Burchhardt oder Berkling? Von den neun Landratsbewerbern im Jerichower Land sehen wir zwei bei der Stichwahl am 15. Juni wieder. Einer von beiden darf sich am Wahlabend Landrat (und Finzelberg-Nachfolger) nennen.

Burg/Genthin l In den Kreistag hat es nur ein Landrats-Bewerber geschafft: Steffen Burchhardt zieht mit seinen 2535 Stimmen ein. Sollte er zum Landrat gewählt werden, wird Klaus Bock (552 Stimmen) nachrücken. Nicht gereicht hat es für Maik Barthel von den Grünen. Er dürfte wohl mit seinen 1136 Stimmen als meistgewähltes Nichtkreistagsmitglied in die Geschichte eingehen. Auch nicht gelangt hat es für Werner Krömer. Das Genthiner FDP-Mitglied holte bei der Kreistagswahl 286 Stimmen. Alle anderen Landratsbewerber hatten auf eine Kreistags-Kandidatur verzichtet.

Wie so oft vor Stichwahlen geben die unterlegenen Bewerber Empfehlungen für den 15. Juni heraus. Die Volksstimme hat bei allen Ex-Kandidaten angefragt.

Seitens der Linken gibt es eine (nicht überraschende) Stichwahl-Empfehlung für den Sozialdemokraten Burchhardt. Harry Czeke: "Die ist innerhalb unseres Kreisverbandes einstimmig ausgefallen." Czeke sagte auf Volksstimme-Nachfrage: "Ich möchte nicht, dass Herr Berkling die Geschicke des Landkreises leitet. Auch deshalb, weil ich Einblick in seine Arbeit beim Brand- und Katastrophenschutz des Ministeriums habe." Czeke meint: "An der Spitze der Verwaltung brauchen wir jemanden mit unverklärtem Blick. Herr Burchhardt ist unverbraucht und hat die entsprechende Kompetenz."

Einzelbewerber Edmund Herrmann spricht sich für Lutz-Georg Berkling aus. Zur Volksstimme sagte Herrmann: "Für ihn spricht die Sachkompetenz und seine Erfahrung in der Kreisverwaltung. Zudem hatte er zugesichert, nach seiner Wahl beim Landkreis eine Wirtschafts-Stabsstelle einzurichten." Herrmann und Berkling absolvierten kürzlich gemeinsam einen Wahlkampftermin in Klitsche. Thema dort war der ländliche Wegebau.

Dass es Anfragen aus beiden Lagern, also CDU und SPD, gegeben hat, bestätigte Maik Barthel der Volksstimme. Seine Wahlempfehlung lautet Steffen Burchhardt. Barthels Begründung: "Die Bürger haben am 25. Mai deutlich bekundet, dass sie nicht nur weiterverwaltet werden wollen, sondern dass wir frischen Wind benötigen, um unseren Landkreis voranzubringen. Nach meiner Einschätzung bietet Steffen Burchhardt die Gewähr dafür, dass es mit ihm als Landrat zu einem wirklichen Neuanfang kommt. Außerdem begrüße ich es, dass er sich für das auch von mir geäußerte wesentliche Wahlziel einsetzt, die Kreisverwaltung kompetent, effizient und vor allem bürgernah zu strukturieren."

Ähnlich verhält es sich beim Landratskandidaten Gerhard Ritz, der sich nach seinem Austritt aus der CDU als Einzelbewerber um die Nachfolge Lothar Finzelbergs bemüht hatte. Auch seine Wahlempfehlung lautet Steffen Burchhardt von der SPD. Gemeinsam fotografieren ließen sich beide kürzlich beim Flugplatzfest in Möckern. Burchhardt war mit seiner Familie dort und freute sich über die tollen Aktionen der Flieger. Sohn Anton durfte sogar eine Runde mitfliegen, während der Papa mit dem früheren Konkurrenten ein Bierchen trank. Gerhard Ritz sagte: "Ich bin ja nicht angetreten, um mein Ego zu befriedigen, sondern wir wollen ja etwas für die Leute erreichen."

Auch Werner Krömer aus Genthin spricht sich für Steffen Burchhardt aus. Krömer ist zwar FDP-Mitglied, kandidierte für den Landratsposten jedoch als Einzelbewerber. Er sagte zur Volksstimme: "Ich sympathisiere von Anfang an mit Steffen Burchhardt, weil er aus meiner Sicht noch eine weiße Weste hat. Ich setze für solche Positionen auf junge Leute, die eine gewisse Ehrlichkeit ausstrahlen."

Angefragt hatte die Volksstimme auch bei Noch-Landrat Lothar Finzelberg und bei Einzelbewerber Matthias Rystau. Beide haben nicht geantwortet.

   

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