Anja Rösener-Hanebutte und ihr Mann Thomas Hanebutte haben am Pfingstmontag die Türen zu ihrem Heim geöffnet. Die beiden wohnen nämlich mit ihren drei Kindern in der Gommeraner Schlossmühle.

Gommern l Gleich am Eingang in die Mühle bot die neunjährige Helferin Josephine Spengler an, andere Kinder auf der alten Dezimal-Waage zu wiegen. "Jedenfalls war es so gedacht. Kinder waren bislang noch nicht sehr viele da, aber die Erwachsenen lassen sich auch wiegen", sagte Anja Rösener-Hanebutte und lächelt. Sie wohnt seit wenigen Jahren mit ihrer Familie in der Schlossmühle in Gommern. Am Pfingstmontag, dem diesjährigen Tag der Mühlen, hat die Familie Besucher in ihr Heim blicken lassen. Zumindest in den Teil der ursprünglichen Mühle, den Vater Thomas Hanebutte Stück für Stück vorzeigbar und wieder gefahrlos begehbar macht. Vor einem Jahr öffneten sie die Pforten zum ersten Mal. "Damals war der Ansturm immens", erinnerte sich Anja Rösener-Hanebutte. "Heute ist es zum Glück ruhiger", fügte sie an und ihr Mann ergänzte: "Rund 100 Gäste waren am Vormittag dennoch schon da."

Das Interesse an dem alten Mühlenbau ist groß. "Viele Gommeraner kommen und erzählen uns, dass sie die Mühle noch aus ihren Kindertagen kennen. Manche kannten sogar noch den letzten Müller, Otto Fiedler", berichtete Thomas Hanebutte.

"Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen einfachen, aber genialen Mitteln damals gebaut wurde", sagte Jürgen Rösener, der seinen Kindern regelmäßig beim Ausbau der Mühle hilft. "Vieles funktionierte in der Mühle über Transmissionen, also Kraftübertragung durch Bänder", erzählte er weiter. Eine alte Transmissionswelle haben die Mühenbesitzer erneuert und angebracht. "Die Aufhängungen für diese mehrere hundert Kilogramm schwere Stange sind genial gelöst. Es ist ein sehr einfaches Prinzip, aber es funktioniert", schwärmte der Großvater. Die Energie wurde aus der Ehle gewonnen, die direkt unter der Mühle hindurchfließt. Ein Francis-Voith-Turbine wurde durch den Fluss angetrieben. Diese wiederum bewegte den Mühlstein, die vielen Transportbänder für Mehl und Korn "und konnte sogar noch Strom erzeugen", sagte Rösener. Ständig wird an der Mühle gearbeitet. Zwei neue Räume kamen seit dem vergangenen Mühlentag hinzu und wurden begehbar gemacht. Dort zeigt eine Ausstellung Dinge aus dem Leben der Müllerin, etwas, was Anja Rösener-Hanebutte wichtig ist. "Die Frauen werden ja oft vergessen", fügte sie an. Auch die nächsten Projekte stehen schon fest. "Wir müssen das Dach der Stallungen erneuern und ich würde gern eine zugemauerte Sichtluke zur Ehle wieder öffnet", erklärte Hanebutte.

Vor allem hat die Familie die Möglichkeit, einen alten Dieselmotor für die Mühle kostenfrei zu bekommen. "Nur den Transport müssen wir organisieren", sagte der Familienvater. Die etwa fünf Tonnen schwere Maschine müsste auseinandergebaut und mit dem Lkw aus dem Sauerland nach Gommern gebracht werde. "Wer also einen Truck oder Zeit zum Schrauben hat, kann sich gern melden", sagte Thomas Hanebutte.

Thomas Hanebutte ist unter 0177/ 891 92 23 zu erreichen.