Herrenhaarschnitte für unter 20 Euro soll es bald nicht mehr geben - das sagte Michael Klier, der Co-Chef der größten Friseurkette Deutschlands. Gilt das auch für Burg?, wollte die Volksstimme wissen und hörte sich in hiesigen Salons um.

Burg l 20 Euro für den günstigsten Haarschnitt - Grund sei der tarifliche Mindestlohn, den die Friseure bereits vor vielen anderen Berufsgruppen eingeführt haben. Schon im November 2013 wurde dieser auf 6,50 Euro in den neuen und auf 7,50 Euro in den alten Bundesländern angehoben. Am 1. August 2014 steigen die Löhne in den Friseursalons erneut um 1 Euro im Osten und 0,50 Euro im Westen und im August des kommenden Jahres gilt dann ein einheitlicher Lohn von 8,50 Euro. Klar, dass dies nicht ohne Folgen bleiben kann. Wir haben drei Friseure in Burg gefragt, wie sich der Mindestlohn auf ihre Preise auswirkt. Gehören Herrenfrisuren unter 20 Euro wirklich bald der Vergangenheit an?

"Nein", sagt Stefanie Knak (29). Ein Trockenhaarschnitt für Männer kostet in ihrem Friseursalon "Glückssträhne" in der Schartauer Straße momentan 10,50 Euro. "Ich bezahle schon seit letztem Jahr den Mindestlohn. Ab August 2015, wenn die 8,50 Euro auch im Osten gelten, werden unsere Preise aber wohl um zwei, drei Euro steigen."

Ihre Angabe deckt sich weitestgehend mit denen ihrer beiden Kolleginnen. Im Kosmetiksalon "Bella" von Andrea Sens (47) in der Jacobistraße liegt der Preis für einen Trockenhaarschnitt für Männer bei 12 Euro. Da sie den Mindestlohn schon sehr lange zahle, werde sich an den Preisen nicht mehr viel ändern, erklärt sie.

Beatrice Georgiew (30) betreibt den Friseursalon "La Vida" in der Brüderstraße. Bei ihr kostet der Trockenhaarschnitt für den Mann 12 Euro, werde mit dem Mindestlohn ab August 2015 aber definitiv etwas teurer.

Die drei Frauen sind sich bei dem Thema einig: Der Mindestlohn von 8,50 Euro ist mehr als gerechtfertigt. "Ein Stundenlohn von unter 8 Euro ist einfach zu wenig, wenn man bedenkt, wie anstrengend unsere Arbeit für den Körper ist", findet Andrea Sens.

"Das Friseurhandwerk ist ein Handwerk wie jedes andere auch", pflichtet ihr Beatrice Georgiew bei, "deswegen sollte es auch dementsprechend bezahlt werden." Damit das Preis-Leistungsverhältnis stimme, seien höhere Löhne und damit auch höhere Preise unumgänglich.

Stefanie Knak findet den Mindestlohn von 8,50 Euro sogar noch zu gering. "Strom und Gas werden schließlich auch immer teurer", argumentiert sie. Zudem lässt auch sie ihr Personal regelmäßig schulen: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Kunden Wert auf Qualität legen und dafür gerne etwas mehr bezahlen."

Der moderate Preisanstieg sei auch noch aus einem weiteren Grund gerechtfertigt: Der Anteil der Lohnkosten bei Friseurbetrieben ist mit 50 Prozent relativ hoch. Folglich haben die Salons kaum die Möglichkeit, in anderen Bereichen, wie bei Miete oder Strom, zu sparen.

 

Bilder