Lutz-Georg Berkling (CDU) will am Sonntag Landrat und damit Nachfolger von Lothar Finzelberg werden. Der Christdemokrat spricht im Interview mit den Redakteuren Mario Kraus und Tobias Dachenhausen über das Motorradfahren, die Wahl und die Zukunft.

Volksstimme: Herr Berkling, wie haben Sie sich von der Aufregung am Wahlsonntag ablenken können?

Lutz-Georg Berkling: Am Wahlsonntag habe ich zur Entspannung eine kurze Motorradtour mit Otto Ferchland durch den Ostteil des Landkreises nach Ziesar gemacht. Am 15. Juni planen wir zusammen mit dem motorsporterprobten Möseraner Fahrlehrer Micha Kahlfuss ebenfalls eine solche Tour durch den Westen und Norden des Landkreises. Da kommt man auf ganz andere Gedanken und es macht auch noch Spaß.

"Unser Etappenziel Stichwahl haben wir mit Vorsprung erreicht."

Waren Sie vom Wahlergebnis überrascht?

Bei neun Kandidaten war vorher keine genaue Prognose möglich. Die Stichwahl war unser Etappenziel, das wir mit ordentlichem Vorsprung erreicht haben.

Wie haben Sie die Stimmung nach der Wahl erlebt?

Viele haben sich mit mir gefreut. Es war einfach wahrzunehmen, dass viele froh über den greifbaren Neuanfang sind.

Viele Termine, Straßenwahlkampf und zahlreiche Gespräche - Sie hatten in den vergangenen Wochen viel zu tun. Wie hat die Familie darauf reagiert?

Stressig ist vor allem, die Wahlkampftermine mit den sonstigen Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Sonst hat sich mein Leben aber nicht sonderlich verändert. Neu für die Familie war, dass der Mann beziehungsweise Vater sie jetzt von Wahlplakaten anlächelt und häufiger in den Medien ist. Meine Frau und unsere Kinder unterstützen mich natürlich voll und ganz.

"Ein Landrat braucht für diese schwierige Aufgabe Vorerfahrung."

Am Sonntag heißt Ihr Gegner bei der Stichwahl Steffen Burchhardt. Sehen Sie sich als Favorit?

Ja, mit meiner Ausbildung als Verwaltungsjurist und der langjährigen Tätigkeit in der Kommunal- und Landesverwaltung sowie den nebenberuflichen Tätigkeiten als Leiter von Arbeitsgruppen des Landkreistages, als Vorsitzender des Begleitausschusses des Lokalen Aktionsplans Jerichower Land, als Vorsitzender des Beirats der Justizvollzugsanstalt Burg und als Bataillonskommandeur eines Verbandes der Reserve mit über 1700 Soldaten bin ich für das Amt des Landrates besonders befähigt.

Erfahrung und Kompetenz sind auch die Schlagwörter ihres Wahlkampfes. Ohne diese Dinge geht es nicht?

Mich ärgert es, dass man glaubt, dass es als Landrat keine Vorerfahrung braucht. Es ist eine schwierige und fordernde Aufgabe. Formal ist eine bestimmte Ausbildung für einen Landrat nicht vorgeschrieben. Er muss aber über die Kompetenz verfügen, eine Verwaltung mit rund 500 Mitarbeitern zu führen, mit 42 erfahrenen Kommunalpolitikern im Kreistag und den Bürgermeistern der Gemeinden zusammenzuarbeiten und den Landkreis auf Landesebene gegenüber Behörden und Ministerien anerkannt vertreten. Dazu reicht es nicht aus, lieb und nett zu sein, oder kurz vor der Wahl ein Programm von den Mitbewerbern abzuschreiben. Erforderlich ist berufliche und politische Erfahrung und fachliche Kompetenz.

"Ich will mich den Radwegen und der Touristik annehmen."

Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Landrat?

Nach einer Versammlung aller Bediensteten des Landkreises will ich eine neue Stabsstelle für Unternehmen und Gewerbetreibende, einschließlich der Landwirtschaft einrichten. Diese soll dann zwischen Unternehmen und Verwaltung übersetzen und vermitteln. Die oft als lästige Pflicht empfundene Zusammenarbeit eines Unternehmers mit der Verwaltung könnte so deutlich vereinfacht werden. Wirtschaftsförderung ist Chefsache. Zudem werde ich mich den Radwegen und der Touristik annehmen. Diese beiden Themen müssen unbedingt miteinander verknüpft werden, denn nur ein Radweg allein bringt dem Landkreis nichts. Eine Verbindung zwischen dem Elbe- und dem Havelradweg würde unsere Region mit dem Wasserstraßenkreuz und dem Kloster Jerichow deutlich aufwerten.

Was würden Sie denn anders machen als Ihr Vorgänger?

Ich wünsche mir eine höhere Bürgerbeteiligung und Berücksichtigung der Interessen unserer älteren Bevölkerung über die Seniorenvertretungen. Ich bin ein Freund von rechtzeitigen und umfassenden Informationen. Die Fachbereichsleiter sollen regelmäßig über ihren Bereich informieren. Das passiert zurzeit zu selten. Der Eindruck, dass hier etwas hinter verschlossenen Türen gemacht wird, darf nicht entstehen.

"Ich bin ein Freund von umfassenden Informationen."

Nach der Wahl am 24. Mai gab es bereits Ratschläge oder Themen, die Sie behandeln sollen?

Es geht vor allem darum, den Landkreis wieder in eine sichere Bahn zu leiten. Nachgefragt wird auch immer nach dauerhaften Arbeitsplätzen im Landkreis. Dies gehört zu meinen wichtigsten Zielen, auch damit das Jerichower Land für die Jugend lebenswert bleibt. Auch die Kultur- und Sportförderung stehen bei mir auf der Agenda.

"Es wird wohl keine großen Veränderungen, aber Bewegung geben."

Ihre Partei hat die meisten Sitze im Kreistag bekommen. Macht das die Arbeit als möglicher Landrat einfacher?

14 Sitze sind nicht die Mehrheit, aber es ist eine gute Basis. Die Fraktionsbildung in dem Gremium ist noch nicht abgeschlossen. Es wird wohl keine großen Veränderungen geben, aber schon Bewegung. Darauf kann man gespannt sein, und wie breit die Unterstützung dann wirklich ist, sieht man dann. In den vergangenen Jahren wurde in diesem Kreistag verhältnismäßig wenig Parteipolitik gemacht, sich mehr auf Sachthemen konzentriert. Das ist gut und soll so auch überparteilich fortgeführt werden.

Zurück zur Stichwahl: Der Kreisverband der Linken hat seine Unterstützung Ihrem Konkurrenten zugesichert. Verunsichert das?

Nein, der mündige Bürger entscheidet selbst, wer unseren Landkreis in eine sichere Zukunft führen kann. Er wird sich erinnern, dass derartige Bündnisse im Land schon einmal zum Stillstand geführt haben. Mit mir wird es ein starkes Jerichower Land und keine weitere Reduzierung der Landkreise geben.

Mit was für einer Wahlbeteiligung rechnen Sie?

Die Stichwahl ist eine neue Wahl, alles über 20 Prozent wäre schön Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung.