Die Freiwillige Feuerwehr Möckern hat eine neue Drehleiter in ihren Fuhrpark aufgenommen. Das in den Niederlanden gebraucht erworbene Spezialfahrzeug wurde am Dienstagabend öffentlich vorgestellt.

Möckern l Der Möckeraner Bürgermeister Frank von Holly bescheinigte dem Stadtwehrleiter Torsten Quandt ein gutes Händchen bei der Auswahl des Fahrzeuges. Im Januar hatte Quandt den Auftrag erhalten, sich auf dem Markt nach einer gebrauchten Drehleiter umzusehen. Zur Verfügung standen 170 000 Euro, die der Stadtrat bereits im Jahr 2012 für die Anschaffung freigegeben hatte.

Dass für diese Summe dann solch ein Schnäppchen erhascht werden konnte, sei aber ein wahrer Glücksfall, waren sich gestern die meisten Schaulustigen einig. Vor zwei Jahren hatte die Stadt ein vergleichbares Fahrzeug angeboten bekommen, für etwa 300 000 Euro. Nur weil in Holland aus Sparzwängen heraus Technik abgestoßen wurde, konnte Möckern zugreifen. Eine Firma in Sachsen übernahm die Überprüfung und den nötigen Umbau des Fahrzeuges.

Am Dienstagabend waren Möckerns Stadträte und zahlreiche Feuerwehrleute aus umliegenden Gemeinden gekommen, um die "Neue" zu begutachten. Stadtwehrleiter Torsten Quandt lieferte die technischen Daten: 265 PS stecken im Motor, die Erstzulassung erfolgte 1999. Drei Computer steuern wichtige Funktionen des Fahrzeuges, ein kräftiges Notstromaggregat erlaubt die Weiterführung des Einsatzes selbst dann, wenn die eigentliche Stromversorgung gestört ist. Zur Not kann die Drehleiter auch als Kran genutzt werden, bis zu vier Tonnen schafft der 30 Meter lange Ausleger, in dessen Stülpkorb drei Personen passen.

"Das Fahrzeug ist sehr gut", sagt der Genthiner Stadtwehrleiter Achim Schmechtig. Er muss es wissen. Die Genthiner verfügen über ein fast identisches Fahrzeug, lediglich die Fahrzeugkabine ist kleiner. In Möckerns Neuanschaffung gibt es eine Sitzbank für drei Kameraden zusätzlich. "Das kommt unserer Arbeitsweise entgegen", ist Möckerns oberster Feuerwehrmann Quandt zufrieden. Lob und Glückwünsche gab es auch vom Abschnittsleiter Bernd Girke, vom Kreisbrandmeister Walter Metzscher und Lutz-Georg Berkling.

Was aber passiert nun mit der alten Drehleiter? Bei der Fuhrparkpräsentation am Dienstag war die Grande Dame der Möckeraner Löschtruppe (die mindestens drei Menschenleben gerettet haben soll) schon ganz außen abgeparkt. Doch es dürfte noch "schlimmer" für sie kommen: "Wir haben zwei Möglichkeiten", sagte Frank von Holly: "Die erste Möglichkeit ist, die Drehleiter zum Verkauf ins Internet zu stellen, oder aber wir tun damit Gutes, so wie uns nach der Wende Gutes getan wurde." Der Stadtbürgermeister spielt damit auf die Tatsache an, dass nach der Wiedervereinigung Möckerns Partnerstadt Dassel mit ihrer ausgemusterten Anhängeleiter in der Ihlestadt auftauchte, als man hier noch mit Steckleitern arbeitete. Frank von Holly weiß, dass etwa in Griechenland das Feuerwehrsystem fast zusammengebrochen ist. "Unsere alte Drehleiter könnte dort noch helfen".

Spende für Griechenland?

Dass mit dem Fahrzeug noch Geld zu machen ist, glauben die Wenigsten. Die Abschreibung einer Drehleiter im Anlagennachweis einer Kommune liegt üblicherweise bei 20 Jahren, Möckerns Drehleiter ist etwa 30 Jahre alt. Der Buchwert ist gleich Null. "Wenn die noch einer kaufen würde, hätten wir sie selber ja auch behalten können. Das ist ja der Grund, warum wir die neue Drehleiter angeschafft haben", so Quandt.

Über 56 Fahrzeuge verfügen Möckerns Feuerwehren, das Durchschnittsalter wird mit 23,5 Jahren angegeben. Frank von Holly spricht von einem Investitions- und Instandhaltungsstau, der nicht zu schaffen ist. Der Stadtrat hatte zuletzt beschlossen, jährlich 170 000 Euro in Feuerwehrtechnik zu investieren.