bald nicht mehr geben.