Zu dem altbekannten Klappern der Adebare auf dem Storchenhof Loburg hat sich ein neues Geräusch gesellt: Seit März summen zwei Bienenvölker auf dem Gelände der Vogelschutzwarte. Die Idee stammt von den aktuellen Teilnehmern des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ).

Loburg l Ganz hinten auf dem weitläufigen Grundstück, derzeit noch hinter dem Elektrozaun des Ziegengatters versteckt, stehen in bunten Regenbogenfarben gestapelte Kästen, in denen die zwei Völker emsig ein- und ausfliegen. Rund 120 000 Kärntner-Bienen (Carnica) haben auf dem Storchenhof ihr neues Domizil gefunden. Dahinter steckt ein Projekt, mit dem Malve Limprecht und Friedrich Rosenthal auch nach Ende ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres einen bleibenden Eindruck auf dem Storchenhof Loburg hinterlassen werden.

In Halle prämiertes Projekt

Das Projekt wurde sogar ausgezeichnet. Es ist eines von neun prämierten Projekten des diesjährigen "Freistil"-Jugendengagementwettbewerbs der Freiwilligenagentur in Halle gewesen.

Der Schopsdorfer Friedrich Rosenthal ist Imker im Nebenerwerb. "Mit dem Projekt wollen wir den Besuchern des Storchenhofes den Einfluss der Biene auf unsere Umwelt näherbringen", erklärt der 18-Jährige, während er einige Utensilien aus einer Hütte hinter den Bienenstöcken holt. Heute soll geerntet werden: Es ist die sogenannte Frühtracht, bei der die Bienen vor allem Raps beflogen haben. Das erlaubt später die Etikettierung "sortenrein", wenn schon bald an die 60 Gläser im Schauraum des Storchenhofes angeboten werden.

Im März haben Friedrich Rosenthal und die aus Südhessen stammende Malve Limprecht (20) mit der Imkerei auf dem Storchenhof begonnen. Seitdem wurde eine "Bienenweide" angelegt, mit Pflanzen, die den Tierchen das ganze Jahr über Nahrung für die Brut und letztlich Honig für den Menschen garantieren sollen. Noch fehlt eine Informationstafel zum Thema Bienen für die Besucher der Vogelschutzwarte.

Die entstandenen Kosten in Höhe von 3000 Euro für Bienen, Erntegerät und Infotafel übernimmt dabei die Stiftung "Umwelt, Natur und Klimaschutz" (SUNK). Sie ist auch Träger des "Freiwilligen Ökologischen Jahres". Regelmäßig bietet der Loburger Storchenhof solche FÖJ-Plätze für junge Leute an (siehe Info-Kasten). Wenn Malve und Friedrich ihr Jahr abgeleistet haben, wird Evelyn Boht, Mitarbeiterin im Storchenhof, die Verantwortung für das Projekt übernehmen, bevor neue FÖJler dazustoßen und die Bienen versorgen und den Honig ernten können.

Waldbrand vorgegaukelt

Die "Neuen" könnten im Spätsommer schon mit der "Sommertracht" konfrontiert werden. Der Ablauf einer solchen Honigernte funktioniert so: Zuerst wird den Bienen mit dem "Smoker" - einer Rauchkanne - vorgegaukelt, es gäbe einen Waldbrand. Daraufhin nehmen die Tiere Vorräte auf und warten auf das Fluchtkommando der Königin. Daher sind sie in dieser Zeit ruhig und verteidigen nicht die Brut.

Für die Imker bietet sich so die Gelegenheit, die Zargen mit den Honigwaben aus den Kästen zu nehmen. Die Waben werden danach mit einem Schaber geöffnet und in der Honigschleuder mit Hilfe der Zentrifugalkraft entleert. Die Brutwaben und ein Teil des Honigs bleiben unversehrt, um dem Bienenvolk nicht zu schaden.

Wer sich für das Hobby der Imkerei interessiert, sollte zuvor einen Kurs belegen, um mit dem Metier vertraut zu werden, empfiehlt Nils Rosenthal: "Es gibt auch in Loburg einen Imker-Verein."

Für ein Bienenvolk müssen laut Friedrich Rosenthal etwa 100 Euro investiert werden. Für die "Beute" - so nennt man die Kästen, in denen das Bienenvolk lebt - wird noch einmal etwa so viel Geld investiert. Richtig teuer werden die Gerätschaften, wie die Honigschleuder, die schon ohne Motorkraft durchaus an die 600 Euro kosten kann.

   

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